Endlich Licht in die dunkelste Stunde

Spanien will die bislang geheimen Unterlagen zum Putschversuch vom 23. Februar 1981 der Öffentlichkeit zugänglich machen
Volker Isfort
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Mit gezogener Pistole steht der Putschist Antonio Tejero Molina am 23. Februar 1981 am Rednerpult im spanischen Parlament. Der Oberstleutnant stürmte damals mit mehr als 200 Mann der paramilitärischen Guardia Civil das Parlamentsgebäude in Madrid und nahm die Abgeordneten mitsamt der Regierung als Geiseln.
dpa/epa efe 2 Mit gezogener Pistole steht der Putschist Antonio Tejero Molina am 23. Februar 1981 am Rednerpult im spanischen Parlament. Der Oberstleutnant stürmte damals mit mehr als 200 Mann der paramilitärischen Guardia Civil das Parlamentsgebäude in Madrid und nahm die Abgeordneten mitsamt der Regierung als Geiseln.
Putschversuch am 23. Februar 1981: Antonio Tejero mit Pistole am Rednerpult im spanischen Parlament
IMAGO/Europa Press 2 Putschversuch am 23. Februar 1981: Antonio Tejero mit Pistole am Rednerpult im spanischen Parlament

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Die Verwunderung weicht in Sekundenschnelle der Angst. Am 23. Februar 1981 um 18.23 Uhr erstürmt Oberstleutnant Antonio Tejero das spanische Parlament, begleitet von bewaffneten Guardia Civil Beamten. „Alle auf den Boden”, schreit ein Putschist, Schüsse sind zu hören, Kalkstücke fallen von der Decke. Dieser Schreckensmoment der spanischen Geschichte hat sich tief ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt. Wie groß war der Unterstützerkreis wirklich? Darüber wurde Jahrzehnte gerätselt. Nun will die Regierung Klarheit schaffen.  Die  bislang geheimen Dokumente würden vom Ministerrat freigegeben, teilte die linksgerichtete Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez am 45. Jahrestag des Angriffs auf die demokratischen Institutionen mit. Damit werde man „eine historische Schuld begleichen“, betonte der Regierungschef.

Die geheimen Unterlagen zum sogenannten „23-F“ sollen  im Amtsblatt auf der Webseite der Regierung einsehbar sein. „Die Erinnerung darf nicht unter Verschluss bleiben“, schrieb Sánchez auf der Plattform X. „Demokratien müssen ihre Vergangenheit kennen, um eine freiere Zukunft zu gestalten. Danke an alle, die den Weg geebnet haben.“

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Nur gut fünf Jahre nach dem Tod von Diktator Francisco Franco hatte der Umsturzversuch die noch junge spanische Demokratie damals auf eine harte Probe gestellt. Zwei bewaffnete Hundertschaften der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil unter Führung von Oberstleutnant Antonio Tejero stürmten am Abend des 23. Februar das Parlament in Madrid.Dabei kam der Putsch nicht einmal überraschend. Das Land war innenpolitisch zerrissen, die Ölkrise hatte die Wirtschaft schwer getroffen, zudem drohte Spanien durch die Autonomiebewegungen im Baskenland, in Katalonien und Galizien zu zerfallen. Vor allem aber war auch sechs Jahre nach dem Tod des Diktators Francisco Franco und dem Ende einer vierzigjährigen Militärdiktatur Spanien ein Ort extremer politischer Gewalt. Fast 1000 Tote gab es durch links- und rechtsgerichtete Terrorgruppen, besonders durch die ETA.

Putschversuch am 23. Februar 1981: Antonio Tejero mit Pistole am Rednerpult im spanischen Parlament
Putschversuch am 23. Februar 1981: Antonio Tejero mit Pistole am Rednerpult im spanischen Parlament © IMAGO/Europa Press

Der König rettete die junge spanische Demokratie

Die Abgeordneten wurden während der Sitzung zur Wahl eines neuen Regierungschefs als Geiseln genommen. Es fielen Schüsse, aber niemand wurde verletzt. Militäreinheiten besetzten zudem die Stadt Valencia.

Das entschlossene Auftreten des damaligen Königs Juan Carlos I, der nur wenige Stunden nach der Besetzung des Congreso de los Diputados in einer nächtlichen Fernsehansprache energisch für die Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung eintrat, nahm den Putschisten den Wind aus den Segeln. Zuvor hatte der an verschiedenen Militärakademien im Land ausgebildete König in Dutzenden Telefonaten mit hochrangigen Militärs die Verfassungstreue eingefordert. Die aufständischen Kräfte gaben bereits am Mittag des 24. Februar auf.

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Die entscheidende Rolle des Königs wurde von vielen angezweifelt, auch darüber dürften die geheimen Unterlagen nun endlich Klarheit bringen.

 

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