Villa Stuck: Omas Socken für das Museum

Die Villa Stuck lädt ihre Besucher dazu ein, sich an der Ausstellung "Li - Geschenke und Rituale" mit eigenen Objekten zu beteiligen.
| Roberta De Righi
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Am Ende von Lee Mingweis Aktion bekommt der Leihgeber die geliehenen Textilien in einer geschmackvollen Holzschachtel zurück.
Am Ende von Lee Mingweis Aktion bekommt der Leihgeber die geliehenen Textilien in einer geschmackvollen Holzschachtel zurück. © Fiorio/Gropiusbau

München - Was einem derzeit fehlt, sind zufällige echte, angstfreie Begegnungen. Wie sehr das alltägliche Miteinander auch ein Geschenk ist, wird gerade schmerzlich bewusst. Darum kommt die ursprünglich für März geplante Ausstellung "Li - Geschenke und Rituale" mit partizipativen Installationen und Performances von Lee Mingwei im Museum Villa Stuck zur rechten Zeit: Der US-amerikanisch-taiwanesische Künstler inszeniert die Kunst der Begegnung und offeriert sie als immaterielle Gabe.

Bis Ende Juli war die Schau im Berliner Gropius-Bau zu sehen. Weil das Projekt nach der Öffnung der Museen unter strengen Corona-Auflagen stark beschränkt wäre, verschiebt die Villa Stuck es nun auf Mai - in der Hoffnung, dass dann die Lage entspannter ist. Dennoch ist das Museum derzeit schon auf der Suche nach Menschen, die die Schau durch eigene Mitwirkung oder Leihgaben ergänzen.

Kuratorin Anne Marr erklärt, dass die Villa Stuck Unterstützer für drei verschiedene Arbeiten bräuchte. Für "Fabric of Memory" werden "textile Erinnerungsstücke gesucht", so Marr, etwa die "von der Oma von Hand gestrickten Socken" oder ein Kleidungsstück als Andenken an eine Reise. Die oder der Eigentümer sollte dazu einen circa 1.500 Zeichen langen Text schreiben, warum ihnen das Stück so viel bedeutet. Am Ende der Ausstellung bekommen die Spender ihre Leihgaben zurück - zusammen mit einer Holz-Box, in der Lee Mingwei sie als Exponate in der Schau präsentiert.

Private Sammlungen im wöchentlichen Wechsel

Für "The Mending Project" lädt Lee wiederum Menschen ein, die Spaß am Nähen haben (von Hand, nicht mit der Nähmaschine) und offen für Gespräche mit Fremden sind. Die Handarbeit ist nicht nur nützlich, sondern bietet die Möglichkeit zum Gedankenaustausch - aber auch Momente der Kontemplation, so Marr. Im Rahmen der Ausstellung veredeln die Teilnehmer Textilien, die von Besuchern dafür abgegeben werden, oder bessern sie aus.

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Im "The Living Room" werden schließlich im wöchentlichen Wechsel private Sammlungen präsentiert. Auch hierfür sucht die Villa Stuck Interessierte, die in einer großen Vitrine Sammelobjekte zeigen. Das sollten laut Anne Marr aber keine Kunstgegenstände sein: In der Berliner Station seiner Schau waren das unter anderem eine quasi naturkundliche Sammlung von Tierknochen und eine Kollektion von Skateboards. Der Eigentümer sollte auch dazu bereit sein, zwei bis dreimal über seinen Bezug zu den Objekten zu sprechen. Bis Ende Januar können sich Interessierte melden, und zwar unter der Rubrik "Open calls" auf www.villa-stuck.de oder unter Telefon 089/45555149.

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Eine Art künstlerischer Kettenbrief

Nicht nur friedliche Begegnungen, sondern Frieden an sich ist für Lee zentrales Thema. Seine geplante Ausstellung mit 15 Projekten umfasst auch eine Nachbildung von Picassos Guernica-Gemälde auf dem Boden der Villa Stuck - fast doppelt so groß und aus Sand. Zum Ende der Schau dürfen die Besucher über den Sand laufen, der Künstler und seine Mitstreiter sorgen dafür, dass das Bild komplett verschwindet.

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