WM-Qualifikation Löws Angst vor dem großen Knall

, aktualisiert am 27.03.2017 - 16:44 Uhr
Mit der Nationalelf auf Kurs: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: GES/Augenklick

Nach dem 4:1-Sieg in Aserbaidschan warnt der Bundestrainer vor einer Überbelastung der Spieler. "Jedes Jahr ein Turnier, das geht auf Dauer nicht", mahnt Joachim Löw - und lobt seine Führungskräfte.

 

Baku - Bundestrainer Jogi Löw kostete den Moment aus. Auf der Pressekonferenz in Baku nach dem 4:1 seiner DFB-Akteure gegen die Gastgeber beantwortete Löw in einem Raum des Tofiq-Bahramov-Stadions, den er zu einem Klassenzimmer machte, geduldig jede Frage.

Wenn er nach den Ausführungen des Dolmetschers noch etwas hinzufügen wollte, beugte er sich vor zum Mikrofon und sagte: "Und..."

Beim zweiten und beim dritten Mal grinste der 57-Jährige, sich der Wirkung seiner kleinen Show bewusst. Aber Löw hatte eine Botschaft, er wollte etwas loswerden nach diesen einzigen zwei Spielen der Nationalelf seit Mitte November – und bis Anfang Juni.

Thema Überbelastung

Manche Spieler wie Bayern-Torhüter Manuel Neuer, der wegen einer leichten Blessur auf die beiden März-Partien verzichten durfte, sieht er also erst nach der Saison wieder. Wenn überhaupt. Der Test am 6. Juni in Kopenhagen gegen Dänemark findet nur drei Tage nach dem Champions-League-Finale statt.

Und trotzdem hieß sein Thema: Überbelastung. Klingt komisch, war aber so. Die Überbelastung der Nationalspieler. Er begann mit einem Kompliment an seine Führungsspieler. Er zählte neben Toni Kroos, Thomas Müller und Mats Hummels auch die abwesenden Neuer und Jérôme Boateng auf, der seinen Comeback-Plan an der Säbener Straße fortsetzen durfte.

Löw führte aus: "Wir haben in der Qualifikation gegen die etwas kleineren Nationen in den letzten Jahren meist klar gewonnen. Anders als andere Nationen, die manchmal große Probleme haben. Das ist eine Sache der Spieler, die die Mannschaft anführen. Da merkt man, dass im Training die Grundeinstellung stimmt vor einem solchen Spiel, dass die Konzentration und Spannung da ist."

"Man sollte es nicht ausreizen"

Weil er manchen Spielern Pausen gönnt. Wie Müller, Özil, Höwedes oder Gomez beim 1:0 gegen England. Die richtige Dosierung macht den Meister – vor allem in Zeiten einer stetig wachsenden Anzahl von Spielen. "Wir müssen aufpassen, dass wir das Rad nicht überdrehen, dass man nicht völlig überzieht", sagte Löw, "mir geht es um die Gesundheit der Spieler. Sie sind in ihren Vereinen ständig gefordert und belastet, gerade jetzt im März und April sind wichtige Spiele."

Die nationalen Ligen, die Pokal-Wettbewerbe, die Europa League, die Champions League. Und dann noch der Confed Cup diesen Sommer im Juni in Russland, für den Deutschland als Weltmeister gesetzt ist. "Seit zehn, zwölf Jahren gibt es immer mehr Turniere und Spiele – das ist nicht ganz ohne. Man sollte es nicht ausreizen", warnte Löw.

Körperliche Belastung hier, Übersättigung beim Kunden dort. Daher macht sich DFB- Teammanager Oliver Bierhoff "ein bisschen Sorgen um den Fußball, weil man merkt, dass immer mehr starke Player da sind, und immer mehr ausschließlich an die Profitmaximierung denken. Darin besteht ein Risiko, irgendwann knallt es dann mal."

"Das ist nicht ungefährlich"

Das Abschiedsspiel von Lukas Podolski, einem der beliebtesten Nationalspieler der letzten 20 Jahre, noch dazu ein Prestigeduell mit England, noch dazu in Dortmund, war nicht ausverkauft. Für den DFB ein Alarmsignal. Für Löw nur logisch: "Die Aufstockung der WM ist schon entschieden, bei der Klub-WM sollen noch ein paar Mannschaften mehr dabei sein. Jedes Jahr ein Turnier – das geht auf Dauer nicht. Darunter leidet die Qualität des Spielers und damit die des Fußballs. Die Leute wollen aber Spitzenwettkämpfe sehen."

Über die Beanspruchung der Spieler mit "weiten Reisen, langen Flügen, wenig Schlaf – und das nach körperlichen Belastungen" sagte Löw: "Das ist nicht ungefährlich."

Also wird er seine Führungsspieler im Juni nicht für den Confed Cup nominieren. "Alles ist auf eine Vision ausgerichtet: Wir wollen den WM-Titel gewinnen, dem wird alles untergeordnet", betonte Löw, "das steht über allem."

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