Munich Creative Business Week: Freude und beschwingte Formen

Vom 6. bis 14. März findet die zehnte Munich Creative Business Week statt - hauptsächlich online und mit rund 120 Events unter dem Oberthema "Shaping Futures by Design"
| Joachim Goetz
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Jan Kucks interaktive Video-Installation auf dem See im Westpark. (Archivbild)
Jan Kucks interaktive Video-Installation auf dem See im Westpark. (Archivbild) © MCBW

München - Dieses mal brennt nichts. Aber Jan Kuck, der letztes Jahr um diese Zeit an der Münchner Praterinsel die Isar in ein flammendes Inferno verwandelte - jedenfalls virtuell und optisch - ist wieder bei der "Munich Creative Business Week" (MCBW) dabei, dem größtem Design-Event Deutschlands. Wieder geht Kuck ins Wasser, wieder spielen Worte eine große Rolle.

Diesmal lässt er - ein seltenes echtes Live-Kunstevent in dieser verschlossenen Zeit - im Westsee des Westparks Leinwände über dem Wasser schweben. Darauf werden Bilder und Texte projiziert, die interaktiv in eine App eingegebene Antworten der Besucher auf die Frage zeigen: "What would you change?" (Was würden Sie verändern?).

"Time Matters" im Westsee

Zudem installiert der Berliner Künstler den Neonschriftzug "Time Matters" in drei Größen über der Wasserfläche, und mehrmals stündlich sieht man auf dem Screen auch eine Videotanzperformance von Miro Craemer. Damit sich dort aber nicht zu viele Besucher einfinden - und zum Corona-Risiko werden, wird die App "MyArtWalk" so in Google Maps eingebunden, dass Interessierte sehen können, wieviele Menschen sich bereits vor Ort befinden. Um dann lieber doch zuhause zu bleiben, oder sich für den "Designwalk" zu entscheiden.

Den haben die MCBW-Organisatoren neu erfunden, damit wenigstens eine halb-analoge Normalität entsteht. Ansonsten findet nämlich diese Jubiläums-MCBW, die mit nur 120 Events freilich deutlich reduzierter daherkommt als in gesunden Zeiten, hauptsächlich vor dem Bildschirm statt. Für Podiumsdiskussionen, Workshops, Konferenzen, Symposien, Vorträge, Filme und selbst Kinderveranstaltungen meldet man sich an, loggt sich dann ein und nimmt dann zu den festgelegten Terminen und in Echtzeit teil. Alle Programmpunkte sind nur während der neun Tage freigeschaltet. Zudem gibt es aus Kapazitätsgründen - weil die Leitungen zusammenbrechen könnten - auch Zugangsbeschränkungen: Also besser anmelden unter mcbw.de.

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Für den Designwalk gilt das nicht. Den kann der Design-Gourmet - so ihm die Politik nicht doch noch per Ausgangssperre einen Strich durch die Rechnung macht - rund um die Uhr genießen. In diesem kuratierten Stadtspaziergang durch die Maxvorstadt lassen sich an elf Stationen Gespräche mit Geschäfts-Inhabern, Designern, Ausstellungsmachern über Smartphone anhören - und im Schaufenster die dazugehörigen Exponate betrachten.

Zum Start gibt's die von Motomoto & UberEck kreierte Video-Installation "DIS Connected", die auf der Fassade der Hochschule für Fernsehen und Film an der Gabelsbergerstraße unsere derzeitige Verlorenheit thematisiert - mit wie im All schwebenden, fliegenden Figuren wird eine Welt beschrieben, in der eine immer größere physische Distanz zu anderen Personen, Mitmenschen, Familie entsteht.

