Kommt jetzt die Gehalts-Obergrenze für Manager?

Die Abfindung für ein VW-Vorstandsmitglied hat die Debatte über hohe Managerbezüge angefacht. Die SPD fordert mehr Gerechtigkeit – obwohl genau sie maßgeblich an der Millionenzahlung beteiligt ist.
| Felix Frieler, Otto Zellmer
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Zwölf Millionen Euro Abfindung: Christine Hohmann-Dennhardt.
dpa 5 Zwölf Millionen Euro Abfindung: Christine Hohmann-Dennhardt.

So ein dickes Geldpaket wünschen sich viele Arbeitnehmer, wenn sie ihre Firma verlassen. Christine Hohmann-Dennhardt (66) war nur etwas mehr als ein Jahr im VW-Vorstand, zuständig für Integrität und Recht – seit vergangenen Dienstag steht sie offiziell nicht mehr in Diensten des Autobauers (AZ berichtete). Ihren Abschied bekommt sie mit mehr als zwölf Millionen Euro versüßt. Hohmann-Dennhardt sollte den Abgasskandal aufklären und dafür sorgen, dass Behörden und Öffentlichkeit VW wieder als ehrliches Unternehmen wahrnehmen.

Kampf gegen Ungerechtigkeit - ein Thema für den Wahlkampf

VW steht so wieder in der Kritik – nach der Altersversorgung für Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und der anhaltenden Missbilligung von hohen Bonuszahlungen für Vorstände. Doch auch die SPD bekommt ein Problem – kurz nach der Kür des designierten Kanzlerkandidaten Martin Schulz und einer Partei in Aufbruchstimmung. Schulz hatte jüngst hohe Bezüge von Managern kritisiert. "Wenn ein Konzernchef in Deutschland einen Konzern durch seine Fehlentscheidungen zum Wanken bringt, kriegt er anschließend auch noch Boni dafür", klagte Schulz. "Und wenn eine Verkäuferin durch einen kleinen Fehler auffällt, wird sie rausgeschmissen." Der Kampf gegen diese vermeintliche Ungerechtigkeit könnte ein Gewinnerthema der SPD werden.

SPD-Genossen im VW-Aufsichtsrat

In Wolfsburg aber sitzen SPD-Genossen im VW-Aufsichtsrat, Niedersachsen ist Großaktionär. Und der Aufsichtsrat hat der Millionenabfindung Hohmann-Dennhardts zugestimmt. Dafür bekommt vor allem Ministerpräsident Stephan Weil nun Prügel von der Opposition in Hannover. "In der Öffentlichkeit wettern die Stephan Weils, Martin Schulz’ und Sigmar Gabriels der SPD immer sehr laut gegen Manager-Gehälter", polterte FDP-Vize-Fraktionschef Jörg Bode. "Aber wenn sie selber verantwortlich sind, dann können sie als Genossen der Bosse gar nicht genug Millionen in die Verträge schreiben."

Allerdings: Über geltendes Recht kann sich auch eine Landesregierung nicht hinwegsetzen. Konzernvorstände haben Zeitverträge. Derjenige von Hohmann-Dennhardt, die Anfang Januar 2016 ihr Amt antrat, war auf drei Jahre befristet. Zudem: Vorständen zwei Jahresgehälter als Abfindung auszuzahlen, steht in Einklang mit dem Deutschen Corporate Governance Kodex.

CDU kritisiert Schulz: "Glaubwürdigkeit geht anders"

Jetzt signalisiert die SPD zumindest Bereitschaft, allzu üppigen Zahlungen einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben. "Wenn die Konzerne nicht im Eigeninteresse oder aus gesundem Menschenverstand diese Millionensummen als Boni oder Abfindungen begrenzen, muss es der Gesetzgeber tun", sagte Generalsekretärin Katarina Barley der Bild am Sonntag (BamS). Bei der CDU ist man auf Martin Schulz nicht gut zu sprechen.

Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte der BamS: "Herr Schulz kritisiert sonntags die Managergehälter. Und wochentags heben seine Genossen im Aufsichtsrat die Hand für zwölf Millionen Euro. Glaubwürdigkeit geht anders."

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Verglichen mit der Praxis in den USA ist die Abfindung Hohmann-Dennhardts übrigens bescheiden. Der neue Außenminister Rex Tillerson war vorher Chef des US-Ölkonzerns Exxon – und bekommt dort zum Abschied eine Abfindung in Höhe von 180 Millionen Dollar.

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