"Rosas Hochzeit" im Kino: Die Kunst, sich selbst zu lieben

Iciar Bollain inszeniert mit "Rosas Hochzeit" einen zauberhaften Film über eine weibliche Selbstfindung
| Margret Köhler
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Rosa (Candela Pena) verwirklicht sich mit dem alten Schneiderladen der Mutter.
Rosa (Candela Pena) verwirklicht sich mit dem alten Schneiderladen der Mutter. © Piffl Medien

Ein feministischer Gute-Laune-Film? Kaum zu glauben, aber den gibt's wirklich und ganz ohne Gendersprech oder pädagogische Pappfaust!

Regisseurin Iciar Bollain erzählt mediterran-fröhlich

Die spanische Regisseurin Iciar Bollain, die mit "El Olivio - Der Olivenbaum" verzauberte und sich seit Jahren für eine größere Präsenz von Frauen in der Filmindustrie einsetzt, erzählt mediterran-fröhlich von der Kostümbildnerin Rosa. Sie ist einer dieser typischen Frauen, die es allen recht machen wollen, sich Arbeit bis in die Nacht aufhalsen lassen, statt Nein zu sagen, eine Kümmerin, ohne die nichts läuft.

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Kurz vor ihrem 45. Geburtstag hat sie die Faxen dicke, will nicht mehr die Kinder ihres Bruders betreuen, den Kater der Freundin oder das Grünzeug des Nachbarn und auch nicht ständig ihren verwitweten und nörgelnden Vater zum Arzt begleiten. Als der sich auch noch bei ihr einquartieren will, ist Schluss mit lustig.

Rosa plant eine Hochzeit mit sich selbst

Rosa verlässt Valencia, um den alten Schneiderladen ihrer Mutter in einem Küstenort zu übernehmen, fragt sich ganz direkt "Wann, wenn nicht jetzt"? Das stößt auf Verwunderung bei Freunden und Familie, aber noch mehr ihre Ankündigung, zu heiraten. Was niemand ahnt: Sie plant eine Hochzeit mit sich selbst, sich selbst Treue schwören in guten wie in schlechten Zeiten bis ans Lebensende.

Was sich völlig verrückt anhört, ist ein weltweites, medial noch relativ unentdecktes Phänomen. In Japan übernimmt sogar eine spezielle Agentur die Vorbereitungen für die Selbsthochzeit. Rosa steht für all diejenigen, die dem gesellschaftlichen Druck nachgeben, die traditionelle Rollenverteilung klaglos hinnehmen. Dass sie irgendwann erwacht und ihre Träume verwirklichen will, ist Aufbruchssignal - auch für ihre Tochter.

"Rosas Hochzeit": Bis in die kleinste Nebenrolle optimal besetzt

Nicht nur Candela Peña in der Hauptrolle ist perfekt, auch die kleinste Nebenrolle ist optimal besetzt. Eine dysfunktionale und völlig überdrehte Familie, die sich laut und gerne zofft, aber trotz aller Marotten zusammenhält, wenn's drauf ankommt.

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Zum Befreiungsschlag und der Kunst, sich selbst zu lieben, gehört neben einer Portion Mut auch der Wille, sich dem Schmerz nicht zu verweigern. Die von leiser Melancholie und sanfter Sehnsucht getragene Komödie voller kleiner Preziosen über die Selbstfindung einer couragierten Frau streichelt die Seele und sorgt für einen Moment des Innehaltens.

Und wenn trotz einiger empörter spießbürgerlicher Miesepeter die überraschende Hochzeit mit spanischem Temperament, Tapas und Vino Tinto gefeiert wird, Rosa, die Braut, die sich alleine traut, vor Glück strahlend in die Zukunft tanzt, möchte man mittanzen und verlässt das Kino mit einem seligen Lächeln. Wir brauchen viele Rosas! Und viele solcher Filme.


R: Iciar Bollain (E, 100 Min.); Kinos: Theatiner, Monopol, City, Rio, Studio Isabella

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