"Augustiner"-Brauerei: Branchenblatt nennt Zahlen

Wie nur ganz wenige Unternehmen hält die Münchner Brauerei ihre Geschäftszahlen geheim - ein Branchenblatt hat einige veröffentlicht.
| Clemens Hagen
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Nur Augustiner schenkt sein Wiesnbier noch aus Holzfässern aus. Hier die Kutsche der Brauerei beim Trachten- und Schützenumzug.
dpa/Marc Müller Nur Augustiner schenkt sein Wiesnbier noch aus Holzfässern aus. Hier die Kutsche der Brauerei beim Trachten- und Schützenumzug.

Wie nur ganz wenige Unternehmen hält die Münchner Brauerei ihre Geschäftszahlen geheim - ein Branchenblatt hat einige veröffentlicht.

München - Die Brauerei wurde 1328 zwar von Augustiner-Mönchen gegründet, aber die heutige Geschäftsleitung des Unternehmens ist so verschwiegen wie die Mitglieder eines anderen Ordens: die Karthäuser, die ja bekanntlich nach dem Schweigegelübde leben. Geschäftszahlen - bei Augustiner strikte Verschlusssache (als KG muss man sie nicht bekanntgeben).

Umso bemerkenswerter ist es, dass das Getränkemarkt-Branchenblatt "Inside" jetzt Details aus den Büchern der Münchner Kult-Brauerei veröffentlicht hat. Im vergangenen Jahr, so verrät der Branchenreport, lag der Ausstoß bei 1,63 Millionen Hektolitern, was einem Plus von zwei Prozent entspricht und Augustiner Platz elf unter den größten deutschen Brauereien beschert.

Generell sei die wirtschaftliche Lage des Konzerns "äußerst stabil". Aus rund 210 Millionen Euro Umsatz werde laut "Inside“ eine "fette Rendite von rund 30 Prozent" erwirtschaftet. Beachtlich in einer Branche, in der die Umsatzrendite gewöhnlich im einstelligen Bereich gemessen wird.

Weiter, so heißt es in dem Branchendienst, weise die letzte veröffentlichte Bilanz einen Kassenbestand und ein Guthaben von rund 200 Millionen Euro aus, dem gerade mal mickrige 13 Millionen Euro an Verbindlichkeiten gegenüberstünden. Kerngesund ist angesichts dieser Zahlen eine glatte Untertreibung. Ein Gutteil der Einnahmen werde im Fall Augustiner alljährlich an die Gesellschafter ausgeschüttet. So bleibe der durchaus heterogene Gesellschafterkreis "bei Laune".

Viel eigene Gastronomie - hoher Aufwand

Wobei: Alles ist selbst bei Augustiner nicht eitel Sonnenschein. Auch wenn der traditionell hart an der Kapazitätsgrenze operierenden Brauerei im April 2018 das erste Mal das Bier ausging, wird der Druck beim Kerngeschäft der Sorte Hell immer größer. Marken wie Bayreuther, Chiemseer und Mooser Liesl wachsen allesamt zweistellig. Und beim mit 350.000 Hektolitern Ausstoß ärgsten Verfolger, dem Herzoglichen Brauhaus Tegernsee, ging kürzlich eine zweite Abfüllanlage für 50.000 Flaschen pro Stunde in Betrieb.

Auch wenn Augustiner noch nie Geld für Werbung ausgegeben hat, so investiert man traditionell viel in die eigene Gastronomie. Da werde schon ein sehr hoher Aufwand getrieben, verrät ein Kenner der Branche, was ja auch eine Art von Marketing darstelle.

1903: Augustiner erstmals mit Bierburg auf dem Oktoberfest

Vater dieses simplen wie genialen Vermarktungskonzepts war Ferdinand Schmid, der 2013 verstorbene langjährige Direktor von Augustiner. Der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude sagte einmal scherzhaft über Schmid, dass er dafür gesorgt hätte, dass "Augustiner den Zeitgeist verschlafen habe". Schmid ist es auch zu verdanken, dass die Augustiner-Brauerei, bei der die Edith-Haberland-Stiftung die absolute Mehrheit hält, für Investoren heute eine uneinnehmbare Festung darstellt. Ganz anders als andere Münchner Traditionsbrauereien wie Löwenbräu und Spaten, die sich vor Jahren der belgische Gigant Inbev einverleibt hat, der nach seiner Fusion mit Anheuser-Busch inzwischen zur größten Brauerei der Welt angewachsen ist.

Im Westend an der Landsberger Straße, wo die Augustiner-Bräu Wagner KG ihren Sitz hat, bricht man angesichts solch schwergewichtiger Konkurrenz keineswegs in Panik aus. Wachstumspotenzial gebe es für die Marke mit dem Bischofsstab im Logo durchaus. Das Rezept lautet, auch in Zukunft über Gastronomie- und Festgeschäftexpansion weiße Flecken zu besetzen, von denen es in Bayern noch viele gibt.


Daten der Firmenhistorie:

1328: Die wird Brauerei erstmals namentlich genannt.
1589: Bis zu diesem Datum belieferten die Augustiner-Mönche auch die Wittelsbacher Herzöge.
1759: Die Mönche zählten zu den ersten Mitgliedern der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
1829: Das Ehepaar Wagner aus Altaching erwarben die Sudstätte. Seitdem ist Augustiner eine Privatbrauerei.
1903: Erstmals war Augustiner mit einer Bierburg auf dem Oktoberfest vertreten.
1945: Die Produktion war durch Bombenangriffe zu 60 Prozent zerstört.

 

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