Pharmabranche: Warkens Sparpaket bedroht Arznei-Standort

Die Pharmaindustrie, die 2025 stark gewachsen war, erwartet ein Ende des Aufwärtstrends. Das liegt nicht nur an Trumps Zöllen. Das Sparpaket von Ministerin Warken sieht die Branche als Standortrisiko.
dpa |
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Der Präsident des Pharmaverbands VFA kritisiert das Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken. (Archivbild)
Der Präsident des Pharmaverbands VFA kritisiert das Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken. (Archivbild) © Soeren Stache/dpa
Berlin

Die deutsche Pharmaindustrie warnt vor schweren Folgen für den Arznei-Standort durch das Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (VFA) kritisiert, die geplanten Sparvorgaben für die Branche unterliefen das eigene Ziel der Bundesregierung, die Pharmaindustrie als Schlüsselbranche zu stärken.

"Das Spargesetz wird den bisherigen Aufwärtstrend der pharmazeutischen Branche in Deutschland beenden", sagt VFA-Präsident Han Steutel. Künftig würden Investitionen und Jobs im Ausland aufgebaut. "Viele vergessen, dass die Pharmaindustrie die letzte Industriebranche in Deutschland ist, die trotz aller Widrigkeiten Beschäftigung aufgebaut hat."

Dieses Jahr erwartet der VFA einen Umsatzrückgang von 1,0 Prozent, die Produktion soll um 0,7 Prozent sinken. Die Beschäftigung dürfte moderat auf gut 130.000 Menschen steigen und die Investitionen zulegen. Für 2027 wären deutliche Zuwächse in allen Größen zu erwarten gewesen, heißt es in der neuen Prognose, in die das Sparpaket von Warken nicht einberechnet ist. "Nun sind diese Perspektiven allerdings nicht gegeben."

Politik macht Sparvorgaben

Warken will die Krankenkassen mit dem "Beitragssatzstabilisierungsgesetz" im kommenden Jahr um 16,3 Milliarden Euro entlasten und so steigende Zusatzbeiträge verhindern. Vergangene Woche gab das Bundeskabinett dafür grünes Licht. Geplant sind auch schärfere Sparvorgaben für die Pharmabranche.

So sollen die Herstellerrabatte, die Arzneikonzerne Krankenkassen gewähren müssen, steigen – nach VFA-Prognose von aktuell 7 Prozent des Listenpreises auf rund 20 Prozent bis 2030. "Vor allem der dynamische Herstellerrabatt nimmt den Unternehmen jegliche Planungssicherheit", kritisiert Steutel. 

Auch für die deutschen Exporte erwartet der Verband Folgen. Da deutsche Arzneipreise in vielen Ländern als Referenz gälten, würden Pharma-Ausfuhren an Wert verlieren. Auch die USA orientierten sich künftig daran, weil US-Präsident Donald Trump die heimischen Arzneipreise an Richtwerte in anderen Industrieländern koppeln wolle. 

Milliardeneinbußen im US-Geschäft?

Im Exportgeschäft mit den USA dürften der Pharmabranche bis 2030 zwölf Milliarden Euro verloren gehen, mit weiteren indirekten Folgen, rechnet VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen vor. Minderausgaben in der gesetzlichen Krankenkassen stünden Milliardenverluste bei Steuern und Abgaben gegenüber.

Die Pharmaunternehmen würden mit den Gesetzesplänen enorm geschwächt, fürchtet Steutel. "Bis in das Jahr 2030 dürften deutlich mehr als vier Milliarden Euro für Hightech-Produktion und Forschung verloren gehen."

Noch 2025 hatte die deutsche Pharmabranche der schwachen Konjunktur getrotzt und dank Vorzieheffekten im Zollstreit mit den USA eine Sonderkonjunktur erlebt. Die Produktion stieg nach VFA-Zahlen um 4,6 Prozent und der Umsatz um 5,6 Prozent. Doch mit der Politik von Trump und dem Iran-Krieg trübt sich das Umfeld ein. So treibt der Nahost-Krieg die Kosten in der Pharmabranche hoch, etwa für Luftfracht, und führt zu sinkenden Margen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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