"Werde meinen Charakter nicht ändern" Bayern-Trainer Niko Kovac allein zu Haus

Kevin allen zu Haus? Kovac allein zu Haus! Für den Trainer geht es zurück nach Frankfurt – die Eintracht trägt er weiter im Herzen. Foto: AZ-Fotomontage

Bayern-Trainer Niko Kovac kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück und lobt deren Fans erneut. Das kommt nicht nur gut an. "Ich werde meine Person und meinen Charakter nicht ändern!"

 

In Frankfurt ist Niko Kovac ein Held – und das wird auch lange so sein. 2017 verhinderte der Coach in der Relegation den Abstieg, eine Saison später erfüllte er mit dem Pokaltriumph gegen den FC Bayern eine 30-jährige Titelsehnsucht der Eintracht.

Niko, der Große. Der bei Teilen der Fans und Spieler aber nicht unumstritten war, weil er etwa Klubidol Alex Meier abservierte. Alles vergessen im Moment des historischen Erfolgs. Dank einer taktischen Meisterleistung stand Kovac am Tag nach dem 3:1 gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber auf dem Frankfurter Römer und sagte: "Ich bin jetzt weg, aber ich werde diesen tollen Klub immer im Herzen tragen."

Anfang November 2019 trägt Kovac die Eintracht noch immer im Herzen. Im Anschluss an das 2:1 im Pokal in Bochum lobte er die Frankfurter Fans als "die besten der Liga". In vielen Bayern-Fanklubs sorgte das für Ärger, doch Kovac blieb vor dem Duell in Frankfurt (Sa., 15.30 Uhr/Sky, ZDF und im AZ-Liveticker) dabei. Bayern habe "klasse" Fans, das sei ihm klar geworden, erklärte Kovac: "Gerade zum Ende hin gegen Frankfurt und auch im Pokal, als mein Name skandiert wurde – das weiß ich." Und doch sei die Stimmung bei der Eintracht etwas Besonderes. "Ich glaube, dass es in der Bundesliga so etwas sonst nirgends gibt."

Trainer Niko Kovac: "In Frankfurt geht von Anfang an die Post ab"

Es darf bezweifelt werden, dass die Bayern-Fans besänftigt sind. Das nimmt Kovac in Kauf: "Ich werde mich, meine Person und meinen Charakter nicht ändern. Wenn Ehrlichkeit nicht mehr erwünscht ist, können wir einpacken." Kovacs offene Worte sind Stärke und Schwäche zugleich. In der hitzigen Atmosphäre, wie sie bei Bayern herrscht, sorgt er für weiteres Feuer. Sollte er den Großteil der Bayern-Fans verlieren, wird er noch isolierter sein.

Dabei steht die Rückkehr nach Frankfurt schon unter dem Titel: "Niko allein zuhaus". Auch wenn Kovac erklärte, dass das Verhältnis zur Mannschaft intakt sei, gibt es intern länger Zweifel an Trainingsinhalten und Taktikvorgaben. Dass er auf der Halloween-Party (Seite 32) seiner Spieler fehlte ("Das ist nichts für mich") – geschenkt. Mannschaftssache, da war früher auch kein Trainer dabei. Unabhängig davon: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic sehen Kovacs Wirken kritisch, vor allem Präsident Uli Hoeneß glaubt (noch) an eine Wende unter Kovac, wie er im AZ-Interview (Seite 17) erklärte. Und die Fans? Bei Twitter wird unter dem Hashtag #KovacOut seit Wochen der Wunsch nach einer Entlassung des Trainers formuliert.

Was für Kovac und sein Team spricht: Bayern zeigte in dieser Saison die besten Leistungen, wenn es gegen starke Gegner ging – Schalke, Leipzig oder Tottenham. Der BVB am 9. November ist ein ähnliches Kaliber, Frankfurt definitiv auch. Kovacs Konzept für den Stimmungsumschwung lautet: "Back to the roots", wie er sagte: "Wir müssen erstmal arbeiten, die Zweikämpfe annehmen, führen und gewinnen. In Frankfurt geht von Anfang an die Post ab. Wir fordern absolute Konzentration."

Solche Worte wurden in Frankfurt gehört, in Zeiten des Außenseiter-Fußballs. Bei Bayern sind die Ansprüche andere. Dennoch steht die spielerische Weiterentwicklung für den Trainer offenbar nicht an erster Stelle. Er will Ergebnisse.

Wenn die gegen Frankfurt und Borussia Dortmund eine Woche später fehlen sollten – dazwischen ist noch das Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus –, dürfte es um Kovac einsam werden. Niko allein. Ganz allein.

 

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