Warum Madrid für Bayerns Trainer Ausland ist Pep Guardiola: Fremd in der Heimat

Für Bayern-Trainer Pep Guardiola ist die Rückkehr nach Spanien ein seltsamer Moment. Denn in Madrid fühlt er sich nicht wohl, auch wenn er dort nie verlor.

 

Madrid - Endlich wieder in der Heimat – und doch im Feindesland. Für Pep Guardiola war es ein merkwürdiges Gefühl, als er Dienstagmittag mit dem FC Bayern auf dem Flughafen Barajas landete und in die Madrider Innenstadt fuhr. Erstmals seit Amtsantritt in München führte die Auslosung den Spanier nach Spanien – in offizieller Mission, zum Halbfinal-Hinspiel bei Real Madrid.

Doch für einen echten Katalanen wie Pep ist die Hauptstadt eben nicht Heimat. Und dann geht es für den Mann, der mehr als sein halbes Leben beim FC Barcelona verbrachte, auch noch gegen den Erzfeind – gegen "El Madrid".

"Guten Morgen! Buenos dias!", sagte der 43-Jährige auf der Pressekonferenz im Mannschaftshotel "InterContinental". Die Adresse: Paseo de la Castellana 49, Promenade Kastiliens, der Hauptstadt-Region. Pep weiter: "Es ist ein sehr spezielles Spiel für mich und für den Verein. Aber noch spezieller wäre es in Barcelona."

So wird’s für ihn: Eine Probe der Nerven und eine Frage der Emotionen. "Es ist ein besonderes Spiel für ihn", sagt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: "Er ist Spanier, Katalane. Er kennt Real sehr gut, hat eine gute Statistik gegen Real."

Aber hola! Allerdings. Als Spieler mit Barcelona zwischen 1990 und 2001 war Guardiola bei zahllosen Clásicos dabei, als Trainer von 2008 bis 2012 bestritt er genau 15 Duelle gegen die Königlichen: davon gewann er neun Partien, verlor nur zwei. Ausgerechnet das letzte als Barça-Cheftrainer war darunter.

Ebenso weh tat die Pleite im Finale um die Copa del Rey im April 2011. Ein 0:1, Cristiano Ronaldo traf in der Verlängerung. Im Bernabéu allerdings verlor er als Trainer nie.

"Wir müssen in der Lage sein, eine große und überragende Leistung zu bringen, um hier im Bernabéu zu bestehen", sagte Guardiola. Ganz artig schwärmte er vom Erzrivalen: "Real hatte immer etwas Besonderes. Ich hoffe, dass Ronaldo spielen kann." Reals Weltstar trainierte am Dienstag normal, absolviert aber am Mittwochvormittag nochmal einen Härtetest.

Trainer Carlo Ancelotti: "Wenn es die Risiken eines Rückfalls gibt, dann spielt er nicht. Das Duell wird nicht im Hinspiel entschieden." Pep ist’s einerlei: "Wenn er nicht spielt, haben sie viele andere überragende Spieler im Team wie Bale, Benzema oder Isco." Viele Höflichkeiten für den Erzrivalen. Diplomatisches Parkett eben.

Pep ist Katalane durch und durch, befürwortet die Abspaltung Kataloniens von Spanien. Erst kürzlich engagierte er sich in einem politischen Spot einer populären Bürgerbewegung. Die Pfiffe der königlichen Fans werden sich nicht nur gegen die "Bestia negra", den FC Bayern, sondern auch gegen "la Bestia Pep" richten.

Mit 13 Jahren kam er ins Barça-Jugendinternat, seit 30 Jahren ist Guardiola ein Teil der Bewegung "Mes que un club", mehr als ein Klub. Aufgeregt? "Er ist völlig entspannt", hat Rummenigge beobachtet. Arjen Robben, selbst von 2007 bis 2009 bei Real, meinte: "Unser Trainer kennt Real wie kein anderer. Das kann ein Vorteil sein."

Übrigens: Das einzige Aufeinandertreffen in der Champions League mit Real endete für Pep als Barça-Trainer triumphal: Im Halbfinale 2011 kam er mit einem 2:0 auswärts im Bernabéu und einem 1:1 im Rückspiel weiter. Danach gewann Barcelona das Finale gegen ein englisches Team. Wiederholt sich die Geschichte? Würden die Bayern sicher gerne so nehmen.

 

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