"Unterwerfung" im Teamtheater

Das Teamtheater Tankstelle zeigt eine Bühnenfassung von Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ als Monolog
| Robert Braunmüller / TV/Medien
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Peter Blum spielt in „Unterwerfung“ den menschenfeindlichen Literaturprofessor.
Benedikt Mahler Peter Blum spielt in „Unterwerfung“ den menschenfeindlichen Literaturprofessor.

So ähnlich, zumindest, zeichnet sich das politische Szenario auch in Deutschland ab. Aus Furcht vor der rechtspopulistischen AfD werden plötzlich in den Kommunen und in den Ländern Dreier- bis Viererkoalitionen aus dem Spektrum zwischen den Linken bis zu den Christdemokraten möglich.

In seinem 2015 erschienenen Roman „Unterwerfung“ entwickelte Michel Houellebecq, das geniale Schmuddelkind der französischen Literatur, ein in ähnliche Richtung führendes Gedankenspiel für die nächsten Präsidentschaftswahlen der Grande Nation im Jahr 2022.

Um den Front National von Marine Le Pen von der Regierung fernzuhalten, verbünden sich Emannuel Macrons Liberale, die UMP und die UDI aus dem Mitte-Rechts-Lager sowie die Sozialisten mit der „Bruderschaft de r Muslime“. Deren Spitzenkandidat Mohammed Ben Abbes wird Staatspräsident und Frankreich entwickelt sich mit hohem Tempo zum islamischen Staat.

Ein misanthropischer wie sexistischer Akademiker

Das ist Futter auch für das Theater. Die Münchner Kammerspiele scheiterten vor drei Jahren mit einer eigenen Bühnenfassung zwar an Auseinandersetzungen mit Gastregisseur Julien Gosselin, zeigte aber Karin Beiers Hamburger Inszenierung mit dem gefeierten Edgar Selge als Gastspiel in der Kammer 1.

Benedikt Mahler, Absolvent der Theaterakademie August Everding und Autor beim Bayerischen Rundfunk, übernimmt deren Konzept des Monologs für seine Inszenierung, die im Teamtheater Tankstelle gastiert. Die Bühne (Ausstattung: Camille Hafner) ist leer bis auf einen fensterartigen Aufbau mit Lamellenvorhang und eine bewegliche Holzkonstruktion, mit der der Schauspieler immer wieder zu ringen hat.

François, den Literaturwissenschaftler an der Sorbonne, sowie in kleinen szenischen Skizzen auch andere Figuren des Romans, spielt Peter Blum. Der ebenso misanthropische wie sexistische Akademiker, der zum Islam konvertiert, weil ihm die Aussicht auf eine Gesellschaft, in der Frauen nicht berufstätig sein dürfen und in der Polygamie zum guten Ton gehören, konveniert, wird auch als Alter ego des Autoren gelesen.

Peter Blum ist in seiner weichen Erscheinung und der sanften Stimme das genaue Gegenteil Houellebecqs. Das könnte eine interessante Reibung zwischen dem Machismo von Sätzen wie „Die Liebe eines Mannes ist nichts anderes als die Anerkennung für das ihm bereitete Vergnügen“ und freundlich verbindlichem Auftreten ergeben. Doch die betont unkorrekte und radikal kulturpessimistische Satire über das christliche Europa, die „Unterwerfung“ vor allem ist, kommt allzu zahnlos über die Rampe.

Teamtheater Tankstelle, heute, morgen, 10., 11., 13., 14. Juli, 20 Uhr, Telefon 2604333

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