Filmfestival in Cannes beginnt: Das Kinofieber ist zurück

In Cannes beginnt heute das internationale Filmfestival unter Jurypräsident Spike Lee.
| Adrian Prechtel
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Warten auf den Beginn des Festivals in Cannes.
Warten auf den Beginn des Festivals in Cannes. © Valery Hache/AFP/dpa

Wie sind Sie bisher so durch die Coronazeit gekommen? Diese Frage kann man nicht nur Personen, sondern auch Institutionen stellen wie dem französischen Kino.

Das hat bereits innerhalb von vier Wochen nach der Wiedereröffnung trotz Hygieneauflagen Zuschauerzahlen gemeldet, die über denen von 2019 liegen: 8,5 Millionen.

Das Filmfestival wird nachhaltiger

Wenn heute Abend das 74. Filmfestival in Cannes eröffnet, dann kann man zumindest feststellen, dass sich die Stadt hübscher gemacht hat als zuvor - und das sogar nachhaltig: Eine Fußgängerzone entlang der Hafenfront macht flanieren möglich, wo zuvor ein Schaufahren der Limousinen und Cabrios herrschte.

Und zum ersten Mal verzichtet das Festival auf die Tausenden von Plastikbecher und Alukapseln für den Sponsorencafé von Nespresso oder die kostenlosen Evian-Mineralwasserplastikflaschen für die diesmal 18.000 Akkreditierten für Festival und Filmmarkt, die alle diesmal sogar zuvor eine Ökoabgabe von 20 Euro entrichten mussten, was den CO2-Fußabdruck sicher nicht aufheben kann, auch wenn jetzt noch der öffentliche Busverkehr für Journalisten kostenlos ist.

Ein Zeichen für Diversität

Das offizielle Plakat, das auch 250 Quadratmeter groß an der Beton-Stirnseite des Festivalpalais prangt, bleibt allerdings nachdenklich:

Es zeigt die ängstlich in den Palmenhimmel blickenden Augen des diesjährigen Jurypräsidenten Spike Lee, womit wiederum auch ein Zeichen hin zu Diversität und People of Colour gesendet wird.

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Bisher hatte der künstlerische Direktor, Thierry Frémaux behauptet, sich für Frauen-, Gender- und Farb-Quoten nicht zu interessieren, sondern nur für Qualität.

Andererseits wird er diesmal auch "Fast & Furious 9" den Stempel der "Selection officielle" geben, wenn auch natürlich nicht im Wettbewerb um die Goldene Palme.

Ehrenpalme für Jodie Foster

Der startet heute mit der Ehrenpalme an Jodie Foster bei der Eröffnungsgala, an die sich der Musicalfilm "Annette" anschließt - mit Marion Cottilard und Adam Driver - hier als eine berühmte Sängerin und ein Star-Comedian, die eine mysteriöse Tochter bekommen.

Leos Carax ist der französische Regisseur, was als Eröffnungsfilm natürlich den Franzosen schmeichelt - und Adam Driver schlägt die Brücke zum US-Kino.

Zwei Dutzend Filme sind im Wettbewerb

Durch den Filmstau des großteils ausgefallenen Filmjahres 2020 sind diesmal zwei Dutzend Filme im Wettbewerb. Es sind viele alte Regie-Bekannte am Start, wie Nanni Moretti und Jacques Audiard.

Und einige vormalige Palmengewinner sind auch dabei, wie der Iraner Asghar Farhadi und Francois Ozon, dessen vorheriger Film, "Sommer 85", ja gerade in den deutschen Kinos gestartet ist.

Sean Penn kommt auch, obwohl sein letzter Regieversuch ("The Last Face") hier in der Pressevorführung ausgelacht worden war. Und Paul Verhoeven soll seinen Film "Benedetta" sogar extra für Cannes 2021 aufgehoben haben.

Alle Plätze im Galakino sollen besetzt werden

Ob das Festival reibungslos stattfinden kann? Im Galakino, dem Grand Theatre Lumière, sollen überraschenderweise alle 2.300 Plätze besetzt werden. Allerdings erfolgt zuvor eine Dreifach-Kontrolle.

Zur flughafenartigen Untersuchung nach Waffen, Sprays und Flüssigkeiten sowie der Kontrolle der Akkreditierung und des E-Tickets gibt es jetzt den Zwang eines QR-Codes, der Impfung oder Testung nachweist, was viel Zeit am Einlass verschlingen wird.

Eine unverbindliche Filmstar-Liste

Und das nicht im milderen Mai, sondern im heißen Juli, der hier aber immer von einer Meeresbrise gemildert wird. Weil Cannes stark auf die Wirkung seines Roten Teppich setzt, war lange die Frage, ob überhaupt US-Stars anreisen können.

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Jetzt wagt das Festival eine unverbindliche Liste, auf der zum Beispiel auch Matt Damon steht. Wenn Wes Anderson seine Stars mitbringen sollte, wird es einen unfassbaren Rummel um Adrien Brody, Christoph Waltz, Owen Wilson, Tilda Swinton, Anjelica Huston sowie Benicio del Toro geben.

Und weil Anderson zum ersten Mal in Frankreich gedreht hat, könnten auch Léa Sedoux und Cécile de France dabei sein.

Ein deutscher Film ist immerhin in der Reihe "Un certain regard"

Ein deutscher Film wiederum ist im Wettbewerb nicht in Sicht, aber in der Reihe "Un certain regard" für besondere und frühe Werke läuft "Die große Freiheit" mit Franz Rogowski, über einen Mann, der wegen seiner Homosexualität auch nach 1945 dauernd im Gefängnis landet.

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