Porzellankreationen und Designermöbel bei Rosenthal

Bei Rosenthal in der Kardinal-Faulhaber-Straße gibt es dann nicht nur betörende Porzellankreationen zu sehen - sondern etwa auch die eleganten und schlichten Möbel des dort gastierenden Münchner Designers Volker Kastl. Im neu erfundenen Pop-up Ausstellungs-Container an der Pinakothek der Moderne zeigt die Neue Sammlung 100 Wiener Plakate der 1950er Jahre aus dem Designaustria Plakatarchiv. Die lassen einen so richtig in Nostalgie versinken: Sie widerspiegeln die Faszination neuer Technologien, unbekannter Materialien, beschwingter Formen - diese Art Lebensfreude hätte man mal gerne wieder.

Überhaupt Österreich: Trotz Corona schmiedete der MCBW-Veranstalter BayernDesign eine neue Allianz mit dem Wiener Designforum. Allabendlich zwischen 18 und 21 Uhr gibt es Livegespräche über dies und das - mit Grünem Veltliner, Kaiserschmarrn und Wiener Walzer. Das muss man sich freilich selbst organisieren.

Landshut bei der MCBW

Landshut ist als Regionalpartner wieder mit von der Partie. Bei einem Besuch in der Keramikfachschule lassen sich etwa ausgewählte Stücke der Abschlussklassen und Wettbewerbsarbeiten betrachten.

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Was richtig Reizvolles: Furth (bei Landshut) macht Kunst. Die 3.500 Gemeindemitglieder sollen pro Haus eine Zaunlatte künstlerisch bearbeiten und das Ergebnis mit einer kurzen Videoaufnahme festhalten. Die werden dann zum langen Film zusammengefasst und online gestellt.

Über diese Teambuilding-Maßnahme hätte sich nach dem Motto: "Jeder Mensch ist ein Künstler" womöglich sogar Josef Beuys gefreut. Vielleicht auch über die Vilsbiburger Aktion: Stricken für die bunte Stadt. Die Stadtverwaltung stellt nämlich Wolle für die Umstrickung von Pfeilern eines Pavillons zur Verfügung. Damit alles ein bisschen bunter wird.

Ein Highlight in München, das man keinesfalls versäumen sollte, ist OurSuperstore. Dieser Design Shop - jetzt angesiedelt hinter den Glasscheiben der Hochschule für Fernsehen und Film und des Oskar von Miller-Forums (Oskar-von-Miller-Ring 25) - präsentiert 30 kuratierte, gut gestaltete Objekte, die von Sozialunternehmen in Zusammenarbeit mit Designern inspiriert und entwickelt wurden. Kaufen kann man die Rucksäcke, Feuerlöscher, Trinkgläser oder Kehrbesen freilich auch: und zwar unter oursuperstore.org.

Nicht zu vergessen: die Kunst-, Design-, Architektur-Filme. Da man auf die Vorführung im Kinosaal der Hochschule für Fernsehen und Film verzichten muss, wird einfach jeden Abend ein neuer Streifen kostenlos ins Netz gestellt, der dann etwa 24 Stunden lang verfügbar ist.

Kunst-, Design-, Architektur-Filme im Stream

Besonders empfehlenswert ist "The New Bauhaus - The Life & Legacy of Moholy-Nagy" von 2019. Alysa Nahmias zeigt in 89 Minuten vor dem Hintergrund der jüngsten Retrospektiven seiner Arbeiten in großen Museen der Welt eine gradlinige, persönliche, emotionale Reise durch Leben und Werk des Visionärs. Ebenfalls zu sehen ist die Geschichte des amerikanischen Designerpaars Charles und Ray Eames oder das inspirierende, intime Porträt der englischen Mode-Punk-Lady Vivienne Westwood.

Und das Leitthema Zukunft? Es wird in sechs informativen Kapiteln von Bildung über Arbeit bis hin zu Kommunikation und Sicherheit in vielen, vielen Programmpunkten meistens für Profis abgehandelt. Langweilig wird einem auch bei dieser virtuellen MCBW nicht. Aber fehlen werden einem sicher die sonst immer so schönen, zufälligen, inspirierenden Begegnungen.

6. bis 14. März findet die 10. MCBW, "Munich Creative Business Week" statt, Infos und Anmeldungen unter mcbw.de

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