"Frischer Geist": Komponist Georges Aperghis ausgezeichnet

Die Ernst von Siemens Kunststiftung hat ihre Musikpreise bekanntgegeben: Georges Aperghis erhält den Hauptpreis.
| Robert Braunmüller
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Georges Aperghis in seiner Bibliothek in Paris.
Georges Aperghis in seiner Bibliothek in Paris. © Rui Camilo

Letztes Jahr bekam die Bratschistin Tabea Zimmermann den Preis. Nach einer ungeschriebenen Regel folgt auf einen Interpreten beim Ernst von Siemens Musikpreis ein Komponist.

Komponist Georges Aperghis ausgezeichnet

Und auch mit einem Mann war zu rechnen: Denn bei einer zweiten Frau in Serie hätte es so ausgesehen, als knickte die Jury vor der seit einer Ewigkeit formulierten Dauer-Kritik ein, der mit 250.000 Euro dotierte Preis ginge viel zu oft an Männer.

In diesem Jahr wird der 1945 in Athen geborene Komponisten Georges Aperghis geehrt, der seit 1963 in Paris lebt und arbeitet.

In der französischen Hauptstadt suchte Aperghis erst Anschluss an den in Frankreich von Pierre Boulez repräsentierten Serialismus und die Tonbandexperimente der "Musique concrète". Auch die Klangmassen des in der gleichen Stadt lebenden Landsmannes Iannis Xenakis das instrumentale Theater von Mauricio Kagel waren seine Vorbilder.

Aphergis entwickelt unverwechselbare Musik-Sprache

Ab 1970 entwickelte Aphergis seine eigene, unverwechselbare musikalische Sprache. Sein Schaffen umfasst mehr als 100 Werke, darunter zahlreiche Stücke für Soloinstrumente, nicht selten aber auch für Stimme solo.

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1976 gründet er mit seiner Frau, der Schauspielerin Edith Scob, mit der er zwei Söhne hat, sein erstes eigenes Theater: das "Atelier Théâtre et Musique", genannt ATEM, eine Musiktheater-Werkstatt, die in der sozialen Realität eines Pariser Vororts (Bagnolet) verankert war.

Aperghis ist in München noch zu entdecken

Die Jury lobt Aperghis' "frischen Geist", seinen "ungezügelten Forscherdrang und seine Errungenschaften im Bereich des Musiktheaters". Sie machen ihn zu einer der richtungsweisendsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musik, die in München bisher nur sporadisch wahrgenommen wurde.

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2016 führte Teodoro Anzellotti in der musica viva das Akkordeonkonzert von Aphergis auf, davor spielten seine Werke in der Reihe des BR für zeitgenössische Musik keine Rolle. Nur sporadisch erklangen Solostücke in der Black Box oder im Marstall. Aperghis ist also in München noch zu entdecken, gerade mit seinem Musiktheater.

Förderpreis unter anderem für Malte Giesen

Die drei Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung gehen in diesem Jahr an den Deutschen Malte Giesen, die in Wien lebende Kroatin Mirela Ivièeviè sowie an Yair Klartag aus Israel. Die Auszeichnungen sind jeweils mit 35.000 Euro dotiert.

Der Ernst von Siemens Musikpreis wird seit 1973 alljährlich von der privaten Ernst von Siemens Musikstiftung vergeben, die ihren Sitz in der Schweiz hat. Zuletzt schüttete die Stiftung insgesamt ein reiches Füllhorn mit 3,6 Millionen Euro aus. Der diesjährige Betrag steht noch nicht fest, dürfte aber kaum geringer sein. Sie spielt damit eine zentrale Rolle für die öffentliche Präsenz der Neuen Musik, die über dem Hauptpreis oft vergessen wird.

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