Dämpfer für Job-Boom

Nürnberg (dpa) - Ein überraschend schwacher Frühjahrsaufschwung hat im Mai die Euphorie am deutschen Arbeitsmarkt gedämpft und die Sorge vor einem Ende des Job-Booms wachsen lassen.
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Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der Erwerbslosen im Mai um 131 000 auf 3,28 Millionen.
dpa Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der Erwerbslosen im Mai um 131 000 auf 3,28 Millionen.

Nürnberg (dpa) - Ein überraschend schwacher Frühjahrsaufschwung hat im Mai die Euphorie am deutschen Arbeitsmarkt gedämpft und die Sorge vor einem Ende des Job-Booms wachsen lassen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) sank die Zahl der Erwerbslosen im Mai um 131 000 auf 3,28 Millionen. Der Rückgang fiel damit schwächer aus als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Arbeitslosen um 529 000. Dennoch erreichte die Zahl der Erwerbslosen den niedrigsten Stand seit knapp 15 Jahren. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 7,8 Prozent zurück.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sieht weiterhin eine positive Grundtendenz auf dem Arbeitsmarkt. «Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wächst weiter, die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiter auf hohem Niveau», sagte er. Für die kommenden Monate rechnet er allerdings nicht mehr mit der Dynamik des Vorjahres. «Was wir sehen, ist, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit weiter geht, aber nicht mehr in dem Maße wie im Vorjahr», sagte Weise.

Ein Stellenabbau ist nach Angaben der Bundesagentur bereits im öffentlichen Dienst, bei Banken und Versicherungen und in geringem Umfang auch in der Baubranche zu beobachten. «In allen anderen Bereichen schaffen Unternehmen weiter neue Stellen», betonte Weise. Am stärksten gefragten seien Verkäufer und Warenkaufleute, Elektriker, Bürokräfte sowie Werbe- und Dienstleistungskaufleute.

Für Überraschung sorgte derweil der leichte Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 4000 nach teils kräftigen Rückgängen in den Vormonaten. Nach Einschätzung von BA- Vorstandsmitglied Heinrich Alt lässt diese Zahl allerdings nicht den Schluss zu, der Arbeitsmarkt stehe unmittelbar vor einem Einbruch. Vielmehr sei der Frühjahrsaufschwung in diesem Jahr wegen der witterungsbedingt geringeren Winterarbeitslosigkeit schwächer ausgefallen als sonst üblich.

Belastet werde der Arbeitsmarkt auch dadurch, dass seit Jahresanfang 58 Jahre alte und ältere Arbeitslose wieder in der Statistik geführt würden, gab Alt zu bedenken. Bis dahin waren ältere Arbeitslose, die auf eine Vermittlung keinen Wert mehr legten, nicht als arbeitslos gezählt worden. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres habe sich dadurch die Zahl der Erwerbslosen im Schnitt um rund 15 000 erhöht.

In der Debatte um eine transparentere Arbeitslosenstatistik sprach sich BA-Chef Weise dagegen aus, künftig auch Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen als arbeitslos auszuweisen. Die BA weise beide Gruppen klar in ihrem Monatsbericht aus; dadurch sei ausreichend Transparenz hergestellt. Zudem würden alte statistische Zeitreihen bei einer entsprechenden Neuregelung hinfällig und internationale Vergleiche erschwert, ergänzte Alt. Im Mai hatten rund eine Millionen Erwerbslose an Trainingsmaßnahmen oder Fort- und Weiterbildungen teilgenommen.

Als einen Hinweis auf den weiterhin robusten Zustand des Arbeitsmarkt wertete die BA die Zahl der Erwerbstätigen. Sie stieg im April um 187 000 auf 40,11 Millionen. Das waren 649 000 mehr als im April 2007. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag nach BA-Hochrechnungen zuletzt (im März) mit 27,23 Millionen um 631 000 über dem Vorjahreswert.

Für Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) zeigen die jüngsten Arbeitsmarktzahlen, «dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Ziel heißt Vollbeschäftigung», sagte er am Donnerstag in Berlin. «Schritt für Schritt können wir es in den nächsten Jahren schaffen, dass niemand, der seinen Job verliert, länger als ein Jahr ohne neuen Arbeitsplatz bleiben muss.» Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sieht inzwischen auch den Ausbildungsmarkt beflügelt. «Nach dem schon sehr erfreulichen Jahr 2007 wird auch das Jahr 2008 ein gutes Jahr für den Ausbildungsmarkt», stellte der Minister fest.

Dagegen beklagte die oppositionelle FDP das verringerte Tempo beim Abbau der Arbeitslosigkeit. Die Partei machte dafür die schwarz-rote Koalition verantwortlich, die mit ihren Steuer- und Abgabenerhöhungen auf der Konjunkturbremse stehe. Die FDP forderte zugleich eine ehrlichere Arbeitslosenstatistik. Auch die Linkspartei warf der Bundesregierung vor, die Arbeitsmarktzahlen künstlich niedrig zu halten. Der DGB verlangte eine Qualifizierungsinitiative für geringer Qualifizierte und die Eindämmung des Niedriglohnsektors, um den ins Stocken geratenen Arbeitsmarkt wieder flott zu machen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bedauerte, dass vom positiven Trend zunehmend weniger Ältere profitierten.

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