Neuauflage von "Bonnie und Clyde": Der Tod war nur eine Lüge

Constanze Lindner, Michael Altinger und Alexander Liegl spielen "Ratatata - die wirklich wahre Geschichte von Bonnie und Clyde".
| Thomas Becker
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Constanze Lindner, Michael Altinger (li.) und Alexander Liegl spielen "Bonnie und Clyde".
Constanze Lindner, Michael Altinger (li.) und Alexander Liegl spielen "Bonnie und Clyde". © Martina Bogdahn

Vor sechs Jahren herrschte in Schwabing "Der nackte Wahnsinn": Neun herrlich aufgedrehte Schauspieler gaben im reihenweise ausverkauften Lustspielhaus den Boulevard-Klassiker von Michael Frayn zum Besten, und wohl selten wurde an diesem wahrlich nicht gerade humorarmen Ort des Frohsinns so ausdauernd und herzhaft gelacht.

Schuld daran waren der verstorbene Ferdinand Schmidt-Modrow, Sonja Kling, Thomas Wenke, Norbert Heckner sowie das Quartett Gabi Rothmüller, Constanze Lindner, Michael Altinger und Alexander Liegl.

Letztere haben sich für "Ratatata - die wirklich wahre Geschichte von Bonnie und Clyde" nun wieder zusammengetan, und es müsste ja schon mindestens mit dem Teufel zugehen, wenn dabei nicht wieder etwas reichlich Wahnsinniges herauskommt.

Rasend, krachend und immer am Limit

Und siehe da: Unter der Regie von Rothmüller spielen Lindner, Altinger und Liegl ein 17-Personen-Stück. "Rasend, krachend und immer am Limit", heißt es in der Ankündigung: "Diese Boulevardkomödie ist der nackte Wahnsinn." Na also, da ist er ja schon.

"Natürlich bedienen wir uns dieser Kraft des durchgeknallten Boulevards", sagt Alexander Liegl am Telefon, "wir haben den 'Nackten Wahnsinn' mit großer Freude gespielt. Für mich ist das Theatertheater. Das Bühnenbild ist eine Tür, und das bedeutet drinnen und draußen - dieses Spiel mit vorne und hinten ist eine faszinierende Kraft."

Liegl ist weder Bonnie noch Clyde, womit die Hauptrollen verteilt sind, an Lindner und Altinger. Schon ewig wollten die drei in dieser Konstellation mal zusammen auf die Bühne. "Es ist ein sehr familiäres Stück für uns", sagt Liegl, "weil wir uns schon so lange kennen, dass das etwas mit Familie zu tun hat." Aber warum ein Paar-Stück zu dritt?

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Neuauflage des Paar-Stückes zu dritt

Liegl sagt: "Paar-Stücke machen was her, da ist immer was los, und drumherum kann man etwas bauen. Wir haben gar nicht so an drei gegen zwei gedacht, uns ging's um die Geschichte. Es sollte immer ein größerer Haufen werden, aber mit einer guten Grundlage, und die schien uns bei Bonnie & Clyde gegeben.

Da ist alles drin: Liebe, Tod, Überfall, Kriminalität, praktisch Sex & Crime." 70, 80 berühmte Paare hatte er rausgesucht, von Tom & Jerry über Cäsar und Kleopatra bis Marianne und Michael, aber bei Bonnie & Clyde sind alle sofort angesprungen.

Regisseurin Rothmüller, Liegls Lebensgefährtin, fügt im Scherz an: "Ich weiß auch nicht, ob die drei kleinen Schweinchen ein abendfüllendes Programm wären." Liegl hakt ein: "Ja, aber da kommt noch der böse Wolf dazu, dann sind's schon vier, und dann könnte man…"

An schön schrägen Ideen hat es der Truppe nie gemangelt, man musste sich nur auf eine einigen. "Das ging komischerweise ganz schnell", erzählt Liegl, "der Michi meinte gleich, Bonnie & Clyde wäre sein Favorit, und da haben wir gar nicht lang nachdenken müssen.

