Der Freistaat gegen die Stromtrasse

Der Bau einer Stromautobahn vom Osten bis in den Süden des Freistaats weckt großen Widerstand. Jetzt fordert auch die CSU ein Moratorium für die bisherigen Pläne.
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München -  Massiver Widerstand gegen die Stromautobahn: In Teilen Bayerns gehen die Bürger gegen die geplanten Strommasten auf die Barrikaden. Wer etwas gegen die Trasse hat und was die Landesregierung sagt.

Warum soll eine Stromtrasse her? Notwendig werden die Stromautobahnen durch die Energiewende. 2022 sollen auch in Bayern die Atomkraftwerke abgestellt werden – sie produzieren bisher knapp die Hälfte des Stroms im Freistaat. Die sogenannte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) soll den Strom von den großen Windparks aus Nord- und Ostdeutschland in den Süden des Landes bringen und somit einem möglichen Engpass in der Stromversorgung in Bayern entgegenwirken.

Wo soll sie entlanglaufen? Die Süd-Ost-Trasse soll circa 450Kilometer lang sein und den Strom von Sachsen-Anhalt nach Bayern bringen. Genauer: von Halle über den Landkreis Donauwörth nach Meitingen bei Augsburg. Der genaue Verlauf steht aber noch nicht fest, bisher gibt es nur Vorschläge, ein formales Verfahren gibt es noch nicht.

Wer soll die Trasse bauen? Der überregionale Netzbetreiber Amprion will gemeinsam mit dem Unternehmen 50Hertz die Süd-Ost-Trasse bauen. Ein offizieller Antrag für die Trasse ist aber noch nicht eingereicht, das soll im März bei der Bundesnetzagentur geschehen. Als „Projekt Nummer 5“ ist die Stromautobahn im 2013 verabschiedeten Bundesbedarfsplanungsgesetz bereits aufgenommen. Sie gehört zu den insgesamt 36 bundesweiten Stromtrassen, die mit „vordringlichem Bedarf“ eingestuft werden. Die Bundesnetzagentur ist die Genehmigungsbehörde für die überregionalen Stromleitungen.

Was kostet die Trasse? Auf der Webseite des Unternehmens Amprion werden die Kosten für das Projekt mit über einer Milliarde Euro angegeben. Zahlen müssen das die Bürger über ihre Stromrechnungen.

Wer regt sich auf und warum? „Monstertrasse“ nennen die Gegner die geplante Stromautobahn. Dutzende Bürgerinitiativen haben sich bereits gegründet. Sie wehren sich gegen die über 70 Meter hohen geplanten Masten, die die Natur verschandeln. Nach den bisherigen Plänen sollen zum Beispiel Teile der Trasse nicht an der A9 liegen, sondern das Fichtelgebirge und das Altmühltal durchqueren. Die Bürger haben jedoch auch Angst um ihre Gesundheit: Wie bei den Handymasten fürchten sie sich vor den elektromagnetischen Feldern.

Darüber hinaus wehren sich die Gegner vor einem möglichen Wertverlust ihrer Grundstücke, sollte dort ein Strommast aufgestellt werden. Amprion verspricht Transparenz und wirbt in bayerischen Gemeinden um Unterstützung. Bislang vergeblich. Zu Vorschlägen, die Trasse unterirdisch zu bauen, meint Amprion: „Wir haben keinen gesetzlichen Rahmen, eine Erdverkabelung überhaupt zu beantragen.“ Neben technischen Problemen ist laut Bundesnetzagentur die Erdverkabelung in der Regel aber auch „zwei- bis zehnfach teurer als ein Freileitungsbau“.

Was sagt die Politik? Da sich immer mehr Bürger gegen die Pläne wehren, schlagen zwei Monate vor der Kommunalwahl auch viele CSU-Landräte Alarm. Auch die Landesregierung hat die Brisanz erkannt und fordert jetzt ein Stromtrassenmoratorium. Es müsse beim Bund eine Revision der bisherigen Leitungspläne geben, sagte gestern Staatskanzleichefin Christine Haderthauer. Mit der geplanten Reform des EEG müsse man erst abwarten, ob und in welchem Umfang man Trassen in Bayern bräuchte. Amprion solle die Pläne „jetzt unterbrechen“. Auch wenn die Trasse von der Bundesregierung als vordringlich eingestuft werde. „Wir sind Politiker, und wir gehen davon aus, dass wir politische Möglichkeiten haben“, so Haderthauer.

SPD und Grünen in Bayern stößt das Hin und Her der CSU in der Energiepolitik bitter auf. Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause hatte zuvor gesagt: „Die Gleichstrompassage Süd-Ost ist nicht vom Himmel gefallen. Einer ihrer Väter ist Horst Seehofer.“ Der hatte im vergangenen Jahr das Bundesbedarfsplangesetz mit verabschiedet.

 

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