Werner Weidenfeld im Interview "AKK" neue CDU-Chefin - Das sagt der Politologe

"Kramp-Karrenbauer hat die Seele der CDU besonders intensiv gestreichelt", sagt Weidenfeld. Foto: dpa/AZ

Warum hat es der Rückkehrer nicht gepackt? Wie ist der AKK-Aufstieg zu erklären? Was sind die Folgen für die CSU? Politologe Werner Weidenfeld (LMU) im Interview.

 

AZ: Herr Weidenfeld, ist die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer eine Fortsetzung der Ära Merkel?
Werner Weidenfeld: Nein. Bei aller Übereinstimmung auf vielen Feldern ist Frau Kramp-Karrenbauer kein Abziehbild von Frau Merkel. Für die CDU hat es in den letzten Monaten einen atmosphärischen Höhenflug, einen Aufbruch in die neue Zeit gegeben. Auf dem Parteitag hat Frau Kramp-Karrenbauer die Seele der CDU besonders intensiv gestreichelt, was garantiert zu ihrem Sieg beigetragen hat. Sie hat eine Zukunftsbegeisterung in der Partei ausgelöst. Die Herausforderung bleibt jetzt, das auf dieser Ebene zu halten. Die Rede von Kramp-Karrenbauer war rhetorisch und inhaltlich ein Volltreffer.

Hält man so eine Rede, wenn man Stimmen gewinnen will?
Die Delegierten konnten sagen: Ja, das ist eine von uns. So fühlen wir doch auch. Sie kennt die Partei von innen. Sie hat die Partei auch von innen verkostet. Das spürt man. Dagegen war die Rhetorik von Merz viel schärfer und härter.

AKK ist also die Richtige für die CDU, aber ist sie auch die Beste bei Wahlen? Wäre das nicht Merz mit seinem schärferen Profil?
Mit ihrer Art hat Frau Kramp-Karrenbauer Wahlen gewonnen. Sie hat nachgewiesen, dass sie Wahlen gewinnen kann. Sie wird sich bemühen, dass ihre Gegenkandidaten die CDU in spürbarer Form mit vertreten. Das würde ich ihr auch raten, denn was man in Hamburg an Höhenflug erlebt hat, ist ja nicht das Werk einer einzelnen Person. Der Wettbewerb, die Art der Diskussion, die dabei vorgebrachten Ideen – man könnte fast sagen, das Trio AKK/Merz/Spahn war eine Art Gesamtkunstwerk.

Hat die CDU ihrer Schwesterpartei CSU vorgemacht, wie man einen „geordneten Übergang“ hinbekommt?
Ja, das kann man wohl sagen. Die CSU hat sich ein querulatorisches Markenprofil erarbeitet und es fällt ihr sehr schwer, sich davon zu erholen, denn so etwas vergisst man nicht von heute auf morgen. Der CDU-Übergang wäre ein Modell für die anderen Parteien, auch für die SPD. Die Führungsdebatte bei der SPD und der Zorn der Parteivorsitzenden über ihre Kritiker zeigen, dass es bei der SPD auch nicht so geklappt hat. Die können sich alle bei der CDU was abgucken.

Vielen in der CSU wäre Friedrich Merz als CDU-Chef lieber gewesen. Wie wird die Schwesterpartei mit AKK zurechtkommen?
Ich habe von Anfang an gesagt, Kramp-Karrenbauer und nicht Merz wäre für die CSU am angenehmsten. Denn Merz hat eine ganz scharfe Form der Pointierung und Rhetorik, mit der man sich schnell in Konflikte verstricken kann. Bei ihm klingt ein Hauch Seehofer mit, was provoziert. Je nach Thema wäre die CSU mit Merz provoziert worden, während Frau Kramp-Karrenbauer sehr viel weicher und kompromissbereiter im Umgang ist. Sie hat eine soziale Komponente, welche die CSU ja auch hat. Im Alltag wäre es für die CSU mit Friedrich Merz komplizierter geworden.

Werden wir AKK als Kanzlerin sehen?
Am Ende der Legislaturperiode – ja. Es gibt jetzt eine gute Lösung für die Koalitionspartei CDU, aber es gab am Freitag auch einen guten Auftritt der Kanzlerin. Frau Merkel hat eine Art historische Bilanz aufgemacht. Die Delegierten waren stolz, dass sie dabei waren. Warum soll man das jetzt in irgendwelche Streitlöcher fallenlassen? Merkel wird bis zum Ende durchmachen. Die Hauptbotschaft von Freitag war: Dieser Geist von Hamburg darf nicht das Ende, sondern muss der Anfang einer Entwicklung sein.

 

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