Wut über Hochhäuser "Riemer Rückgrat": Anwohner wehren sich gegen Wohnprojekt

Rot eingekreist: Elf neue Wohntürme zwischen 45 und 60 Metern Höhe – die polarisierende Idee der Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard. Foto: Visualisierung: Google Earth/mahl gebhard konzepte

Aufregung um Hochhäuser im Münchner Stadteil Trudering-Riem: Das Wohnprojekt "Riemer Rückgrat" sorgt für Protest unter Anwohnern. 400 Unterschriften wurden dagegen gesammelt.

 

Riem - Elf Hochhäuser aus Holz an der Willy-Brandt-Allee – diese Idee von Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard, die als Buga05-Geschäftsführerin das Wachsen der Messestadt begleitet hat, gefällt nicht allen 16.000 Bewohnern des Viertels. "Wir sehen diese Art der Wohnbebauung an dieser Stelle als problematisch an", haben 400 Messestädter mit einer Unterschriftenliste bekräftigt, die sie an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und die Stadträte geschickt haben.

Im Sommer 2019 stellte Gebhard elf Hochhäuser zwischen 45 und 60 Metern Höhe auf dem breiten Grünstreifen südlich der Willy-Brandt-Allee zur Diskussion. Diese "Riemer Achse", unter der die U-Bahn verkehrt, sei ohne bedeutende Funktion und im Zuge der Nachverdichtung besonders interessant.

Riemer Rückgrat: Wohnprojekt soll Messestadt besonderes Gesicht verleihen

"Sowohl die von Süden anschließende Wohnbebauung als auch das Messegelände von Norden wenden der Achse ihren Rücken zu", so Gebhard. Das werfe die Frage nach Aufwertung auf. Gebhard schwebt ein "Riemer Rückgrat" vor, welches der Messestadt durch die elf Hochpunkte städtebaulich ein besonderes Gesicht geben könnte. "Die Gebäude sollen in einer Kette von innovativen und experimentellen Wohntypologien, eventuell auch Verwaltungs- und Bürohäusern, entstehen", so Gebhard.

Der öffentliche Freiraum soll Boulevard werden mit Erdgeschoss-Cafés und kleinen Shops. Rund 800 Mietwohnungen, Kitas und soziale Einrichtungen könnten auf der Grünfläche zwischen den U-Bahnhöfen Messestadt-Ost und Messestadt-West entstehen. Ersatz für die entfallende Freifläche sollen intensives Dachgrün und Mietergärten bieten. Die Idee soll nach jetzigem Stand bald auf ihre Machbarkeit geprüft werden.

Trudering Riem: Anwohner befürchten Mangel an Kitaplätzen und Verkehrschaos

Die Messestädter fragen sich: Können die Stellplätze für 800 Wohnungen nachgewiesen werden? Gibt es genug Schul- und Kita-Plätze für die etwa dreistellige Zahl neuer Kinder? Und der Verkehr? Schon jetzt seien Straßen und U-Bahn zu Stoßzeiten an der Kapazitätsgrenze. Wird die Frischluftschneise durch die Hochhäuser beeinträchtigt? "Wir fürchten, dass an der Willy-Brandt-Allee keine akzeptablen Wohnungen entstehen können", so die Unterzeichner. Sie bitten um eine baldige Diskussion der Messestadt-Entwicklung. Gebhard würde so eine Diskussion nicht scheuen, sagte sie der AZ.

 

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