Kühne Kunstkämpfer vom Kaliber Superman

Der Streit um das berühmte Selbstporträt Dürers spielt nun auf höchster politischer Landesebene
| Christa Sigg
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Wie man dem Dürerhasen die hohe Politik erklärt ... Markus Söder schenkt seinem Boss Horst Seehofer (li.) im Juli 2011 die Schokoversion.
dpa Wie man dem Dürerhasen die hohe Politik erklärt ... Markus Söder schenkt seinem Boss Horst Seehofer (li.) im Juli 2011 die Schokoversion.

Der Streit um das berühmte Selbstporträt Dürers spielt nun auf höchster Landesebene

Die roten Superman-Hoserl dürften bald ausverkauft sein. Noch vor dem Fasching! Denn nun wirft sich nicht mehr nur Nürnbergs tapfere Politprominenz in den Kampf um Dürer – die bösen Münchner wollen das berühmte Selbstbildnis einfach nicht rausrücken. Nein, jetzt müssen auch die Oberbayern ran. Denn es gilt, die wichtigste Dürer-Schau (siehe AZ vom 26.1.) der letzten 40 Jahre auf deutschem Boden zu retten. Und die beginnt doch schon am 24. Mai.

Da mag auch Erzengel Horst nicht zurückstehen, der Oberste im weißblauen Kunstparadies. Nächste Woche will sich Ministerpräsident Seehofer mit Herzog Franz, dem Chef des Hauses Wittelsbach, treffen, um über das formidable Porträt zu verhandeln. Ein Schreiben von Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) mit der Bitte um viermonatige Leihgabe liegt zwar schon seit vier Monaten vor, muss aber irgendwo in den Papierstapeln der Staatskanzlei untergegangen sein.

Egal. Jetzt, da der Ausstellungs-Crew vom Germanischen Nationalmuseum plötzlich von allen Seiten Unterstützung angetragen wird, ist auch das vermaledeite Brieflein schnell wieder aufgetaucht. Dazu sitzt der größte Plastikschwertschwinger sowieso in Seehofers Kabinett und bohrt mit besonders schlagenden Argumenten: Der Besuch des Nürnberger Dürer-Gymnasiums sei ihm, Finanzminister Markus Söder, Verpflichtung genug – dort wird man Tränen der Rührung weinen –, und schließlich habe er den Kulturminister auf seine Seite gezogen.

Leider weiß Wolfgang Heubisch nichts von dieser Großtat, gibt sich nebulös nürnbergfreundlich und schweigt ansonsten mit einem Mona-Lisa-Lächeln. Geschickt ist das. Denn Heubisch hat den Streitfall so wenig zu entscheiden wie der Ministerpräsident. Und schließlich sind es auch nicht die Wittelsbacher, die jetzt dauernd als Besitzer des Dürer-Porträts ausgerufen werden. Herzog Franz sitzt allerdings im Vorstand der Wittelsbacher Landesstiftung, die letztlich das Sagen hat.

Und wenn eins gewiss ist, dann, dass er sich souverän verhalten wird. Souveräner als all die Politiker, die plötzlich ihre heimliche Liebe zur Kunst outen.

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