WM-Gruppe F So erreicht die DFB-Elf noch das Achtelfinale

Schwedens Sebastian Larsson (links) im Duell mit dem Südkoreaner Shin-Uk Kim. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Die ersten beiden Spiele in der deutschen WM-Gruppe sind vorbei, die deutsche Nationalelf belegt gemeinsam mit Südkorea Platz drei. Wie geht's jetzt weiter für den Titelverteidiger? Die Szenarien fürs Weiterkommen.

 

Moskau - Joachim Löw sprach in der Abgeschiedenheit der Birkenwäldchen von Watutinki Klartext. Nach der entlarvenden WM-Startpleite und einer unruhigen Nacht knöpfte der Bundestrainer sich seine Auftaktversager hinter verschlossenen Türen vor. "Wir müssen Korrekturen anbringen, eine Reaktion zeigen und uns an unsere Stärken erinnern. Jetzt müssen wir gewinnen!", hatte Löw seinen Weltmeistern schon direkt nach dem erschreckenden Auftritt beim 0:1 (0:1) gegen Mexiko ins Gewissen geredet.

Sonst droht den selbsternannten WM-Raketen beim Angriff auf den fünften Stern der Zusammenbruch auf der Startrampe. "Mit so einem Auftritt kann man kein WM-Spiel gewinnen", schimpfte Abwehrchef Jerome Boateng fassungslos. Wenn die Titelverteidiger am Samstag in ihrer Confed-Cup-Oase Sotschi gegen Schweden "wieder so auftreten, mache ich mir Sorgen", assistierte Mats Hummels wie vom Donner gerührt.

Neuer über die deutsche WM: "Nur noch Finals"

Aus den Stadionlautsprechern ballerte passend dazu "Thunderstruck" von AC/DC. Gegen Schweden "startet die K.o.-Phase", sagte Kapitän Manuel Neuer, "wir haben jetzt nur noch Finals". Thomas Müller mahnte: "Wir müssen zeigen, wer wir sind." Doch das Selbstbild, auch vier Jahre nach dem Rio-Triumph eine der besten Mannschaften der Welt zu sein, hat in Moskau tiefe Risse bekommen.

Wankende Säulen, riesige defensive Löcher, atmosphärische Störungen - nichts deutet auf eine Rückkehr ins Luschniki zum Finale am 15. Juli hin. "Keine gute Balance, kein Teamspirit, Hunger oder genug Hingabe", ätzte Ex-Kapitän Michael Ballack als einer von vielen Kritikern bei Twitter: "Löw ist gefordert!"

Nachdem Schweden sein Auftaktspiele in der deutschen Gruppe F steht der Weltmeister bereits mit dem Rücken zur Wand. Eine Niederlage gegen die Skandinavier - und das Turnier könnt bereits vorbei sein.

WM: Die Szenarien fürs deutsche Weiterkommen...

Die DFB-Elf erreicht als Erster das Achtelfinale, wenn ...

... sie ihre nächsten beiden Partien gegen Schweden und Südkorea möglichst eindeutig gewinnt. Wenn die Schweden ihr letztes Spiel gegen Mexiko für sich entscheiden, benötigt die DFB-Elf auf jeden Fall ein besseres Torverhältnis als die Skandinavier. Geben die Schweden gegen Mexiko dann noch einen Punkt ab, spielt das Torverhältnis keine Rolle mehr. Allerdings darf zugleich Auftaktsieger Mexiko sein Spiel gegen Südkorea nicht für sich entscheiden. Dann sonst wäre Mexiko mit sieben Punkten Erster der Gruppe F. Wie Deutschland steht auch Südkorea unter Druck - hat die gleiche Ausgangsposition wie die Truppe von Joachim Löw.

Mexiko und Schweden - jeweils 1:0-Sieger zum Auftakt - haben den Gruppensieg jetzt in der eigenen Hand. Fakt ist: Mexiko könnte mit drei Siegen in drei Gruppenspielen neun Punkte holen und sich so den Gruppensieg aus eigener Kraft sichern. Deutschland kann mit Siegen gegen Schweden und Südkorea maximal noch sechs Punkte holen. Es ist somit rechnerisch möglich, dass drei Teams sechs Punkte holen (falls Mexiko einmal verliert) und ein Team null Punkte hat. Sollten unsere Gruppengegner einmal unentschieden spielen, könnten am Ende auch zwei Teams mit vier Zählern dastehen.

Somit muss Deutschland am Samstag gegen Schweden gewinnen, um die Chance auf den Einzug ins Achtelfinale zu wahren. Und natürlich auch gegen Südkorea. Sechs Punkte am Ende der Gruppenphase müssen her, damit Deutschland (fast) sicher im Achtelfinale ist. Sollte Mexiko übrigens ein Spiel verlieren, kann Deutschland mit einer besseren Tordifferenz sogar noch Gruppensieger werden.

Was passiert, wenn Deutschland punktgleich auf dem zweiten Platz ist?

In diesem Fall entscheidet zunächst einmal die Tordifferenz über das Weiterkommen. Ist auch diese gleich, zählt die höhere Anzahl der erzielten Tore. Es folgen die Punkte aus Duellen punktgleicher Teams, die Tordifferenz aus Duellen punktgleicher Teams sowie die Anzahl erzielter Tore aus Duellen punktgleicher Teams. Und wenn es da auch kein Unterschied gibt? In diesem Fall lässt die FIFA die Fair-Play-Wertung entscheiden: Die Mannschaft, deren Spieler bei der WM 2018 die wenigsten Verwarnungen und Platzverweise erhalten, zieht ins Achtelfinale ein. Sollten weder Tordifferenz noch Fair-Play-Wertung ein Ergebnis bringen, wird das Los entscheiden.

Wenn Deutschland weiterkommt, droht im Achtelfinale Brasilien als nächster Gegner. Der Zweite der Gruppe F - wenn es denn Deutschland wird - trifft auf den ersten der Gruppe E. Und die Chancen stehen gut, dass die Selecao den Gruppensieg holt - trotz des 1:1 zum Auftakt gegen die Schweiz.

Weltmeister Deutschland? Statistik spricht dagegen

Deutschlands Chancen auf den WM-Titel sind nach der 0:1-Auftaktniederlage gegen Mexiko dramatisch gesunken - zumindest statistisch gesehen. Lediglich Spanien bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika schaffte es nach einer Pleite im ersten Gruppenspiel noch zum Titel. Damals verlor Spanien zum Auftakt 0:1 gegen die Schweiz, sicherte sich anschließend mit zwei Erfolgen aber noch den Gruppensieg.

Vor der Niederlage gegen Mexiko hatte Deutschland letztmals 1982 beim 1:2 gegen Algerien ein Auftaktmatch verloren. Das Weiterkommen sicherte sich das Team später bei der "Schande von Gijon" durch ein 1:0 gegen Österreich, mit dem beide Teams in die nächste Runde einzogen. Algerien schied punktgleich aus.

Auch ein Blick in die Statistik der jüngeren Vergangenheit macht Grund zur Sorge. Sowohl 2002 (Frankreich), 2010 (Italien) und 2014 (Spanien) scheiterte der Titelverteidiger in der Gruppenphase.

Die deutsche Mannschaft muss sich deutlich steigern. Bei den vergangenen WM-Turnieren war das in den zweiten Spielen der DFB-Elf selten der Fall. Blicken wir zurück: 2:2 gegen Ghana (2014), 0:1 gegen Serbien (2010), 1:0 gegen Polen (2006), 1:1 gegen Irland (2002), 2:2 gegen Jugoslawien (1998), 1:1 gegen Spanien (1994).

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