Ein ZDF-Chefredakteur von Roland Kochs Gnaden

Der Vollblut-Journalist Peter Frey tritt die Nachfolge des von der Union geschassten Nikolaus Brender an. Er muss erst einmal viele Scherben zusammenkehren.
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Figuren auf dem Schachbrett der Politik: Der neue ZDF-Chefredakteur Peter Frey (l.) und sein abgesägter Vorgänger Nikolaus Brender.
az Figuren auf dem Schachbrett der Politik: Der neue ZDF-Chefredakteur Peter Frey (l.) und sein abgesägter Vorgänger Nikolaus Brender.

MAINZ - Der Vollblut-Journalist Peter Frey tritt die Nachfolge des von der Union geschassten Nikolaus Brender an. Er muss erst einmal viele Scherben zusammenkehren.

Stühlerücken auf dem Lerchenberg: Der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Frey, wird zum 1. April 2010 neuer Chefredakteur des größten deutschen Fernsehsenders. Der mächtige Verwaltungsrat folgte gestern Abend einstimmig dem entsprechenden Personalvorschlag von Intendant Markus Schächter.

Der 52-jährige Vollblut-Journalist Frey tritt die Nachfolge von Nikolaus Brender (60) an, der vor zwei Wochen einer parteipolitischen Intrige von CDU und CSU zum Opfer gefallen ist. Obwohl Schächter den Vertrag Brenders verlängern wollte, stellten sich sieben unions-nahe Mitglieder des Verwaltungsrats quer – angeführt wurde die Anti-Brender-Front vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der auf der Ablösung des ZDF-Chefs beharrte. Die von der Politik gesteuerte Demontage Brenders löste eine heftige Diskussion über die Staatsferne im öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus. Brenders Vorgänger Klaus Bresser warf Koch „organisierte Verfassungskriminalität“ vor, die Grünen streben eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht an. Eine Fach-Jury des „medium magazins“ kürte Brender prompt zum „Journalisten des Jahres".

Koch: „Ich bleibe der Auffassung, dass es für das ZDF das Beste ist, einen personellen Wechsel herbeizuführen.“

Koch verteidigte gestern im Wiesbadener Landtag seine Haltung: „Ich bin und bleibe der Auffassung, dass es für das ZDF das Beste ist, dort einen personellen Wechsel herbeizuführen.“ Politische Erwägungen hätten dabei keine Rolle gespielt. Im Übrigen habe er „nicht den geringsten Anlass zu dem Verdacht, dass ein neuer ZDF-Chefredakteur der CDU näher stehen werde als dessen Vorgänger“. In der Tat gilt Frey im Unterschied zu seinem Vize bei „Berlin direkt“, dem konservativen Peter Hahne, als linksliberal. Das hielt Frey aber nicht davon ab, beim Sommerinterview 2009 Linken-Chef Oskar Lafontaine mit hartnäckig-kritischen Fragen zur Weißglut zu reizen.

ZDF-intern ist Peter Frey äußerst beliebt: Der Familienvater, dem stets ein leichtes Lächeln um die Lippen spielt, gilt als „wahnsinnig umgänglicher Chef“, Mitarbeiter bescheinigen ihm einen kooperativen, ausgleichenden und sachlichen Führungsstil. Das journalistische Handwerkszeug lernte der Katholik aus Bingen am Rhein von der Pike auf: Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Pädagogik und Philosophie arbeitete Frey für den Südwestfunk und die „Frankfurter Rundschau“, ehe er 1985 zum ZDF wechselte. Als Korrespondent berichtete er aus Mexiko, Nicaragua, Polen und den USA. Ab 1992 baute Frey das „Morgenmagazin“ mit auf, dann moderierte er das „auslandsjournal“. Seit Jahren ist er zudem engagierter Online-Blogger.

Frey will die Glaubwürdigkeit des Senders wiederherstellen

Der neue ZDF-Chef von Roland Kochs Gnaden muss jetzt aber erst einmal viele Scherben zusammenkehren: Er sehe es als seine Hauptaufgabe an, „die Glaubwürdigkeit des Senders, die in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten hat, wiederherzustellen“, sagte Frey nach seiner Wahl.

Nachfolgerin Freys als ZDF-Gesicht im Berliner Regierungsviertel wird Bettina Schausten, die seit 2003 die Hauptredaktion Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik leitet – und den Zuschauern von Wahlabenden und als Moderatorin des „Politbarometers“ bekannt ist.

Markus Jox

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