Oktoberfest: Premiere für Grünen-OB Krause und wieder höhere Preise

"O'zapft is!" Mit diesen Worten wird Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (36) am 19. September das Oktoberfest eröffnen - für ihn ist es die Premiere. Der Grünen-Politiker gewann am 22. März die Stichwahl gegen Amtsinhaber Dieter Reiter und führt seit dem 1. Mai das Rathaus. Bis zum 4. Oktober werden auf der Theresienwiese rund sechs Millionen Gäste erwartet. Das gerne als "größtes Volksfest der Welt" bezeichnete Fest geht in seine 191. Auflage.
Offiziell beginnt das Oktoberfest am Samstag, 19. September, mit dem traditionellen Anstich. Zuvor setzt sich um 10:35 Uhr in der Sonnenstraße auf Höhe der Josephspitalstraße der Einzug der Wiesnwirte in Bewegung. Rund 1.000 Mitwirkende ziehen mit Festkutschen, Brauereigespannen und Musikkapellen über Sonnenstraße, Schwanthalerstraße, Hermann-Lingg-Straße und Bavariaring zur Theresienwiese, wo sie gegen 12 Uhr eintreffen. An der Spitze reitet das Münchner Kindl - 2026 erstmals Sina Hochreiter, Tochter der Wirtsleute Michaela und Dieter Hochreiter, die die Haxnbraterei auf der Wiesn betreiben.
Um Punkt 12 Uhr schlägt Krause in der Festhalle Schottenhamel den Zapfhahn ins erste Fass. Wie viele Schläge er dafür braucht, gehört zu den meistbeachteten Fragen des ersten Wiesntags. Die Bestmarke liegt bei zwei Schlägen, geteilt von seinen Vorgängern Christian Ude und Dieter Reiter (beide SPD). Geübt hat Krause Mitte August bei der Paulaner-Brauerei in Langwied. Er hoffe, mit zwei bis drei Schlägen auszukommen, sagte er im Wahlkampf.
Die erste Maß geht anschließend an den amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten, also an Markus Söder (59) - eine Tradition, die bis 1980 zurückreicht. Zwölf Böllerschüsse vor der Bavaria signalisieren den übrigen Zelten, dass der Ausschank beginnen darf. Vorher fließt nirgends auf dem Gelände Bier, auch nicht auf der Oidn Wiesn. Am Sonntag, 20. September, folgt der Trachten- und Schützenzug: Mehr als 8.000 Mitwirkende ziehen dann durch die Innenstadt. Dafür werden Straßen gesperrt, Bus- und Tramlinien fahren teils andere Wege.
Wann Zelte, Fahrgeschäfte und Buden öffnen
Am Eröffnungstag öffnen die Zelte laut Stadtportal "muenchen.de" bereits um 9 Uhr. Ab 10 Uhr dürfen sie kleinere Gerichte und alkoholfreie Getränke servieren - mit einer Ausnahme: Alkoholfreies Bier darf wie das Festbier erst nach dem Anstich ausgeschenkt werden. Die Fahrgeschäfte starten um 12 Uhr.
Danach ist das Festgelände montags bis donnerstags von 10 bis 23:30 Uhr geöffnet, freitags von 10 bis 24 Uhr, samstags von 9 bis 24 Uhr und sonntags von 9 bis 23:30 Uhr. Für den 3. Oktober, der 2026 auf einen Samstag fällt, gelten laut Stadt die Feiertagszeiten von 9 bis 23:30 Uhr. In den großen Festhallen enden Ausschank und Musik um 22:30 Uhr, in den mittleren und kleinen Betrieben um 23 Uhr. Ausnahmen bleiben Kufflers Weinzelt und die Käfer Wiesn-Schänke, die bis 1 Uhr geöffnet bleiben dürfen; letzte Getränke gibt es dort um 0:30 Uhr.
