LaBrassBanda: das neue Album

LaBrassBanda haben ihr Label gewechselt – „Europa“ heißt ihr neues Album auf dem Weg zur Partyband für fast jeden Geschmack
| Christian Jooß
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Oliver Wrage, Stefan Dettl, Andreas Hofmeir, Manuel Winbeck und Manuel da Coll (v. l.) – LaBrassBanda auf dem weiten Feld der Volksmusik.
Gerald von Foris Oliver Wrage, Stefan Dettl, Andreas Hofmeir, Manuel Winbeck und Manuel da Coll (v. l.) – LaBrassBanda auf dem weiten Feld der Volksmusik.

LaBrassBanda haben ihr Label gewechselt – „Europa“ heißt ihr neues Album auf dem Weg zur Partyband für fast jeden Geschmack.

Vor ein paar Tagen auf Stefan Raabs „TV Total“-Couch. LaBrassBanda, barfuß in Lederhosen und T-Shirts, sind zur Vorstellung ihres neuen Albums „Europa“ geladen. Der Moderator reagiert auf Stefan Dettls ersten Satz mit unverständigem „Hä?“. Zur Hilfe wird Anneliese Funzfichler gerufen – Anke Engelke im Quetschdirndl. Die übersetzt als Musikantenstadlparodie ganz frei drauf los und spricht dabei einen Pseudodialekt. Privatfernsehhumor.

Im Juni 2008 erschien das Debütalbum von LaBrassBanda beim Münchner Trikont-Label. Im November 2008 spielten sie im proppenvollen Ampere. Die Band war ein Underground-Brass-Dancefloor-Ding vom Chiemsee. Lustig furchtlos blickten sie aus ihrer Heimat, hatten den Bewegungsdrang, mit dem man sein Publikum neu erfindet.

Circus Krone, Olympiahalle, große Festivals, der deutsche Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Für ihr drittes Studioalbum hat die Band Trikont verlassen und ist zum Majorlabel gewechselt. Sony Music hat eigenwilligerweise Europa umfunktioniert. Genau dieses Label auf dem einst Hui Buh, die Hexe Schrumpeldei und später Bob der Baumeister ihr Hörspielkassettenunwesen trieben.

„Nackert“, die schon bekannte Single, gibt die Neuausrichtung der Band vor. Dick produzierter Discobeat, der die ursprüngliche Irritation, dass hier Blasmusik cool wird, verschleift, mehrstimmiger Gesang. „Tecno“: das ist zur Einstimmung eine Melodie-idee, beatdramaturgisch maximal auf Wirkung bedacht. „Holland“ ist das Selbstzitat der Balkandisco, die den Gesang abseits von Inhalt als Treibmittel benutzt.

Bassist Oliver Wrage ist Vater geworden und hat die Band verlassen. Er interessiert sich in Zukunft für seine eigene Band. Weiter heißt die, und macht deutschen Positiv-Denken-Pop in Richtung Silbermond und Konsorten.

Mit LaBrassBanda ist etwas passiert. Damals haben sie aus ihrem musikalischen Umfeld heraus musiziert und den Fans den Blick nach vorne geöffnet. Heute will man deutschlandweit dem Blick von außen genügen. Das Urwüchsige, Kraftkerlige und manchmal Sepplhafte ist ein bierlauniges Image, mit dem sich eine Nation zwischen Oktoberfest und Pro7 erreichen lässt.

„Vogerl“ – mit solch barfüßigen Eskapismusfantasien hatte auch Claudia Koreck einst radiolandweit Erfolg. Nicht, dass LaBrassBanda nicht überraschen könnten: die Querflöte in „Western“, indischer Tablabeat in „Opa“. „Frankreich“ ist synthielastiger Minimal-Trance-Dance. „Russland“ ist in sich gekehrt. Die Fetenlaune soll das nicht trüben. Ihrem Ziel als internationale Partyband sind LaBrasBand ein großes Stück nähergekommen.

LaBrassBanda: „Europa“ (Sony) 28./29./30. Nov., Circus Krone

 

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