Toyota GT86: Luxus der Selbsterfahrung

Der Toyota GT86 ist alles andere als ein PS-Monster, obwohl er zur Kategorie der Sportwagen gehört. Aber das spielt in diesem Fall nicht die geringste Rolle, weil der emotionale Fahrspaß überwiegt und Sprüche wie "Auf die Dauer hilft nur Power" ad absurdum geführt werden.
| (pet/spot)
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Manchmal müssen Vorurteile der Erkenntnis weichen, dass man sich geirrt hat. Und wer sagt, Toyota baue nur emotionslose Vernunft-Autos, liegt bei diesem Sportwagen falsch. Der Toyota GT86 ist nach seinem Facelift noch faszinierender geworden. Und vernünftig geblieben.

Schön, sinnlich, günstig - ein Sportwagen macht Spaß Foto:Toyota

 

Die Power des Motors haut Leistungs-Fetischisten nicht vom Hocker. Der 2-Liter-Boxermotor leistet 200 PS, die schon vor 30 Jahren einen Porsche 911 antrieben. Aber die Maßstäbe haben sich genauso dramatisch verändert, wie die Fahrzeuggewichte, auf die es letztlich ankommt. Die meisten Autos sind schwerer geworden. Deshalb ist ein niedriges Gewicht wichtiger als eine hohe Motorleistung, die sich dann abmühen muss, zwei Tonnen in Schwung zu bringen. Der GT86 wiegt nur 1239 Kilogramm, womit viel, aber noch nicht alles gesagt ist. Denn der Ton macht die Musik. Und die klingt einfach wunderbar. Das emotionale Fahrerlebnis wird vom röhrigen Motorsound beflügelt, der in jedem Drehzahlbereich auch dank eines Soundgenerators eine Gänsehaut fördernde Klangkulisse erzeugt. Und mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden ist man immer noch sehr dynamisch unterwegs.

 

Der Innenraum zeichnet sich durch seinen Purismus aus Foto:Toyota

 

Der GT86 ist nicht bei 250 km/h abgeriegelt. Er schafft nämlich nur 226. Na, und? Die fühlen sich nämlich wesentlich schneller an, weil sie mehr sind als in Zahlen geschriebene Physik. Wenn der Boxer mit 7.400 U/min in den roten Drehzahl-Bereich kommt, faucht es, als wäre man in einem sehr viel teureren Sportwagen unterwegs. Das Ausreizen seiner sportlichen Eigenschaften macht Spaß, gewiss, schlägt sich auch im Verbrauch nieder. Über rund tausend Kilometer kamen wir auf einen Durchschnitt von 10,2 Litern Super plus. Auf einzelnen, sehr schnellen Streckenabschnitten, genehmigte sich der Toyota auch mal bis zu 13,5 Liter. Angesichts des Fahrspaßes akzeptabel, allerdings weit entfernt vom angegebenen Normverbrauch von 7,8 Liter.

 

Wohlklang, Kraft und Kurvengier

 

Es macht regelrecht Freude, im knackig zu schaltenden 6-Gang-Getriebe die jeweils optimale Übersetzung einzulegen und mit Zwischengas noch ein paar besondere Töne hervorzulocken. Es gibt den GT86 auch mit Automatik, aber damit beraubt man sich wahrscheinlich dieses besonderen Fahrerlebnisses, das aus Wohlklang, Kraft und Kurvengier zusammengesetzt ist. Die elektrische Servo-Lenkung ist so was von direkt, dass sie den Racer in uns weckt, weil sich jede Kurve äußerst präzise ansteuern lässt. Auf einer geraden Straße oder der Autobahn muss man allerdings aufpassen, denn jede kleinste Bewegung am nur 36 Zentimeter durchmessenden Lenkrad kann in einem unbeabsichtigten Spurwechsel münden. Auch das ist ein Punkt emotionaler Steigerung: Man muss sehr konzentriert bleiben, darf sich keine Nachlässigkeit genehmigen und zum Beispiel während schneller Fahrt am Navi ein neues Ziel eingeben.