Neu sind die Musikzeiten der großen Zelte: Laut den städtischen Betriebsvorschriften dürfen sie montags bis freitags ab 11 Uhr spielen und damit eine Stunde früher als bisher. Am zweiten und dritten Wiesn-Wochenende sowie am Feiertag ist Musik schon ab 10 Uhr erlaubt, dann allerdings nur live und nicht vom Tonträger. Bis 12 Uhr bleibt es täglich bei ausschließlich traditioneller Blasmusik. Am Eröffnungstag gilt die Neuregelung nicht. Mit den früheren Zeiten will die Stadt vor allem internationale Gäste auf die Wochentage lenken, nachdem 2025 das Gelände zweimal wegen Überfüllung gesperrt werden musste.
Wie groß der Andrang im Vorjahr war, zeigt die Bilanz der Festleitung: Rund 6,5 Millionen Gäste kamen auf die Theresienwiese, die Wirte schenkten etwa 6,5 Millionen Maß aus. 2024 waren es 6,7 Millionen Besucher und rund sieben Millionen Maß. Den Rückgang führt die Festleitung vor allem auf die Sperrung des Geländes am 1. Oktober 2025 zurück, die eine Sprengstoffdrohung ausgelöst hatte.
Oktoberfest 2026: Ein teures Vergnügen
Dass die Maß Festbier erneut teurer wird, steht seit dem 2. Juni fest, als die Stadt die angemeldeten Preise veröffentlichte. Festgelegt werden sie von Wirten und Brauereien; die Stadt prüft sie nur auf Angemessenheit. In den großen Festzelten kostet der Liter zwischen 14,90 und 15,90 Euro, auf der Oidn Wiesn zwischen 14,80 und 15,80 Euro. Über alle Betriebe hinweg liegt der Durchschnitt bei 15,61 Euro und damit 2,38 Prozent über dem Vorjahreswert von 15,25 Euro; 2025 reichte die Spanne von 14,50 bis 15,80 Euro. Am günstigsten schenkt unter den großen Hallen die Augustiner-Festhalle mit 14,90 Euro aus, bei 15,90 Euro liegen unter anderem Armbrustschützen-Festzelt, Bräurosl und Löwenbräu-Festzelt. Ganz ohne Erhöhung kommen nur einzelne Betriebe aus: Das Wirtshaus im Schichtl und das Volkssängerzelt bleiben bei 14,90 Euro.
Zur Einordnung ein Blick zurück: 2006 kostete die Maß zwischen 6,95 und 7,50 Euro, im Schnitt 7,23 Euro. In 20 Jahren hat sich der Preis also mehr als verdoppelt. Ein Jahr davor hatte die Presse noch über das Durchbrechen der "Sieben-Euro-Schallmauer" diskutiert.
Auch alkoholfreie Getränke haben ihren Preis: Ein Liter Tafelwasser kostet 2026 laut Stadt München durchschnittlich 11,13 Euro, Limonade 12,47 Euro und Spezi 12,84 Euro. Wer zum alkoholfreien Bier wechselt, spart nichts - mit 15,73 Euro im Schnitt liegt es über der durchschnittlichen Maß Festbier. Kostenlos ist dagegen das Wasser aus den zehn Trinkbrunnen auf dem Gelände.
Bei den Speisen gibt es keine zentrale Preisliste, und kurz vor dem Start liegen noch nicht alle Karten vor: Mehrere große Betriebe, darunter die Ochsenbraterei, hatten ihre Speisekarten für 2026 bis Mitte September nicht veröffentlicht. Wo die Preise bekannt sind, fällt das Bild Stand 14. September uneinheitlich aus. Das halbe Hendl kostet im Löwenbräu-Festzelt unverändert 17,20 Euro, im Hacker-Festzelt und in der Bräurosl jeweils 17,50 Euro. Die Schweinshaxe liegt in der Bräurosl bei 24,90 Euro, im Löwenbräu-Festzelt bei 29,20 Euro. Kräftig zugelegt haben vor allem vegetarische Gerichte und Brotzeiten: Käsespätzle kosten im Hacker-Festzelt 22,50 statt 19,90 Euro, im Löwenbräu-Festzelt bleiben sie bei 20,50 Euro. Beim Kaiserschmarrn liegen zwischen zwei Zelten genau zehn Euro: Am oberen Ende verlangt die Bräurosl 27,50 Euro, am unteren sind es 17,50 Euro im Hofbräu Festzelt. Beilagen werden häufig extra berechnet - eine Portion Spätzle kostet im Hacker-Festzelt 6,50 Euro, für Pommes werden in einzelnen Zelten bis zu 9,70 Euro fällig.
