Werder gegen Bayern Nord-Süd-Gipfel: Es war einmal...

Ein halbes Dutzend: Im Hinspiel gewinnt der FC Bayern gegen völlig überforderte Bremer mit 6:0. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Im einstigen Klassiker gegen den FC Bayern droht Werder die 13. Liga-Pleite in Folge – es wäre ein Rekord. Statt Vidal spielt Kimmich.

 

München - Ein 7:0 war dabei, ein 6:0. Auch ein 6:1. Ein 5:0, ein 4:0 und ein – hört, hört – 5:2. Und zuletzt, am ersten Spieltag der aktuellen Saison wieder ein 6:0. Es geht um die letzten Bundesliga-Duelle zwischen dem FC Bayern und Werder Bremen, die am Samstag zum Rückrundenauftakt im Weserstadion (15.30 Uhr im AZ-Liveticker) aufeinandertreffen. Aber was heißt hier schon Duelle?

Die Wahrheit aus Sicht der Bremer: Die sieben erwähnten Kantersiege der Bayern sind Teil der letzten acht Partien. Im Oktober 2015 gewannen die Münchner lediglich – was war denn da los? – mit 1:0.

Hätten die Bremer Verantwortlichen einen Sprecher aus der Regierung von Donald Trump engagiert, würde dieser wohl twittern: „Werder erwartet den nächsten hohen Sieg gegen die Bayern – wie in den Jahren zuvor.“ Alternative Fakten. In der Realität lesen sich die Zahlen aus Bremer Sicht noch radikaler: 14 Pflichtspiel-Niederlagen gegen Bayern am Stück, zwölf in der Liga. Bei 51:6 Toren.

Was das Spiel am Samstag besonders macht: Gewinnt Bayern, stellen sie einen neuen Bundesliga-Rekord auf. 13 Siege am Stück gegen ein anderes Ligateam gab es noch nie. Es droht ein schwarzer Samstag für Grün-Weiß. „Ich denke, dass Bremen sich verändert hat. Wir spielen jetzt gegen ein anderes Team“, sagte Bayerns Trainer Carlo Ancelotti, angesprochen auf das 6:0 vom August letzten Jahres. Nette Worte.

Vom Angst- zum Lieblingsgegner

Fürchten muss sich in München niemand vor dem Tabellen-15, dem aktuell zweikampfschwächsten Team mit den meisten Gegentoren. Die Bremer sind vom einstigen Angst- zum Lieblingsgegner geworden. Der packende, elektrisierende Konkurrenzkampf – es war einmal.

Die goldenen Zeiten der Bremer liegen lange zurück: Ob in den 80er Jahren (Meister 1988, Vizemeister 1985 und 1986) oder in den 90ern (Meister 1993, Vizemeister 1995) – alles in der Ära des legendären Trainers Otto Rehhagel. Auch im neuen Jahrtausend ärgerte Werder die Bayern, als man mit Coach Thomas Schaaf sowie Ailton, Micoud & Co. 2004 die Schale holte, 2006 und 2008 knapp scheiterte – jeweils an den ewigen Widersachern.

Ach, was waren das für Zeiten, als der Nord-Süd-Gipfel sich auch abseits des Rasens fortsetzte, von Klassenkampf war die Rede. Vor allem Uli Hoeneß und Willi Lemke, die damaligen Manager, gaben es sich so richtig. Für SPD-Politiker Lemke war Hoeneß „der Totengräber des Deutschen Fußballs“ und für Hoeneß war sein Gegenspieler ein „Volksverhetzer“.

Lesen Sie hier: Robbens Triple-Traum: "Wir versuchen, alles zu gewinnen"

Durch ihn habe er „hassen gelernt“. Später nannte er ihn „einen Feind“. Auch all die Wechsel von Werder-Stars und -Führungsfiguren wie Andi Herzog, Mario Basler, Claudio Pizarro, Valérien Ismael, Miro Klose und Tim Borowski zu den finanzkräftigeren Bayern trugen zum schlechten Nord-Süd-Klima bei. Hoeneß und Lemke haben sich mittlerweile versöhnt, alles Spitzen von gestern. Friede ist mit ihnen.

Einst Klassenkampf, nun Klassenunterschied. Dabei ist Werder in der ewigen Tabelle der Liga Dritter, hinter Bayern und Dortmund (Quelle: bundesliga.de). Ancelotti fehlen neben Jérôme Boateng (Reha nach Schulter-Operation), Thiago (Muskelfaserriss) und Arturo Vidal, der seine Rippenprellung auskurieren soll. So wird Joshua Kimmich im Mittelfeld Vidal ersetzen, auf der linken Außenbahn muss sich Ancelotti zwischen Franck Ribéry und Douglas Costa entscheiden.

Echte Luxusprobleme. Die Bremer hoffen auf eine Sensation – eine knappe Niederlage?

Die Heimbilanz gegen Bayern, man mag es kaum glauben, ist für Werder noch immer positiv: 19 Siege, 14 Unentschieden, 17 Pleiten.

 

2 Kommentare