Zoff unter FCB-Legenden Hoeneß und Breitner: Entfreundung auf Bayern-Art

, aktualisiert am 27.11.2018 - 19:43 Uhr
Freundschaft war einmal: Uli Hoeneß und Paul Breitner (rechts). Foto: Matthias Balk, Andreas Gebert/dpa

Präsident Uli Hoeneß will Klub-Ikone Paul Breitner nicht mehr auf die VIP-Tribüne sehen, der schickt daraufhin die Ehrentickets zurück. "Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich Freikarten will."

 

München - Vielleicht hätte Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident des FC Bayern, seine beiden Spezl und ehemaligen Teamkollegen – Uli Hoeneß und Paul Breitner – zur Seite nehmen und ihnen seinen schwer verdaulichen Ausflug in Gesangsgefilde atonal vorträllern sollen.

"Gute Freunde kann niemand trennen – Gute Freunde sind nie allein – Weil sie eines im Leben können – Füreinander da zu sein." Ein Text voll Echte-Freunde-Romantik. Doch Hoeneß und Breitner, die einst so gute Freunde waren, dass sie sich zu gemeinsamen Bayern-Zeiten auf den Reisen Zimmer und Bett teilten, können nicht mehr miteinander. Jetzt hat der Bruch eine neue Tiefe erhalten.

Ehrentribüne für Breitner eine No-Go-Zone

Bayern-Präsident Hoeneß will den Ehrenspielführer Breitner nicht mehr auf der VIP-Tribüne sehen. Doch Hoeneß, der sich ja gerne als Abteilung Attacke versteht, der sonst vermeintliche Gegner öffentlich abwatscht, schickte in diesem Fall lieber Finanzchef Christian Dreesen vor, um Breitner, der in letzter Zeit als Hoeneß-Kritiker aufgefallen war, die böse Kunde zu bringen.

"Es gab einen Anruf von Herrn Dreesen, mir werde von Uli Hoeneß nahegelegt, mich auf absehbare Zeit nicht im Ehrengast-Bereich blicken zu lassen", sagte Breitner der "Bild", "ich habe ihm gesagt: Damit habe ich ohnehin gerechnet. Und ich möchte den einen oder anderen im Moment sowieso nicht sehen." (Lesen Sie hier: Warten auf Außenstürmer Coman - das Geduldsspiel)

Breitner, der selbst nie im Ruf stand, ein ausgewiesener Diplomat zu sein, nahm dann selber die Schere in die Hand, um das Tischtuch noch weiter durchzuschneiden. Die Ehrentribüne ist für ihn zukünftig eine No-Go-Zone. "Ich habe daraufhin beschlossen, meine zwei Ehrenkarten, die ich als Ehrenspielführer auf Lebenszeit besitze, zu Händen von Herrn Dreesen zurückzuschicken. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich Freikarten will", sagte er.

Breitner und Hoeneß erinnern an Rosenkrieger

Dabei hatte Breitner nach AZ-Informationen beim Spiel gegen Lissabon am Dienstagbend sowieso keinen Arena-Besuch geplant, war nicht mal in München. Gegenüber "Spiegel Online" sagte Dreesen, man habe sich "gemeinsam" – und nicht Hoeneß allein – zu dem Schritt gegen Breitner entschieden. Die Ehrentribüne sei "gewissermaßen unser Wohnzimmer, hier wollen wir mit unseren Freunden, Partnern und Vertrauten gemeinsam Fußball schauen".

Paul Breitner gehört nicht (mehr) dazu. Den Zorn des Uli hatte sich Breitner vor allem mit seiner Breitseite gegen den würdelosen Auftritt von Hoeneß, Vorstandboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic als Beisitzer zugezogen. Das Trio Infernale hatte in einer Medienbeschimpfungskonferenz so richtig abgeledert. Sehr zum Unmut und zur Erschütterung von Breitner.

"Ich bin nach wie vor deprimiert, weil ich mir nie vorstellen konnte in 48 Jahren, die ich mit oder am Rande des FC Bayern lebe, dass sich dieser Verein diese Blöße gibt, dass er diese Schwäche zeigt", hatte Breitner im "Blickpunkt Sport" gesagt. (Lesen Sie hier: Ex-Coach Jupp Heynckes kritisiert "Diven" beim FC Bayern)

Einmal in Rage, hatte der 67-Jährige weiter erklärt: "Es geht immer um die Familie, die FC-Bayern-Familie. Und dann müssen die Kinder heute sagen: Für den Papa müssen wir uns jetzt mal gewaltig schämen. Karl-Heinz Rummenigge kommt vorbereitet da rein, bringt das Grundgesetz vor – und zehn Minuten später tritt der neben ihm (Uli Hoeneß, d. Red.) dieses Grundgesetz mit Füßen. Und das schon seit einem halben Jahr."

Von der einst so tiefen und engen Freundschaft ist nichts mehr übrig. Gute Freunde kann vielleicht niemand trennen, aber sie können sich entfremden, entzweien, innerlich entfernen. Und dann erinnern sie eher an Rosenkrieger.

Video: Streit zwischen Hoeneß und Breitner eskaliert

 

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