Etwas günstiger wird es an den beiden Familientagen am Dienstag, 22. September, und Dienstag, 29. September. Bis 19 Uhr gelten dann bei vielen Fahrgeschäften, Schaustellerbetrieben und Verkaufsständen ermäßigte Fahr-, Eintritts- und Verkaufspreise. Vergünstigte Speisen bieten viele Festwirte laut Stadt darüber hinaus an allen Wiesn-Tagen an.
Das ist neu auf der Wiesn
Drei Fahrgeschäfte feiern Premiere: das Rundfahrgeschäft "Shake & Roll" mit frei überschlagenden Gondeln, das Laufgeschäft "Fisherman's", das über drei Etagen durch ein Fischerdorf führt, und das "Chaos Pendel", das Fahrgäste bis zu 42 Meter hoch und mit bis zu 80 Stundenkilometern durch die Luft wirbelt.
Bei den Zelten rückt "Bartls Flößerstadl" mit 398 Plätzen nach. Alexander Egger, der bisherige Wirt der "Münchner Stubn", hatte den Vertrag für den Platz nicht fristgerecht unterschrieben; parallel streitet er mit der Stadt über die Vergabe der Wiesnzelte und will eine EU-weite Ausschreibung der großen Betriebe erreichen. Der Standort wurde dadurch Anfang Juli kurzfristig frei. Klaus Bartl, viele Jahre Chef des Campingplatzes in Thalkirchen, blieben damit nur rund zehn Wochen für Aufbau und Betriebsvorbereitung. Bodos Cafézelt ersetzt sein Aluminiumzelt durch einen Neubau aus Holz mit Galerie, die Zahl der Plätze bleibt bei 587. Und das Paulaner-Festzelt hat mit Christine und Lorenz Stiftl ein neues Wirtepaar, das bislang die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn geführt hat.
Untersagt sind ab dieser Wiesn Champagner-Duschen, also das absichtliche Verspritzen von Schaumwein über andere Gäste. Der Stadtrat hat das Verbot am 11. Mai beschlossen. Begründet wurde es mit Lebensmittelverschwendung und einem Bruch mit dem Charakter des Bierfests.
Strenger wird es auch für Influencer und Content Creator. Wer auf dem Festgelände Aufnahmen mit kommerziellem Zweck macht - etwa für Kooperationen, bezahlte Beiträge oder Produktplatzierungen -, braucht laut Stadt eine kostenpflichtige Genehmigung und muss die Aufnahmen spätestens 14 Tage vorher anmelden. Live-Streams sind auf dem Gelände generell verboten, ebenso Werbeaktionen, Auftritte mit Maskottchen und Drehs, die Wege blockieren oder den Festbetrieb stören. Private Fotos und Videos bleiben erlaubt.
Beim Sicherheitskonzept setzt die Stadt auf Nachbesserungen. Das Gelände bleibt eingezäunt, an den Eingängen wird mit Metalldetektoren kontrolliert, Poller sichern die Zufahrten. Taschen sind nur bis drei Liter Volumen und 20 x 15 x 10 Zentimeter Umfang erlaubt, größeres Gepäck muss an den Aufbewahrungsstellen abgegeben werden; Glasflaschen und Messer sind verboten. Wie in den Vorjahren sind rund 600 Polizeikräfte im Einsatz. Neu ist nach dem gefährlich überfüllten Wiesn-Samstag 2025 ein Koordinierungs- und Beobachtungszentrum in den früheren Räumen des Fundbüros. Zudem wurde die Videoüberwachung ausgebaut, um sich füllende Bereiche früher zu erkennen.
