Durch Nacht zum Licht

Der Festakt zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Nationaltheaters
| Robert Braunmüller
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Der Festakt vor 50 Jahren am Vormittag des 21. November 1963.
Betz/Bayerische Staatsoper 4 Der Festakt vor 50 Jahren am Vormittag des 21. November 1963.
Kunstminister Ludwig Spaenle bei seinem Grußwort. Links (mit Mähne) der Festredner Péter Esterházy, außen Nikolaus Bachler.
Wilfried Hösl 4 Kunstminister Ludwig Spaenle bei seinem Grußwort. Links (mit Mähne) der Festredner Péter Esterházy, außen Nikolaus Bachler.
Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester im Graben beim Festakt zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung.
Wilfried Hösl 4 Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester im Graben beim Festakt zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung.
In der ersten Reihe: Nikolaus Bachler, Barbara Stamm, Ludwig Spaenle, Inge Borkh, Kurt Moll, Marjana Lipovsek, Gabriele Schnaut und René Kollo (von links).
Wilfried Hösl 4 In der ersten Reihe: Nikolaus Bachler, Barbara Stamm, Ludwig Spaenle, Inge Borkh, Kurt Moll, Marjana Lipovsek, Gabriele Schnaut und René Kollo (von links).

Solche Vormittage sind selten eine lockere Sache. Hier aber erheiterte schon das Programmfaltblatt: Auf die Rede des neuen Kunstministers Ludwig Spaenle folgte „Da geht er hin, der aufgeblasene, schlechte Kerl“ – der Monolog der Marschallin aus dem „Rosenkavalier“, gesungen von Nina Stemme.

Die Rollen waren beim Festakt zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung im Nationaltheaters klar verteilt: Spaenle und der Intendant Nikolaus Bachler betonten die humanen Werte der Kunst nach dem Schrecken der NS-Zeit, der die Zerstörung des Theaters im Zweiten Weltkrieg mit sich brachte. Die Landtagspräsidentin und Sozialpolitikerin Barbara Stamm strich die gegenwärtige Öffnung der Staatsoper für alle Bürger heraus.

Die Förderung der Kultur in Bayern sei „nicht nur eine Geldfrage, sondern auch Teil der Staatsräson“, sagte Spaenle. Landtagspräsidentin Barbara Stamm ergänzte, Bayern sei auch ein Sozialstaat. Alle Menschen hätten deshalb das Recht, an kulturellen Angeboten teilzunehmen. Mit ihrem Programm „Oper für alle“ im Rahmen der Opernfestspiele engagiere sich die Staatsoper hier vorbildlich.  Für Nikolaus Bachler war der Wunsch der Bürger nach dem möglichst originalgetreuen Wiederaufbau des Nationaltheaters nicht nur „rückwärtsgewandt“, sondern auch Ausdruck der Sehnsucht, „an die moralischen und ethischen Werte vor der Katastrophe“ der NS-Diktatur anzuknüpfen.

Bei der Festrede des ungarischen Schriftstellers Péter Esterházy wurde viel gelacht. Er ist zwar kein großer Redner, aber ein origineller Kopf, der das Datum mit dem eigenen Leben, Fußball und einem nicht vorhandenen Glas Wasser auf dem Pult zusammenbrachte. Als lautes Nachdenken über Licht- und Schattenseiten von Festen der Erinnerung passte es wie die Faust auf’s Auge: eigentlich nicht, aber dann wieder doch.

Die Musik fasste sich kurz, spielte aber dennoch eine Hauptrolle: Kirill Petrenko lud im Graben die schroffen d-moll-Akkorde der Ouvertüre zu Mozarts „Don Giovanni“ mit Hochspannung auf. Der neue Generalmusikdirektor begleitete mit dem Bayerischen Staatsorchester Jonas Kaufmanns Helden-Lyrik bei „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ mit Hingabe und brachte den Schluss der „Zauberflöte“ mit dem Chor der Staatsoper zum Strahlen.

Der saß mit alten und gegenwärtigen Mitgliedern des Hauses exakt wie beim Festakt vor 50 Jahren auf der Bühne. Neben Kurt Moll, René Kollo und Gwyneth Jones war auch die 93-jährige Sopranistin Inge Borkh anwesend: Sie sang vor einem halben Jahrhundert in der Eröffnungspremiere der „Frau ohne Schatten“ die Färberin. Gegenwart und Vergangenheit verbanden sich so auf’s Schönste.

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