Eine Hymne auf den Käfer

Die Performance "Breathe" von Gert Neuner im Luitpoldpark.
| Mathias Hejny
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Die Mitwirkenden der Performance "Breathe".
ETA-Theater Die Mitwirkenden der Performance "Breathe".

Hier finden zwei Mitkämpfer der Weißen Rose wieder zusammen: Im westlichen Schwabing stehen zwei Schulen, die nach Sophie Scholl und Willi Graf benannt sind, in unmittelbarer Nachbarschaft. An der Rückseite des Willi-Graf-Gymnasiums erhebt sich der Luitpoldhügel, aufgehäuft aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs.

Für einen Theatermacher wie Gert Neuner, der mit seinem ETA-Theater seit 38 Jahren in ganz großen Zusammenhängen denkt und gerne auch unübersichtliche Assoziationsräume beackert, ist dieser mit viel historischer Bedeutung aufgeladene Ort eine ideale Spielwiese. Das ist im Falle seiner neuen Produktion "Breathe" sogar wörtlich zu nehmen, denn nicht nur die Voelderndorffstraße, die auch während der Vorstellungen für den ganz normalen Alltag im Park geöffnet bleibt, ist Spielfläche, sondern auch das üppige Grün auf dem Berg.

"Breathe": "Film-Schauspiel-Performance" 

Ursprünglich war "Breathe" ein reines Filmprojekt. Mit Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen sollten Kurzfilme zu den Befindlichkeiten in Zeiten der Pandemie drehen. Später wurde eine "Film-Schauspiel-Performance" daraus. Doch ausgerechnet die Projektionstechnik machte in der Premiere Probleme. Nur Fragmente der Performance konnten gezeigt werden. Zu denen gehören die Liveaktionen vor der Mauer und auf der Wiese. Carlton Bunce hat männliche Parts übernommen wie einen Gärtner, der mit einem Laubbläser weiße Rosenblätter fegt oder dem VW Käfer eine Hymne spricht, der sowohl für die Bewegung "Kraft-durch-Freude" der Nazis steht als auch für das Wirtschaftswunder nach dem Krieg.

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Gabriele Graf und Sophie Wendt spielen die Zeitreisenden Marie Sandorf und Katharina von der Halde. Sie quälen sich mit den Gasmasken und der Spanischen Grippe im Ersten Weltkrieg und werden mit einer Rede Adolf Hitlers sowie der AfD konfrontiert. Im Heute gelangen die Damen an das mutmaßliche Ende der Corona-Seuche.

Mit poetischen bis kryptischen Bildern und Texten entsteht ein Nebeneinander der Katastrophen, bei dem Covid relativiert erscheint. Wenn noch die Filme funktionieren, könnte es ein interessanter Abend sein.


Luitpoldpark, Voelderndorffstraße / Scheidplatz, wieder am 21. August, 20.15 Uhr, Eintritt frei

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