Der Main rückt in altem Schwimmbad in den Fokus der Landesausstellung

Der Märchenkönig, die Bayern und Preußen oder auch die Salzwirtschaft im Freistaat – ein Fluss stand dabei noch nie im Mittelpu
| Christiane Gläser
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Außenansicht der Kunsthalle in Schweinfurt
dpa Außenansicht der Kunsthalle in Schweinfurt

Der Märchenkönig, die Bayern und Preußen oder auch die Salzwirtschaft im Freistaat – ein Fluss stand dabei noch nie im Mittelpunkt.

Aquarien mit sprechenden Fischen als virtuelle Fenster in den Main, spektakuläre Hochwasser-Simulationen und eine 25 Meter lange Wellenwand – die Besucher der Bayerischen Landesausstellung 2013 können sich vom 9. Mai an auf extravagante Spielereien freuen. In der Kunsthalle Schweinfurt steht dann eine fränkische Lebensader im Fokus: der Main. Zum ersten Mal beschäftigt sich damit das Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) mit einem Fluss.

Die größte Herausforderung bei der Konzeption der diesjährigen Landesausstellung sei die „Qual der Wahl“ gewesen, sagt Projektleiter Rainhard Riepertinger. „Um den Main herum gibt es Hunderte spannende Themen. Da die Auswahl zu treffen, die die Besucher dann tatsächlich interessiert, ist nicht einfach gewesen.“ Die Ausstellung „Main und Meer“ im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad will den Besuchern auf rund 1700 Quadratmetern Wissenswertes rund um die fast 530 Kilometer lange Wasserstraße an die Hand geben. In den 158 Tagen der Ausstellung sollen unter anderem das Leben und Arbeiten am Fluss, die Tierwelt, die ökologischen Herausforderungen sowie der kulinarische Genuss entlang des Mains herausgestellt werden.

Dabei setzen die Kuratoren nicht auf frontale, sondern auf erlebnisorientierte Wissensvermittlung, bei der die Besucher auch selbst aktiv werden müssen. Zu finden sind außerdem jahrhundertealte Gegenstände, die Geschichten rund um den Main erzählen. „Es gibt einige Exponate, die besonders spannend sind“, so der Projektleiter vom Haus der Bayerischen Geschichte. So gebe es beispielsweise eine faszinierende Fischmumie aus dem 17. Jahrhundert, die mit weit aufgerissenem Maul mitten im Angriff erstarrt scheint. Die Überlieferungen sprachen stets von einem Stör, der das Main-Hochwasser 1682 nicht überlebte. „Die Mumie ist aber in Wirklichkeit ein Hai. Das ist eine schöne Randgeschichte zum Hochwasser.“ Um den Hai ranken sich bis heute Spekulationen, eine Legende lautet: ein Matrose könnte ihn von Hoher See eingeschleppt haben.

Zu sehen sind in der Schau auch ein Kettenschiffmodell aus dem 19. Jahrhundert, 300 Jahre alte Weinflaschen und eine von Flussperlen umrahmte Porträtminiatur. Das Team wurde bei seinen Vorbereitungen auch mit unerwarteten Schwierigkeiten konfrontiert: „In der Abteilung Wasserunfälle und -verbrechen wird ein Auto aus dem Fluss gezogen. Das Durchschneiden eines Autos schräg durch die Mitte haben wir uns viel leichter vorgestellt“, sagt Riepertinger. Doch diese Arbeit habe sich gelohnt, ist Ausstellungsarchitekt Fritz Pürstinger überzeugt. „Diese Kategorie haben wir sehr schön inszeniert“, sagt der Gestaltungsleiter, der auch schon für die Landesausstellung über Märchenkönig Ludwig II. verantwortlich zeichnete.

Obwohl sich die Landesausstellung mit einem fränkischen Thema beschäftigt, ist sie auch für Südbayern spannend, betont Riepertinger. „Natürlich liegt der Fokus auf dem Main. Aber wir weiten den Blick auch auf bayerische Themen. Die gehen alle an - egal, wo sie wohnen.“ Abgesehen davon sei der Main ist ein sehr schöner Fluss. „Wer ihn nicht kennt, sollte ihn schleunigst kennenlernen.“ Dafür plädiert auch Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) – nicht ganz uneigennützig natürlich. Der Politiker sieht die Landesausstellung als Chance. „Damit können wir Schweinfurt als Kultur- und Einkaufsstadt und als schöne und lebenswerte Stadt mit vielen Facetten möglichst vielen Menschen zeigen.“

Zahlreiche Gäste kämen noch immer mit einer eher reservierten Haltung in die Industriestadt. „Die meisten reisen ab mit dem Wissen, wie schön und sehenswert die Stadt doch ist und das wollen wir auch 2013 erreichen.“ Wenn die Landesausstellung in Unterfranken so viel Anklang findet wie die der vergangenen Jahre, dürften Hunderttausende Menschen nach Schweinfurt strömen, ist Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) überzeugt. „Die Landesausstellungen sind gefragt wie nie. Mit den letzten drei Präsentationen haben wir über eine Million Besucher erreicht.“ Besonders reizvoll findet er die „facettenreiche Verbindung von Kultur und Naturwissenschaft, die das Thema Main bietet“. Der Main habe Landschaft, Kultur und Wirtschaft geprägt und über Jahrhunderte das Leben Menschen in Franken bestimmt. „Ich bin sicher, dass es darüber spannende Geschichte zu erzählen gibt.“

 

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