1:0 gewonnen: So lief das erste Treffen zwischen Söder und Krause

Einen grünen Oberbürgermeister in München habe Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verhindern wollen, hieß es immer. So sehr, dass er dafür extra die Altersgrenze für Oberbürgermeister abschaffte. Erst dadurch konnte OB Dieter Reiter (SPD) mit 67 Jahren noch mal kandidieren.
Zugegeben hat Söder diese Strategie öffentlich freilich nie – und aufgegangen ist sie auch nicht: Dominik Krause von den Grünen wird bald Münchner Oberbürgermeister sein.
Umso spannender, wie die erste Begegnung der beiden werden würde. Wie wird Söder schauen, wenn Krause ihm beim Wiesn-Anstich die erste Maß überreicht, fragten sich viele.
Der CSU-Ministerpräsident und der designierte grüne OB trafen nun früher aufeinander: nämlich am Donnerstagvormittag bei der Eröffnung des neuen Amazon-Standorts in München in der Parkstadt Schwabing.

2500 Menschen arbeiten hier auf sechs Etagen. Es gibt elf begrünte Dachterrassen, einen Yoga-Raum, ein Kino, Kaffee-Küchen, Still- und Gebetsräume. "Bei Amazon arbeiten 50, 60 Nationen zusammen", erzählt Amazon-Chefin Katrin Kleiser bei einem Rundgang vor der Eröffnung.
Das Herzstück des neuen Gebäudes sei das Atrium, wo 600 Menschen hineinpassen. Normalerweise ist hier die Kantine. Von oben aus den Büros kann man hinunterschauen und sehen, wer dort gerade Kaffee trinkt.

Bevor sie ihre Reden halten, haben Söder und Krause schon eine Runde gekickert. Denn in den Pausen bei Amazon kann man nicht nur Yoga machen. Es gibt auch einen Kickertisch.
"Wir wurden in ein Team zusammengewürfelt. Und haben auch gleich gewonnen – überraschenderweise", erzählt Söder auf der Bühne, gut gelaunt und fröhlich. Er erwähnt auch, was er und Krause gemeinsam haben: Beide wollen Olympische Spiele nach München holen.
Später sagt der Ministerpräsident noch zur AZ, dass das erste Aufeinandertreffen mit Krause "höflich und freundlich" gewesen sei: "Die Landeshauptstadt und der Freistaat arbeiten immer gut zusammen – egal von welcher Partei."

Gemerkt hat er allerdings bestimmt, wie sehr die Amazon-Mitarbeiter bei der Begrüßung von Dominik Krause klatschen und jubeln. Während seiner Rede gibt es sogar Zwischen-Applaus – und zwar bei einem Seitenhieb gegen den Kanzler Friedrich Merz (CDU).
"Pauschalurteile verbieten sich"
Zuerst bedankt sich Krause bei den Paketzustellern – "die Jobs machen, die sehr anstrengend sind, aber keine Reichtümer bringen". "Deshalb will ich bitten, bei Aussagen zum Stadtbild die Worte genau abzuwägen. Wenn man sieht, wer spätabends noch die Pakete bringt, verbietet sich das ein oder andere Pauschalurteil", sagt Krause. Und der Saal klatscht fast eine halbe Minute.
Hinterher, als sich Krause das neue Elektro-Lastenrad zeigen lässt, stehen einige Mitarbeiter für Selfies an. Mit dem E-Lastenrad stellt Amazon Pakete im Münchner Osten zu. "Auch dafür brauchen wir breitere Radlwege", sagt Krause. Wie Söder das findet? Fragen kann die AZ nicht mehr, er hat da die Veranstaltung schon verlassen.