Das Fundbüro selbst ist neu im Deutschen Museum Verkehrszentrum an der Theresienhöhe untergebracht und täglich von 13 bis 20 Uhr geöffnet; Fundsachen treffen dort frühestens am Folgetag ein. Für Gäste mit Behinderung gibt es zwei Neuerungen: An den Gepäckaufbewahrungen am Haupteingang und am Eingang Hans-Fischer-Straße stehen je zwei Rollstühle bereit, die kostenlos ausgeliehen und vorab reserviert werden können. Außerdem sind grüne Schlüsselbänder mit Sonnenblumen im Umlauf - sie weisen auf nicht sichtbare Einschränkungen hin und signalisieren, dass jemand mehr Zeit oder Unterstützung braucht.
Was ist die Oide Wiesn?
Die Oide Wiesn im Südteil der Theresienwiese ist der Gegenentwurf zum Trubel des restlichen Volksfestes - und jünger, als viele annehmen. 2010 wurde zum 200-jährigen Jubiläum die "Historische Wiesn" veranstaltet, die auf so viel Zustimmung stieß, dass der Stadtrat eine Fortsetzung beschloss. Seit 2011 gehört sie zum Oktoberfest. Geboten ist auch hier viel, nur ruhiger und traditioneller, mit historischen Fahrgeschäften. 2025 kamen 360.000 Gäste, nach 430.000 im Jahr davor.
Der Eintritt zur eingezäunten Fläche kostet für Personen ab 15 Jahren vier Euro. Kostenlos ist der Zutritt für Kinder bis 14 Jahre, für Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 50 - bei Merkzeichen B auch für eine Begleitperson - sowie für alle ab 21 Uhr. Die drei Festzelte und das Museumszelt sind täglich von 10 bis 23:30 Uhr geöffnet, Musik- und Ausschankzeiten enden um 22:30 Uhr. Eine Fahrt mit den historischen Fahrgeschäften kostet einheitlich 1,50 Euro. Neu ist 2026 ein Wirtetrio im Volkssängerzelt Schützenlisl: Es folgt auf das Wirtepaar Stiftl und schenkt künftig Hacker-Pschorr aus dem Holzfass aus.
Anreise zum Oktoberfest
Vom Münchner Hauptbahnhof ist es nicht allzu weit zur Theresienwiese: Der Fußweg dauert knapp 15 Minuten und ist mit Bodenmarkierungen ausgeschildert. Grundsätzlich rät die Stadt dazu, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Direkte Besucherparkplätze am Festgelände gibt es nicht. Die U4 und U5 halten an den Stationen Theresienwiese und Schwanthalerhöhe. Bei großem Andrang helfen U3 und U6 mit Goetheplatz und Poccistraße weiter. Goetheplatz und Poccistraße werden derzeit saniert, die erste Bauphase endet aber planmäßig am 18. September. Nach Angaben der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sollen die Züge dort während der gesamten Wiesn ohne baubedingte Einschränkungen halten; die zweite Bauphase beginnt erst am 5. Oktober.
Die MVG setzt außerdem täglich mehr als 230 zusätzliche Mitarbeitende ein, Busse und Bahnen fahren rund 9.000 Extra-Touren. Auf ihrer Übersichtsseite zum Oktoberfest finden sich auch Infos zu Fahrkarten und Park-&-Ride-Plätzen; ausführliche Tipps gibt es zudem auf der offiziellen Oktoberfest-Webseite.
Warum heißt das Oktoberfest eigentlich nicht Septemberfest?
Die Antwort liegt im Ursprung des Volksfestes, das laut Stadt erstmals am 17. Oktober 1810 mit einem großen Pferderennen gefeiert wurde. Anlass war die Hochzeit des späteren Königs Ludwig I. (1786-1868) mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792-1854) - auf einer Wiese am damaligen Stadtrand, der späteren Theresienwiese. Schon ein Jahr später sprach sich der Landwirtschaftliche Verein in Bayern dafür aus, das Fest fortzuführen. 1872 wurde es dann in den September vorverlegt, der verbreitete Name Oktoberfest blieb aber erhalten. Grund für die Verlegung war das in der Regel bessere Wetter im bayerischen Altweibersommer.