Komödie im Bayerischen Hof: Zita und Zombie

Die Komödie im Bayerischen Hof zeigt eine Bühnenfassung des Films "Wer hat Angst vorm weißen Mann".
| Mathias Hejny
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Hans Stadlbauer und Derek Nowak (rechts) in der Bühnenfassung des Films "Wer hat Angst vorm weißen Mann" in der Komödie im Bayerischen Hof
Hans Stadlbauer und Derek Nowak (rechts) in der Bühnenfassung des Films "Wer hat Angst vorm weißen Mann" in der Komödie im Bayerischen Hof © Stegherr

München - Die Entschuldigung ist akzeptabel: "Ich bin zum ersten Mal tot", erklärt Hans Maisacher, der seinen aufbrausenden Grant auch nach seinem Ableben noch nicht im Griff hat und das nun jemandem erläutern muss, der Tote sehen und hören kann.

Den Schlaganfall hat der Metzgermeister überlebt, doch bei der Rückkehr aus dem Krankenhaus erfährt er, dass die Tochter einen Schwarzen als Aushilfe eingestellt hat. Und beim Wechseln einer Glühbirne trifft ihn der letale Stromschlag. Nun geistert er als Untoter durch seinen Betrieb und muss zusehen, wie sein Lebenswerk von der überforderten Tochter, einem "Bimbo" und dem erbschleichenden Sohn zerstört wird.

Aus Mystery-Komödie mit Ethno-Würze wird sympathischer Münchner Schwank

"Wer hat Angst vorm weißen Mann?" von Dominique Lorenz ist die Bühnenfassung des gleichnamigen Films, der 2013 in die Kinos kam. Damals spielten Andreas Giebel den rassistischen Franz und Brigitte Hobmeier die Metzgerstochter Zita. In der ersten Premiere der Komödie im Bayerischen Hof im Stammhaus nach der langen Lockdown-Phase sind Hans Stadlbauer und Joanna Semmelrogge der erzkonservativ sturschädelige Papa und die ebenso gutmütige wie kämpferische Tochter.

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Regisseur René Heinersdorff hat aus der Mystery-Komödie mit Ethno-Würze einen sympathischen Münchner Schwank gemacht, an dessen "Münchner-im-Himmel"-Witz vor allem Stadlbauer als Giesinger, für den Schwabinger schon Ausländer sind, Anteil hat. Überraschend wenig Zutrauen auf Theaterzauber hat Heinersdorff, wenn es um den Zusammenprall der katholischen Mythologie aus Oberbayern und der animistischen Magie aus Zentralafrika geht. Die Mystery-Momente rumpeln ebenso unspektakulär wie hölzern über die Bühne wie die beiden Action-Szenen, die etwas verhuscht weggespielt werden.

Diesem Ensemble sieht man gerne zu

Dafür hat sich ein stimmiges Ensemble zusammengefunden, dem man gerne zusieht. Das betrifft auch die insgesamt zehn Nebenfiguren, in die sich zwei teilen. Christiane Rücker spielt die Damen wie die humorfrei spießige Stammkundin, die zwar fürchtet, dass der Afrikaner ihren Dackel mit einem Scheibchen Gelbwurst mit Aids infiziert, aber sich von dessen Charme durchaus bezirzen lässt. Thomas Stegherr übernimmt die Herren und glänzt als Herr Rupprecht von der Gewerbeaufsicht mit einer surreal ulkigen Bürokraten-Nummer.

Den Alpha Kitenge aus dem Kongo stattet Derek Nowak mit sanfter Freundlichkeit aus. Gleichzeitig zeigt er eine Widerborstigkeit, der man bei seinem aufreibenden Kampf mit dem Zombie, den Behörden und um Zitas Zuneigung beim Wachsen zusehen kann.

Wenn Franz mit Alpha nicht nur sein vielfach preisgekröntes Weißwurstrezept teilt, sondern auch auf dem Amt beim Asylantrag zu helfen versucht, geschieht das natürlich nicht uneigennützig. Der Weißwurscht-Virtuose braucht den "Mohrenkopf", um die Pläne von Sohn Anton und Schwiegertochter Mireille zu verhindern (voll amüsant ausg'schamter Gier: Benedikt Zimmermann und Julia Uttendorfer), die aus dem traditionsreichen Fleischergeschäft eine stylische Lounge machen wollen. Erst die Donnerworte von Franzens früh verstorbener Ehefrau aus dem Jenseits macht dann zum glücklichen Ende nicht nur Zitas Traum vom bayerisch-afrikanischen Imbiss wahr, sondern auch die deutsch-kongolesische Hochzeit.


Komödie im Bayerischen Hof, Promenadeplatz. 6, bis 12. September, 19.30 Uhr, sonntags 18 Uhr, Karten unter Telefon 29161633

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