Wille statt nur Wunsch

Vor der Landtagswahl: Michael Piazolo von den Freien Wählern über die Konzertsaal-Pläne, Bayreuth und andere bayerische Kulturbaustellen
| Robert Braunmüller
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Michael Piazolo, der Generalsekretär der Freien Wähler in Bayern.
dpa Michael Piazolo, der Generalsekretär der Freien Wähler in Bayern.

Nach der letzten Landtagswahl ging das Wissenschafts- und Kunstministerium von der CSU an den Koalitonspartner FDP. Vielleicht ist nach der Wahl am 15. September wiederum eine Koalition nötig – vielleicht auch mit den Freien Wählern, deren Kultursprecher der Münchner Landtagsabgeordnete Michael Piazolo ist.

AZ: Herr Piazolo, angenommen, Sie werden als Kunstminister vereidigt – was wären Ihre ersten Maßnahmen im Amt?

MICHAEL PIAZOLO: Schnell angehen muss man sicher die Situation in Bayreuth. Wenn Sie München ansprechen, wäre sicher ein Gespräch mit dem Deutschen Museum über die Frage des Konzertsaals dringend, um die Situation auszuloten, denn der Amtsinhaber Wolfgang Heubisch hat hier viel Porzellan zerschlagen.

Zurück zu Bayreuth: Hier muss der Vertrag mit den beiden Wagner-Schwestern verlängert oder eine Alternative gefunden werden.

Unser Landtagsvizepräsident Peter Meyer kommt aus Bayreuth, auch die dortige Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe ist eine Freie Wählerin. Mit denen würde ich sicher das Gespräch als Erste suchen. Wir sind auf keine bestimmte Lösung fixiert, aber die Familie Wagner muss eingebunden bleiben. Das gehört zur Tradition, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte.

Braucht München einen neuen Konzertsaal?

Die Freien Wähler sind nicht gegen einen Neubau. Ich verstehe auch den Wunsch des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Aber es stellt sich auch die Frage der Prioritäten. Und bestimmte Voraussetzungen müssten gegeben sein.

Und die wären?

Man müsste einen breiten Willen der Münchner Bevölkerung spüren, nicht nur den Wunsch. Ein erklecklicher Teil der Bausumme sollte über Spenden aufgebracht werden – mehr als fünf bis zehn Prozent. Und zentral ist die Frage der regionalen Ausgewogenheit. Alibi-Leuchtturmprojekte reichen nicht aus. Wir wünschen uns da ein Gesamtkonzept, das die Staatsregierung bisher nicht vorgelegt hat.

Und wie sähe das aus?

Den Gegensatz zwischen Hochkultur und Basiskultur – den der aktuelle Kunstminister immer herausstellt – mache ich mir nicht zu eigen. Grundsätzlich finde ich, dass die Kulturförderung in Bayern breiter aufgestellt sein sollte. Es geht nicht nur darum, einen Konzertsaal zu bauen oder das Nationaltheater und ein paar Spitzenmuseen zu unterstützen. Wir müssen die Vielfalt fördern. Es wäre wichtig, die Kommunen zu unterstützen. Denn die Leute vor Ort kennen sich immer am besten aus. Wir können nicht von München aus bestimmen, was in Unterfranken passieren soll.

Wolfgang Heubisch unterstützt Enoch zu Guttenbergs Festspiele Herrenchiemsee mit viel Geld, seit dort die Deutsche Bank als Sponsor ausgefallen ist. Ist das eine gute Entwicklung?

Wenn ich mir ansehe, dass der Wirtschaftsminister Martin Zeil von der gleichen Partei Firmen wie Schäffler oder Quelle Pleite gehen lässt, fragt man sich schon, ob das eine konsistente Politik ist. Ich finde es schön, dass ein solches Festival erhalten bleibt, aber eine Förderung sollte Hilfe zur Selbsthilfe bleiben. Ich will nicht unterstellen, dass sich da leicht die Mentalität einer Hängematte entwickelt. Aber die Gefahr besteht.

Ein Lieblingsprojekt von Wolfgang Heubisch ist das Museumsquartier. Läuft da alles rund?

Es könnte stärker mit Leben gefüllt werden. Die Museen sind noch zu wenig Erlebnis- und Freizeit-Raum. Ich kann mir vorstellen, dass dort auch abends mehr los ist. Auch die Oper geht mittlerweile aus dem Nationaltheater hinaus, und solche Dinge werden doch von den Menschen hervorragend angenommen.

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