Klar gab's das schon im Film, aber unsere Variation ist halt die Verlängerung dieser Geschichte: Was wäre aus denen geworden, wenn sie nicht so jung gestorben, sondern nun ein älteres Ehepaar in einem Reiheneckhaus wären? Wir erzählen nicht nach, sondern setzen ein paar Jahre später ein."

Der Plot: Das weltberühmte Gangster-Pärchen - auf Leinwand unter anderen von Faye Dunaway und Warren Beatty verewigt - hat überlebt und versucht inkognito zu sein, wird aber von diversen Figuren - Nachbar, Untermieter, Reverend, Waffenverkäufern, die sie als Werbeträger einsetzen wollen - erkannt und schafft es einfach nicht unerkannt zu bleiben. "Frei nach Schiller: Es kann der Dümmste nicht in Frieden leben, wenn es seinem Nachbarn nicht gefällt", zitiert Rothmüller.

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Mit großer Begeisterung gen Wahnsinn marschiert

Liegl schrieb eine Vorlage mit vielen Verwicklungen und Verdrehungen, "und nachdem er uns die ersten 20 Seiten der Rohfassung vorgestellt hatte, waren wir uns einig, dass er es auch zu Ende schreiben soll", erzählt Rothmüller, "damit es auch diesen Stück-Charakter behält und kein Nummern-Programm daraus wird - das haben wir oft genug."

Die Charakteristik des Trios beschreibt sie so: "Gemeinsam haben sie, dass sie mit einer großen Begeisterung auf einen Wahnsinn hin marschieren, egal, wie hoch das Hindernis sein mag. Sie begeben sich auch mit größtem Vergnügen in den freien Fall, wenn es sein muss. Unterscheiden müssen sie sich aber schon ein bissl: Alex denkt vorher nach, Constanze hinterher, und Michi ist oft einmal auch fleißig und denkt vorher und hinterher nach. Das gibt ihnen allen auch eine Stärke."

17 Rollen haben die Drei also zu füllen. Das bedeutet Rollen- und Outfit-Wechsel im Minutentakt. "Man muss die Rollen durchziehen - wenn man sie wieder findet im Kopf", meint Liegl, "und sich auf Tempo merken: Was kommt als Nächstes? Dann hat man das halbe Stück schon geschafft."

Rollenwechsel im Minutentakt

Rothmüller sagt nur: "Ich möchte nicht wissen, was Backstage vor sich geht. Das ist das Privileg der Regisseurin. Ich bin immer nur kritisch mit dem, dass wir vorne alles richtig machen.

Als eine Bekannte sich eine Probe anschaute, meinte sie: 'Das schreit ja nach einer Backstage-Kamera!'" Wie sie es als Regisseurin schafft ernst zu bleiben? "Muss ich gar nicht. Ich sage ja immer: 'Das Wichtigste ist, dass ich da unten Vergnügen habe. Wie ihr das herstellt, ist mir egal. Ich muss vier Wochen vor euch sitzen und möchte meinen Spaß dabei haben!'"

Liegl kann das bestätigen: "Die Gabi lacht ja auch über Fehler, selbst bei der Premiere." Die steht heute im Schlosspark der Katholischen Akademie an. "Die Ökonomie innerhalb des Stückes ist wichtig", sagt Rothmüller. "Dass sie nicht ihre Kräfte verbrauchen, dass sie das Richtige anziehen und vor lauter Hetzerei hinten das Spiel vorne nicht vernachlässigen. Und den eleganten, nonchalanten Umgang mit Fehlern kann man noch trainieren.

Es muss ja auch sehr musikalisch sein, es muss Lautes und Leises geben, immer schön im Wechsel. Diese Musikalität ist meine große Aufgabe. Und dass wir es lustig machen, dass es auch mal wie Loriot klingt, nicht wie Willy Millowitsch."


Premiere am 30. August, 19.30 Uhr, im Schlosspark der Katholischen Akademie Bayern (Mandlstraße 23, Zugang Gunezrainerstraße).

Weitere Aufführungen vom 5. bis 12. September, 19.30 Uhr, im Garten der Seidlvilla (Nikolaiplatz 1b). Tickets ab 30, 60 Euro. 

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