Interview

Schauspieler Derek Nowak: "Es ist der tägliche Rassimus"

Die Komödie im Bayerischen Hof zeigt eine Bühnenadaption des Films "Wer hat Angst vor dem weißen Mann?".
| Mathias Hejny
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Der tote Franz (Hans Stadlbauer, rechts) erscheint nur Alpha (Derek Nowak). Für die Kundin (Christiane Rücker) ist er unsichtbar.
Der tote Franz (Hans Stadlbauer, rechts) erscheint nur Alpha (Derek Nowak). Für die Kundin (Christiane Rücker) ist er unsichtbar. © Stegherr

München - Lange wurde das Stück angekündigt, doch Anfang 2020 starb Joseph Hannesschläger, der die Rolle des Metzgermeisters Franz hatte. Sein Nachfolger wurde Hans Stadlbauer, doch wegen der Lockdowns seither musste die Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof verschoben werden. Am Mittwochabend nun zeigt die Komödie "Wer hat Angst vor dem weißen Mann?" nach dem gleichnamigen Spielfilm.

Berliner Derek Nowak spielt Alpha in "Wer hat Angst vor dem weißen Mann?"

Der in Berlin lebende Schauspieler Derek Nowak spielt Alpha. Die Metzgerstochter Zita hatte den afrikanischen Flüchtling nach dem Schlaganfall des erzkonservativen Vaters als Aushilfe eingestellt. Als der kranke Franz an einem Stromschlag stirbt, bleibt er als Untoter für Alpha sichtbar, und es beginnt die turbulente Rettung eines Giesinger Traditionsbetriebes - nicht nur zwischen Rassismus und Respekt, sondern auch zwischen Diesseits und Jenseits.

AZ: Herr Nowak, Sie haben gleich zwei Stücke in der Warteschleife der Komödie im Bayerischen Hof. Zum Jahreswechsel steht noch "Willkommen bei den Hartmanns" auf dem Spielplan. Freuen Sie sich schon auf Weihnachten in München?
DEREK NOWAK: Es wird lustig. Normalerweise feiere ich bei meiner Familie in Osnabrück. Vielleicht kommt sie in diesem Jahr hierher, und im Dezember ist auch mein Geburtstag.

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Derek Nowak über Rollenangebot: "Meistens sind es Flüchtlingsrollen"

In beiden Stücken spielen Sie einen Asylbewerber aus Afrika. Aber Sie spielen natürlich auch anderes.
Ich bin für das ZDF in der Serie "Fritzie - Das Leben muss warten". Die dritte Staffel wird Ende des Jahres gedreht und ich spiele einen deutschen Lehrer. Dann habe ich Jim Knopf gespielt, also auch keinen Flüchtling, und dann in Schillers "Die Räuber". Aber es stimmt - meistens sind es Flüchtlingsrollen.

Wie arbeiten Sie sich an eine Gestalt wie Alpha heran?
Mich interessiert die Geschichte und der Hintergrund der Figur. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und habe keine Erfahrungen mit Flüchtlingen. Ich versuche, mich hinein zu versetzen. Die Flüchtlingskrise ist allgegenwärtig. Da gibt es viel zu erzählen und das hat eine Tiefe, die es spannend macht. Man muss einfach begreifen, dass es um Menschen geht, die nicht dort leben, wo sie glücklich sind, fliehen und ihre Heimat verlassen müssen. Familien werden getrennt und viele sterben. Das ist für mich der Anker und darauf setze ich dann die Figur im Stück.

Was für eine Gestalt ist Alpha?
Er ist ein Starker. Er weiß, was er will, hat auch Humor. Alpha und auch Diallo bei "Willkommen bei den Hartmanns" sind sich ähnlich, denn beide haben Traumata erlebt und gehen damit sehr stark um. Sie wissen, dass sie in Deutschland beschimpft werden, aber sie haben eine Art gefunden, damit umzugehen. Alpha versucht, zu kontern. Er ist auch aufbrausend und sehr meinungsfest. Er sucht die Konfrontation und das finde ich gut.

"In den Achtzigern auf dem Dorf habe ich Rassismus stark gespürt"

Der Metzgermeister Franz Maisacher ist sogar über seinen Tod hinaus ein Rassist und zumindest zunächst unbelehrbar. Wie nah ist diese fiktive Figur nach Ihrer Erfahrung der Realität?
Ziemlich. Nicht eins zu eins, aber ich denke, dass jedem, der einen anderen Hintergrund hat, Rassismus widerfahren ist. Wie viel mehr oder weniger hängt davon ab, ob man in der Stadt oder auf dem Land lebt. Ich bin in den Achtzigern auf dem Dorf aufgewachsen, und da habe ich den Rassismus sehr stark gespürt. Ich wurde von anderen Kindern bespuckt und als "Negerkuss" beschimpft - natürlich nicht von allen, aber immer von ein paar Leuten. Dann, als Teenie, war ich zum Glück in einem sehr guten Umfeld, wo ich beschützt wurde. Ich habe den Rassismus nicht mehr so stark gespürt. Aber das liegt auch daran, dass ich die deutsche Sprache perfekt beherrsche. Dann hat man eher Respekt vor mir.

Kennen Sie das Spiel "Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann"?
Ja. Ich war der schwarze Mann. Das ist sehr traurig. Es ist der tägliche Rassismus, den man immer noch mitbekommt. Ich bin ein Mensch, der gerne lacht, gerne auch mitlacht und über sich selbst lachen kann. Aber die dämlichen Witze wie "Du bist aber dunkel geworden im Sommer" sind Rassismus, und den bekomme ich jeden Tag mit. Bei vielen und vor allem bei älteren Leuten gilt das N-Wort nicht als Schimpfwort. Man muss aber davor Respekt haben, dass damit jeder anders umgeht. Viele begreifen das nicht.


Komödie im Bayerischen Hof, bis 12. September, 19.30 Uhr, sonntags 18 Uhr, Karten unter Telefon 29161633

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