Hohe Ölpreise sorgen bei Shell & Co für Gewinnsprünge

Der Iran-Krieg treibt Öl- und Gaspreise nach oben – Shell, Totalenergies und Repsol melden kräftige Gewinnsprünge. Während Anleger zugreifen, wächst der politische Streit um die Profite.
dpa |
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In der Straße von Hormus ist der Tankerverkehr gestört. Die Meerenge ist ein Öltransport-Nadelöhr. (Archivbild)
In der Straße von Hormus ist der Tankerverkehr gestört. Die Meerenge ist ein Öltransport-Nadelöhr. (Archivbild) © Uncredited/AP/dpa
London/Paris/Madrid

Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Öl- und Gaspreise lassen die Kassen bei den Ölmultis klingeln. Totalenergies, Shell und Repsol meldeten Gewinnsprünge. Aktionäre sollen durch Aktienrückkäufe profitieren. An der Börse legten die Aktien am Donnerstag zu. Scharfe Kritik an den Zahlen kam aus der deutschen Politik. Schon länger gibt es eine Debatte über eine sogenannte Übergewinnsteuer.

Der Krieg im Nahen Osten beschert den Ölkonzernen einen kräftigen Schub. In der Straße von Hormus ist der Tankerverkehr gestört. Liefer- und Produktionsausfälle treiben die Preise in die Höhe. 

Der Ölpreis für Brent lag im dritten Quartal durchschnittlich bei mehr als 90 US-Dollar pro Barrel, aktuell sind es rund 113 Dollar. Vor Kriegsbeginn Ende Februar waren es weniger als 70 Dollar. Die USA und Israel hatten den Iran angegriffen. 

Auch Gasgeschäft floriert 

Shell und seine Konkurrenten betrieben ihre Raffinerien in den vergangenen Monaten so intensiv wie möglich. Zusätzliche Erträge aus Handel und Raffinerien überwogen die Belastungen durch Liefer- und Produktionsschwierigkeiten deutlich. 

Auch der Ausfall von Flüssigerdgaslieferungen aus dem Persischen Golf bescherte großen Energiekonzernen unerwartete Gewinne, obwohl sie im Nahen Osten Produktionsausfälle hinnehmen mussten. 

Ölmultis vervielfachen Gewinne 

Shell verdoppelte den bereinigten Gewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 10,8 Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro). Das ist der zweithöchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte. Shell übertraf damit die Analystenerwartungen. Einen noch höheren Quartalsgewinn hatte der Konzern nur 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine erzielt. 

Bei Totalenergies stieg der bereinigte Nettogewinn im Jahresvergleich auf mehr als das Doppelte und erreichte gut 9 Milliarden Dollar. 

Repsol vervielfachte den bereinigten Gewinn von 0,75 auf gut 2,7 Milliarden Euro. Das spanische Unternehmen kündigte sein drittes Aktienrückkaufprogramm in diesem Jahr an. Noch in diesem Jahr sollen weitere Aktien im Wert von 950 Millionen Euro zurückgekauft werden. 

Shell kündigte Aktienrückkäufe von fünf Milliarden Dollar an, zwei Milliarden mehr als im abgelaufenen Quartal. Totalenergies will im Schlussquartal und im ersten Quartal 2027 eigene Aktien für 2,5 Milliarden Dollar zurückkaufen. 

Aktienrückkäufe können den Wert der verbleibenden Aktien steigern, wenn die erworbenen Papiere eingezogen werden. Dadurch steigt der Gewinnanteil der verbleibenden Aktien. 

Grüne und Linke fordern erneut Übergewinnsteuer 

Die gestiegenen Öl- und Dieselpreise sowie die hohen Konzerngewinne sorgen für politische Diskussionen. Von der Bundesregierung werden weitere Maßnahmen gefordert über den Tankrabatt hinaus. 

"Während wir alle unter hohen Spritpreisen und den Folgen der Klimakrise ächzen, erbeuten Shell, Total und die anderen Ölkonzerne auch in diesem Quartal wieder Rekordprofite. Statt diese gemeingefährlichen Übergewinne zu besteuern, kippt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil den Ölbossen mit seinem wirkungslosen Tankrabatt zusätzlich Steuergelder in den Rachen", sagte die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum. 

Der finanzpolitische Sprecher der Linke-Bundestagsfraktion, Christian Görke, forderte ebenfalls eine Übergewinnsteuer: "Übergewinne kann man definieren, und man kann sie national in einem Land besteuern. Klingbeil und die SPD dürfen sich jetzt nicht weiter hinter der EU verstecken. Sie könnten sofort ein neues Gesetz in den Bundestag einbringen, angelehnt an das von 2022, das wäre überhaupt kein Problem."

In Hamburg demonstrierten Greenpeace-Aktivisten an einer Shell-Tankstelle für eine Übergewinnsteuer. Greenpeace beklagt eine "Preiserpressung" der Konzerne, wie es in einer Mitteilung hieß.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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