Wiesnwirtin Inselkammer Kunst-Werk-Küche: Integration im Werksviertel

In der Kunst-Werk-Küche betreibt Katharina Inselkammer ein Deli, eine Kochschule und ein Cateringunternehmen. Foto: Annika Schall

Wiesnwirtin Katharina Inselkammer hat sich mit einem integrativen Gastro-Projekt einen Herzenswunsch erfüllt. Eine Schulfreundschaft ihres 15-jährigen Sohnes inspirierte sie.

München - Für Katharina Inselkammer ist die Kunst-Werk-Küche im Werksviertel ein lange gehegter Traum.

"Ich wollte schon lange ein integratives Projekt machen, hier hat es endlich geklappt", erzählt sie. Denn in dem Deli mit angeschlossener Kochschule und Catering Service arbeiten Menschen mit und ohne geistige Behinderung zusammen.

Inspiration für das Projekt lieferte die Schulfreundschaft ihres 15-jährigen Sohnes: "Er geht auf eine Montessori-Schule mit tollem integrativen Konzept, und einer seiner Freunde hat das Down Syndrom", erzählt Inselkammer.

Seitdem der Junge auch regelmäßig bei ihnen zuhause sei, sagt Inselkammer, habe sie viel über das Thema Integration gelernt: "Wenn die Mischung stimmt, dann können beide Seiten viel voneinander lernen." Die Mischung soll auch in der Kunst-Werk-Küche stimmen.

Seit 27 Jahren arbeitet Katharina Inselkammer in der Gastronomie

Rund ein Drittel der Menschen, die Inselkammer beschäftigt, sind "besonders", wie sie es nennt - das Wort "behindert" mag sie nicht. "Ich finde, das ist der falsche Ausdruck. Menschen haben nun einmal unterschiedliche Fähigkeiten, aber jeder kann etwas besonders gut", sagt Inselkammer.

Seit 27 Jahren arbeitet Katharina Inselkammer in der Gastronomie, betreibt mit ihrem Mann Peter das Platzl Hotel und das Armbrustschützenzelt auf der Wiesn, doch ein Projekt wie die Kunst-Werk-Küche ist auch für sie neu. "Man muss hier sehr viel Geduld mitbringen", sagt sie.

Geduld allerdings hat die Wiesnwirtin. Über drei Jahre Vorlaufzeit brauchte das Projekt im Werksviertel, ob es sich auch wirtschaftlich lohnt, schätzt Inselkammer, wird sie erst in zehn Jahren sagen können. Denn einen "Gemeinnützigkeitsbonus", möchte Inselkammer für die Kunst-Werk-Küche nicht."

"Die Leute sollen sich hier gerne aufhalten"

"Ich möchte, dass es auch ohne Gemeinnützigkeit geht, die Leute sollen kommen und wiederkommen, weil sie von der Qualität des Essens überzeugt sind", sagt sie. Neben der Qualität der Speisen ist es der Vollblut-Gastronomin auch wichtig, dass sich die Menschen in ihrem Lokal wohlfühlen.

Stolz zeigt sie auf die bequemen Ledersessel im Gastraum und das Bücherregal, aus dem sich jeder bedienen kann. "Ich mag es selber nicht, wenn ich in einem Lokal bin und ständig das Gefühl habe, ich soll schnell wieder gehen. Die Leute sollen sich hier gerne aufhalten."

Inselkammer-Idee "Ausbildungstandems"

Das gilt auch für die Mitarbeiter - in deren Pausenraum steht nicht nur ein Kicker, sondern auch die bequemen Ledersesse aus dem Gastraum. Während sich die neuen Mitarbeiter langsam in der Kunst-Werk-Küche eingewöhnen und sich das Deli in den umliegenden Büros als neue Anlaufstelle fürs Mittagessen rumspricht, hat Katharina Inselkammer schon wieder neue Pläne: Begeistert erzählt sie von den von ihr so getauften "Ausbildungstandems".

Ab September kommenden Jahres möchte Inselkammer jeweils einen normalen und einen besonderen Mitarbeiter zusammen in die Berufsschule schicken, um beiden so eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen. Gespräche mit der IHK laufen bereits. "Ich möchte, dass die Leute etwas in der Hand haben", sagt Inselkammer, "und ich glaube, das ist etwas, das wir schaffen können."


Die Kunst-Werk-Küche, Atelierstraße 18, hat Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

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