Der GT86 ist sozusagen das absolute Gegenteil vom autopilotierten Fahren, dieser Sportwagen will ständig vom Fahrer/in kontrolliert werden. Allerdings hat man sich schnell an die sensible Sportwagenlenkung gewöhnt. Und dann kann man auch entspannt dahin cruisen. Im Grenzbereich macht es sogar Mühe, richtig zu driften und das Heck zum Ausbruch zu bringen. Dazu fehlt dann doch die Power und ein stärker sperrendes Differenzial. Aber was soll's. Der GT86 bleibt gutmütig und kontrollierbar, ein Ausbrechen des Hecks ist nur auf sehr glatter Fahrbahn zu erwarten, was sich dann mühelos wieder einfangen lässt. Mit der Neutralität Schweizer Geruhsamkeit kann das Verhalten im Grenzbereich als jederzeit gut beherrschbar bezeichnet werden.

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Außerdem: Wer dieses Auto kauft, will Sportlichkeit pur nicht nur der Karosserie mit ihren ausgestellten Radhäusern und ihrer breiten Präsenz wegen. Aktives Selberfahren ist in 50 Jahren vielleicht die Ausnahme oder gar Luxus. Heute jedenfalls noch ein Genuss, wie es immer weniger Autos bieten, der GT86 aber allemal.

Viele reden bei vielen Sportwagen von Go-Kart-Feeling, obwohl sie noch nie ein Go-Kart gelenkt haben. Tatsächlich lässt sich das im GT86 nachholen, denn er lenkt sich wirklich direkt wie ein Kart. Das blitzschnelle Einlenken, das präzise Zirkeln auf der Ideallinie ist dieser Lenkung zu verdanken, die kurvige Landstraßen jeder Autobahn vorzieht. Das tiefe Sitzen im nur 1,28 Meter hohen Auto unterstreicht den subjektiven Eindruck, in einem sehr schnellen Kart zu sitzen.

 

Das Cockpit beschränkt sich auf das Wesentliche

 

Das Cockpit: Es ist nicht nur puristisch angelegt, sondern auch schön anzuschauen. Wo gibt es heute noch ein Lenkrad, das keine einzige Taste oder Knopf aufweist, nur zum Lenken da ist? Der mittig angelegte Drehzahlmesser mit der integrierten digitalen Geschwindigkeitsanzeige liegt sehr gut im Blickfeld, ästhetisch geformtes Karbon, wenige Schalter und eine Handbremse da, wo sie für viele auch noch heute hingehört: rechts neben dem Fahrersitz. Das Cockpit des GT86 kann gerade wegen seiner Zurückhaltung in Bezug auf technischen Schnickschnack als gelungen bezeichnet werden. Es ist auf das Wesentliche reduziert und wirkt: einfach nur sportlich. Das sollte in einem Sportwagen genügen. Dazu kommen vorne gut geformte Sportsitze, die nicht nur gut aussehen, sondern auch bei dynamischer Kurvenfahrt guten Seitenhalt bieten. Die hinteren Sitze sind allerdings nichts für Erwachsene, auf keinen Fall auf längeren Strecken.

Ach ja: Warum heißt dieser Toyota GT86? Die Zahl beschreibt das Hub/Bohrungsverhältnis des Motors in Millimeter. Und dass der Innendurchmesser der beiden ziemlich provokanten, verchromten Auspuff-Endrohre ebenfalls 86 Millimeter misst, ist keiner technischen Notwendigkeit geschuldet, sondern einer Marketing-Idee.

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Das Beste kommt zum Schluss: Der Preis ist für den etwas sparsam ausgestatteten "pure" mit 28.900 Euro durchaus angemessen. Wer die Automatikversion bevorzugt, ist mit 32.450 Euro dabei. Der normale GT86 startet bei 30.750 Euro als Handschalter, mit Automatik bei 32.300 Euro. Darin eingeschlossen sind Bi-Xenon-Scheinwerfer, eine Klimaautomatik, schlüsselloses Smart Key Zugang und eine Geschwindigkeits-Regelanlage.

Technische Daten Toyota GT86: Zweitüriges Sportcoupé, Länge: 4,24 Meter, Breite: 1,77 Meter, Höhe: 1,28 Meter, Radstand: 2,57 Meter, Leergewicht: 1.239 Kilogramm, Kofferraumvolumen: 243 Liter, Tankinhalt: 50 Liter, Motor: Vierzylinder-Boxer, Hubraum 1998 ccm, Leistung: 200 PS bei 7.000 U/min, max. Drehmoment: 205 Newtonmeter bei 6.400 - 6.600 U/min, 0 - 100 km/h: 7,6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 226 km/h, Durchschnittsverbrauch NFZ 7,8 Liter Super plus auf100 km, CO2-Emission: 181 g/km, Preis ab: 28.900 Euro (GT86 pure).

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