Wie konnte das passieren? TSV 1860 gegen Magdeburg: Wie wehrlose, weiß-blaue Kaninchen

Die Mannschaft enttäuscht komplett. Ratlosigkeit macht sich breit beim TSV 1860 München. Foto: imago images / MIS

Der TSV 1860 geht gegen Magedeburg hoffnungslos unter. Die Löwen stehen wieder ganz unten drin. Wie konnte es zu dieser Klatsche kommen? 

 

München/Magdeburg – Daniel Bierofka schwante schon vorher Übles. "Wir dürfen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange stehen", sagte der Trainer des TSV 1860 in der Hoffnung auf Löwen-Mut seiner Elf. Er wurde bitterböse enttäuscht.

Beim desaströsen 1:5 (0:4) der Löwen am sechsten Drittliga-Spieltag spielte Aufstiegsaspirant 1. FC Magdeburg am Samstag mit den Sechzgern Schlange und Kaninchen. Aaron Berzel eröffnete den Torreigen mit einem Eigentor (14.), Christian Beck (28., 41.) und Sören Bertram (39.) sorgten schon vor der Pause vor glasklare Verhältnisse. Nach dem Seitenwechsel traf auch noch Björn Rother gegen indisponierte Sechzger (74.), Markus Ziereis gelang nur noch der späte wie bedeutungslose Ehrentreffer (90.). Die Giesinger - nun mit fünf Punkten Drittletzter - präsentierten sich, wie von Bierofka befürchtet: wie wehrlose, weiß-blaue Kaninchen.

Daniel Bierofka: Mannschaft war in keiner Hinsicht drittligatauglich

Entsprechend frustriert zeigte sich der 40-Jährige nach Spielende. "Das Ergebnis ist schwer zu verkraften, aber noch schlimmer ist die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Wir waren heute nicht auf dem Platz", erklärte Bierofka: "Mir ist das unverständlich, warum das so war." Seine Worte, mit denen eigentlich alles gesagt ist: "Heute schäme ich mich für das Auftreten meiner Mannschaft." Es folgte aber noch sein knallhartes Urteil: "Wir waren nicht drittligatauglich, weder läuferisch, noch zweikampftechnisch, noch spielerisch, noch vom Mut her und von der Körpersprache." (Hier alle Stimmen zu Magdeburg - TSV 1860 nachlesen)

Löwen-Abwehr nicht konkurrenzfähig

Wie die Sechzger derart auseinanderfallen konnten? Zu Beginn war der TSV durchaus präsent. Berzels Kopfball erwies sich in der ohrenbetäubenden MDCC-Arena als Magdeburger Türöffner. Bierofka: "Nach dem Rückstand haben wir uns innerlich aufgegeben." Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel sprach an, was ebenfalls auffällig war: "Wir haben in der ersten Halbzeit drei Tore über unsere linke Seite bekommen, die deckungsgleich abgelaufen sind." Nicht nur Linksverteidiger Phillipp Steinhart offenbarte dabei eklatante Schwächen: Seine Nebenmänner Berzel und auch der Ex-Magdeburger Dennis Erdmann schienen ihren Gegenspielern, vor allem Torjäger Beck, schier nicht gewachsen. Erdmanns derber Maulkorb: "Wir müssen die Fresse halten und arbeiten."

Auch die 1860-Offensive ist weit entfernt von guter Form

Miserable Abwehrarbeit, aber auch ausbleibende Offensivbemühungen verhinderten früh, dass Sechzig das Spiel länger ausgeglichen gestalten konnte: Das Ex-Bundesligatrio Timo Gebhart, Stefan Lex und Sascha Mölders zeigte sich weit entfernt von guter Form, doch nicht nur das: Ersatzkapitän Mölders und Co. schafften es zu keinem Zeitpunkt, als Führungsspieler voranzugehen. "Ich kann Niederlagen verkraften. Aber wenn sich die eigene Mannschaft aufgibt, ist das schwer zu verdauen", sagte Bierofka konsterniert. Mölders habe das 0:4 schon zur Pause "richtig weh" getan, man habe "zu viele Fehler" gemacht: "Das war ein ganz bitterer Nachmittag." Im 1860-Fanlager ist die Entrüstung über die zweite so deutliche Auswärts-Klatsche nach dem 0:4 bei Waldhof Mannheim groß. Die Anhänger hadern mit Akteuren, Trainer und Spielverlauf, Abstiegsangst macht sich breit.

Investor Hasan Ismaik wollte auf seinem Facebook-Kanal dagegen nicht zu einer "Generalkritik" ausholen. Vielmehr führte der Jordanier die "deftige wie schmerzhafte Niederlage" auf Sechzigs Konsolidierungskurs zurück: "Ich kann nur an die Vereinsspitze appellieren, dass endlich ein Umdenken beim TSV 1860 stattfinden muss. Profifußball kostet Geld. Ich bin nach wie vor bereit zu helfen." Beim Desaster von Magdeburg hat sich gezeigt: Hilfe könnte Sechzig in vielen Bereichen dringend gebrauchen.

 

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