Wegen Corona verschoben München: Frühlingsfest im Sommer? Unverständnis im Rathaus

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Das Frühlingsfest auf der Theresienwiese. Anders als die Dult ist es noch nicht abgesagt. Foto: Felix Hörhager/dpa

Kann das Frühlingsfest heuer mit Verspätung stattfinden? Im Rathaus finden viele die Vorstellung absurd.

 

München - Menschen aus der ganzen Welt kommen zusammen, um sich in vollen Bierzelten eng an eng aus nur kurz durchgespülten Bierkrügen zuzuprosten. Aktuell, mit Blick auf das Coronavirus, erscheinen Volksfeste wie das Frühlingsfest ganz fern.

Für Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) sind sie aber aktuell mehr Thema denn je. Der AZ hat Baumgärtner am Mittwochabend versichert: "Das Frühlingsfest soll nach wie vor stattfinden." Allerdings nicht zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt Ende April, sondern später. Als letzten möglichen Zeitpunkt nannte er den 21. Juni. Denn danach, so Baumgärtner, würde die Wiesn aufgebaut. Denn tatsächlich, auch die soll heuer stattfinden. "Wir sind ganz normal am Vorbereiten", sagt der Wirtschaftsreferent.

Frühlingsfest im Sommer? Grüne üben Kritik

Aus dem Rathaus erntet Baumgärtner Kritik für seine Planung. Grünen-Fraktionschef Florian Roth kommentierte im sozialen Netzwerk Twitter auf Baumgärtners Ansage: "Im Ernst?" Später schimpfte er noch: "Nur wenn die Lage so entspannt ist, dass ein Backlash (Rückschlag) nicht unmittelbar zu erwarten ist, sind Massenveranstaltungen verantwortbar." Auch OB Dieter Reiter (SPD) hatte vergangene Woche bezweifelt, dass das Frühlingsfest stattfinden würde.

So sieht das FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann zwar auch. Er finde es aber "durchaus legitim", dass Bäumgärtner gerade Frühlingsfest und Wiesn weiterhin plane. Dennoch könne er sich kaum vorstellen, dass das Frühlingsfest tatsächlich stattfinden wird. Die Keime auf den Bierkrügen, die Menschenansammlungen – Hoffmann: "Ich halte es aktuell für sehr unrealistisch."

Hoffmann erwartet massiven Umsatzeinbruch

Dass Clemens Baumgärtner jetzt trotzdem davon ausgehe, dass das Volksfest stattfinde, sei verständlich, so Hoffmann weiter: "Er muss schließlich die gesamte Münchner Wirtschaft im Blick haben – und versuchen, das Beste draus zu machen." Selbst wenn das Frühlingsfest tatsächlich öffnen kann, prognostiziert Hoffmann, "wird es auf jeden Fall einen massiven Umsatzeinbruch geben – denn in dem Umfang wie sonst wird es auf keinen Fall stattfinden", sagt er.

Veranstaltet wird das Frühlingsfest allerdings nicht von der Stadt – die stellt nur die Fläche auf der Theresienwiese zur Verfügung –, sondern von den Münchner Schaustellern. Und was sagen die dazu?

"Alles abzusagen, wäre die reinste Kapitulation"

Edmund Radlinger, Vorsitzender des Schaustellervereins, sagt der AZ: "Wenn die öffentliche Situation es erlaubt, sehen wir es genauso wie Clemens Baumgärtner: Das Frühlingsfest soll weiter stattfinden – es wird allerdings nach hinten verschoben." Radlinger sagt: "Alles abzusagen, wäre die reinste Kapitulation."

Für die Schausteller sei allerdings das Wichtigste, dass das Frühlingsfest nur dann stattfindet, wenn der Schutz für Besucher und Beschäftigte gewährleistet wäre. Wie auch auf der Wiesn, sollte man "stärkere Hygienesysteme" für Volksfeste einführen.

Radlinger appelliert an die Münchner: "Bleibt jetzt zuhause, damit wir uns bald wieder treffen." Sich nach Corona wieder zu amüsieren, wäre für alle wichtig. Aber Radlinger sagt auch: "Wir können nichts anderes tun als warten."

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