Wulff-Abschied Großer Trötenstreich

Großer Trötenstreich: Sehen Sie hier die Bilder von Wulffs Zapfenstreich und den Tröt-Protesten dagegen. Foto: dpa

Demonstranten stören lautstark mit Vuvuzelas den Großen Zapfenstreich für Christian Wulff. Und viele Politiker bleiben der Zeremonie fern.

Berlin - Ein bisschen fühlte man sich an die WM 2010 in Südafrika erinnert, als Christian Wulff gestern zum letzten Mal aus dem Schloss Bellevue in den Garten des Präsidialamtes trat. Der Zapfenstreich des ehemaligen Bundespräsidenten wurde übertönt von den rund 250 Demonstranten, die mit lautstarken Rufen und Vuvuzelas gegen die Verabschiedungszeremonie für den scheidenden Bundespräsidenten demonstrierten. Mit Plakaten („Ohne Ehre, keinen Sold“) machten die Protestler ihrem Unmut unweit von Schloss Bellevue Luft.

 

Der Lärm war auch im Garten des Schlosses zu hören. Wulff wirkte während der Zeremonie meist ernst und angespannt. Vier Musikstücke, die der ehemalige ersten Mann im Staat aussuchte, wurde von dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr gespielt, darunter auch „Over the Rainbow“.

Trotz der hörbaren Störung von draußen ging das Prozedere seinen gewohnten Gang. Eine Bundeswehrsoldatin übergab Wulff seine Urkunde. „Das bedeutet mir sehr viel“, bedankte dieser sich.
Doch nicht nur vor dem Schloss bekam Wulff Kritik zu spüren. 200 Gäste wohnten der Zeremonie bei, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Doch es waren weit mehr als die 200 eingeladen.

Viele Stühle blieben leer. Neben den vier noch lebenden Ex-Bundespräsidenten fehlte auch die Opposition praktisch komplett. 160 Absagen soll es insgesamt gegeben haben, darunter auch vom Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse (SPD). Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Petra Pau (Linke) und Eduard Oswald (CSU) kamen nicht. Ebenfalls eine Absage hatten die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, und Christian Wulffs Halbschwester Natascha Ueckmann geschickt.

Vor dem eigentlichen Zapfenstreich verabschiedete sich Wulff im Schloss Bellevue mit einer Rede. Er habe sich seinen Abschied ja eigentlich erst 2015 vorgestellt, aber, so zitierte Wulff Wilhelm Busch: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Er gehe mit dem „Gefühl der Neugier und der Vorfreude, auf das, was kommt.“ Seinem Nachfolger Joachim Gauck wünschte Wulff „eine glückliche Hand für Deutschland und breite Unterstützung“. Zu den Umständen seines Rücktritts, den Vorwürfen und auch zur Debatte um seinen Ehrensold sagte Wulff kein Wort.

Viele Politiker forderten im Vorfeld, dass der Zapfenstreich abgesagt wird. Doch Wulff hatte darauf bestanden.

 

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