Die Stadt als Buckelpiste - SUVs sind weiter im Trend

Kein Fahrzeugtyp steht derzeit so hoch im Kurs wie der Geländewagen. SUVs sind nicht nur robust, sondern auch komfortabel und teilweise sogar erschwinglich. Die neuen Modelle zeigen: Die Entwicklung geht ungebremst weiter.
| dpa - tmn
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Stuttgart/Zürich – So schlimm ist der Zustand unserer Straßen nicht. Die wenigen Schlaglöcher und Baustellen alleine können kaum erklären, dass immer mehr Geländewagen in Deutschland gekauft werden. Den wenigsten Kunden geht es dabei um die Qualitäten im Gelände. Längst sind SUVs so praktisch und variabel wie Kombis oder Großraumlimousinen und ersetzen zunehmend die klassischen Fahrzeugtypen.

Dass Geländewagen begehrt wie nie zuvor sind, liegt auch am demografischen Wandel, meint der Zukunftsforscher Lars Thomsen: "Die neue Generation der Silver-Surfer fühlt sich noch jung, ist abenteuerlustig, freizeit- und erlebnisorientiert." Der erhöhte Einstieg, die erhabene Sitzposition, Allrad und die große Variabilität machen den Unterschied, glaubt der Züricher Experte. Weil sich die Hersteller nicht nur auf die Generation über 50 verlassen wollen, sprechen SUVs aber auch junge Kunden an. "Durch die niedrigeren Einstiegsklassen und -preise werden diese Kategorien auch für junge Familien, Paare und lifestyle-orientierte Singles interessant", sagt Thomsen.

Lesen Sie hier: Mit dem GLE Coupé fordert Mercedes BMW heraus

Entsprechend groß ist das Angebot, und es wächst immer weiter. Nicht umsonst hat Mercedes das Jahr 2015 als das "Jahr des SUV" ausgerufen und gleich vier neue beziehungsweise gründlich überarbeitete Modelle angekündigt. VW-Chef Martin Winterkorn verspricht seine große Geländewagen-Offensive mit neuen SUVs in allen Segmenten für das nächste Jahr. Der Reigen beginnt allerdings schon drei, vier Preisklassen unterhalb der Premium-Anbieter - zum Beispiel beim Ssangyong Tivoli. Gerade einmal 4,20 Meter lang, geht er zu Preisen ab 15 490 Euro in den Handel und zielt auf Kunden, die bislang einen Kleinwagen gekauft haben.

In der Klasse darüber blicken demnächst alle auf den BMW X1, der kurz nach der Publikumspremiere im September auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in den Handel kommt. Wie kein anderer steht er für die Zwitterrolle, die solche SUVs mittlerweile spielen. Denn sein Design ist nach Angaben von Pressesprecher Christophe Koenig kerniger geworden und näher an das der anderen BMW X-Modelle gerückt. Innen bietet der mindestens 32 900 Euro teure Wagen mehr Platz und Variabilität als je zuvor.

Gleich drei neue SUVs gibt es diesen Sommer in der Kompaktklasse: Zu Preisen ab 19 990 Euro bringt Renault als Nachzügler unter den Massenherstellern den überfälligen Kadjar an den Start. Bei Hyundai steht für knapp 23 000 Euro der Nachfolger des iX35 bei den Händlern. Er trägt künftig wieder den Namen Tucson, sieht etwas sportlicher aus und bietet mit ein paar Zentimetern mehr Länge und Breite spürbar mehr Platz, kündigt Pressesprecher Bernhard Voss an.

Lesen Sie hier: VW stellt Weichen für SUV-Offensive auf US-Markt

Dritte Neuheit in dieser Klasse ist der Mercedes GLC, der im Herbst den GLK ersetzt. Er kostet mindestens 44 506 Euro und steht für eine stilistische Abkehr vom Abenteuer. Denn der um zwölf Zentimeter gewachsene Wagen ist nicht nur innen vornehmer und geräumiger geworden, sondern tauscht auch die kantige Karosserie im Stil der urtümlichen G-Klasse gegen ein gefälligeres Design.

Auch Besserverdiener kommen in dieser Saison auf ihre Kosten. Seit ein paar Tagen steht die zweite Generation des Audi Q7 im Handel. Mercedes bringt jetzt ein Doppelpack aus dem M-Klasse-Nachfolger GLE und dem vor allem auf den BMW X6 zugeschnittenen GLE Coupé. Und wen das Gewissen angesichts des Kraftstoffverbrauchs plagt, der kann immer mehr dieser SUVs mit Steckdosenanschluss bestellen. So fährt der neue GLE als GLE 500e mit 325 kW/442 PS rein rechnerisch mit einem Normverbrauch von 3,3 Litern (CO2-Ausstoß 78 g/km). Zeitgleich kommt auch der BMW X5 als Plug-In-Hybrid mit 230 kW/313 PS und Katalogwerten von 3,3 Litern und 77 g/km.

<strong>Lesen Sie hier: Mercedes GLC: Verwirrende Weltpremiere</strong>

Mit diesen Neuheiten ist das obere Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Selbst in der Klasse weit über 100 000 Euro kommen SUVs langsam in Mode: Schon dieses Jahr auf der IAA zeigt Bentley seinen Bentayga, vermutlich nächstes Jahr kommt von BMW ein X7 und in zwei, drei Jahren baut selbst Rolls-Royce einen Geländewagen. Dass sich offenbar alle Welt nach SUVs sehnt, hängt für Zukunftsforscher Thomsen mit der Schnelllebigkeit der Gegenwart zusammen. "Je enger und voller unser Alltag und die Verkehrsflächen unserer Städte werden, desto größer wird unsere Sehnsucht, diesem zumindest theoretisch jederzeit entfliehen zu können", sagt der Experte.

Ruckelig soll es dabei aber nicht zugehen. Land Rover entwickelt eine Elektronik, die die Federung auf Unebenheiten in der Straße einstellt, Schlaglöcher erkennt und deren Position für die nächste Fahrt speichert, teilt der Hersteller mit. In einem Politprojekt will davon jetzt die britische Stadt Coventry profitieren. Sie will auf die Daten zurückgreifen und damit ihre Straßenmeister steuern. Keiner kann behaupten, SUVs hätten in der Stadt nichts zu suchen. Irgendjemand muss die Schlaglöcher finden.

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