Wahl in Stuttgart Fritz Kuhn, der erste grüne OB

Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn ist zum Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt – schwere Schlappe für die CDU, noch ein Triumph für die Grünen.

 

Stuttgart - Jetzt ist Stuttgart ganz grün: Die Bürger der Landeshauptstadt Baden-Württembergs haben am Sonntag den Grünen-Politiker Fritz Kuhn zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Er löst Wolfgang Schuster (CDU) ab – und schlägt seinen parteilosen Gegenkandidaten Sebastian Turner, den ein Dreierbündnis aus CDU, FDP und Freien Wählern ins Rennen geschickt hatte. Künftig wird der 57-Jährige eng mit Winfried Kretschmann zusammenarbeiten – der erste grüne Ministerpräsident, mit dem Kuhn in den 80ern die Grünen im „Ländle“ aufbaute.

Stuttgart ist damit die erste Landeshauptstadt, die in den kommenden acht Jahren von einem grünen OB regiert wird. Der erste grüne Oberbürgermeister überhaupt, Horst Frank, regierte von 1996 bis August 2012 das 170 Kilometer entfernte Konstanz. Nachdem Kuhn im ersten Wahlgang knapp vor Turner gelegen hatte, gewann er den zweiten Wahlgang deutlich: 52,9 Prozent stimmten für Kuhn, 45,3 Prozent für Turner. Die Wahlbeteiligung lag mit 47,2 Prozent etwas höher als beim ersten Mal.

Das ist eine bittere Schlappe für die CDU: Erneut verliert die Partei eine wichtige Abstimmung in einem ihrer Stammländer. Stuttgart hatte seit 1974 mit Schuster und Rommel nur CDU-Oberbürgermeister. Dann ging 2009 die Rolle der stärksten Partei im Stuttgarter Gemeinderat an die Grünen, drei von vier direkt gewählten Landtagsabgeordnete sind Grüne und der Ministerpräsident seit 2011 auch noch.

Um Abstand von diesem Negativ-Trend und der Landes-CDU in Mappus-Starre zu bekommen, holte die Partei Sebastian Turner von Berlin nach Stuttgart: Ein Ex-Journalist und Werbe-Experte, der den Baden-Württemberg-Slogan „Wir können alles – außer Hochdeutsch“ erfunden hat. Die Konservativen vor Ort waren nicht begeistert vom Polit-Import und auch Turners Versuch, sich als Anti-Politiker-Typ zu profilieren, brachte ihm nicht die Unterstützung, die ein Drei-Parteien-Bündnis eigentlich vermuten ließe. Volker Kauder, Fraktionschef der Union, versuchte sich am Wahlabend in Pragmatismus: „Ein grüner Ministerpräsident, ein Oberbürgermeister – Baden-Württemberg ist nach langen, langen Jahren durch CDU-Regierungen so stark, dass wir das aushalten können.“

Ob Quereinsteiger Turner ein solches Manöver ein weiteres Mal aushalten würde, ist ungewiss: Die Frage, ob er politisch weiter aktiv bleibe, müsse er mit seiner Frau besprechen. Fritz Kuhn hingegen strahlte an der Seite seiner Ehefrau Waltraud Ulshöfer: Er wolle ein Oberbürgermeister für ganz Stuttgart sein, sagte der ehemalige Fraktions- und Parteichef, der in Memmingen aufgewachsen ist. „Für alle, die mich gewählt haben, die, die nicht zur Wahl gegangen sind und die, die mich nicht gewählt haben“, sagte er. Es gehe jetzt darum, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, um Stuttgart zu gestalten.

 

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