Vorbild ist Stockholm Pilotversuch in München: Autos werden auf Probe verbannt

Jetzt ist er noch zugeparkt, im Sommer soll er zur autofreien Zone werden: der Alpenplatz in Obergiesing. Foto: Petra Schramek

Bei einem Ausflug nach Stockholm haben Stadträte das Modell kennengelernt – und wollen es jetzt in München ausprobieren. Über einen gewissen Zeitraum sollen in "Sommerstraßen" keine Autos fahren dürfen. 

 

München – Nach Lust und Laune flanieren, die Kinder spielen lassen oder radeln – ohne sich um Autos sorgen zu müssen. In Stockholm sind die autofreien "Sommerstraßen" ein Modell, das schon seit Jahren jeden Sommer für vier Monate Realität wird.

Das Modell hatten sich Stadträte bei einem Ausflug im Frühjahr 2018 persönlich in der schwedischen Hauptstadt angeschaut. Und danach flatterten die Anträge regelrecht im Münchner Rathaus.

Stadtbaurätin Merk: München ist nicht Stockholm

Der Stadtrat entscheidet an diesem Mittwoch über die konkreten Vorschläge aus der Verwaltung. München wolle das Modell noch diesen Sommer ausprobieren, kündigt Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) an. Jedoch nur auf zwei Plätzen und auf zehn Wochen begrenzt.

Warum nicht 1:1 wie in Stockholm? Merk argumentiert: "In Stockholm herrschen ganz andere Rahmenbedingungen." Sie nennt da Münchner "Besonderheiten" wie die hohe bauliche Dichte, die Biergartenkultur und den Mangel an Parkplätzen.

Auch die Art der Nutzung sei in München anders: In Stockholm sei die saisonale Umnutzung vor allem touristisch ausgerichtet – in München solle sie den Anwohnern nutzen.

Sommerstraßen in München - diese sollen's sein

Der Kreuzungsbereich von Park- und Schwanthalerstraße im Herzen der Schwanthalerhöhe sowie der Alpenplatz in Obergiesing wurden von der Stadt als die Plätze auserkoren, in denen das Pilotprojekt in diesem Sommer starten soll.

Grundlage war ein Stimmungsbild aus den jeweiligen Bezirksausschüssen. Doch Akzeptanz braucht der Plan vor allem von den autofahrenden Anwohnern. Denn für die Zeit der Sommerstraßen werden Parkplätze wegfallen.

An der Kreuzung Schwanthalerstraße/Parkstraße sind es pro Seite zwei Parkplätze, die zu "Parklets" umfunktioniert werden. Dabei handelt es sich um eine von den Stadtrats-Grünen geforderte Erweiterungen von Bürgersteigen, die aus Holzbrettern in Parkbuchten eingebaut werden.

Was vor allem wegfällt: Parkplätze

Insgesamt müssen Autofahrer in Park- und Schwanthalerstraße während der Zeit auf acht Parkplätze verzichten – gewonnen wird eine Fläche von 80 Quadratmetern.

In Obergiesing wird es für Autofahrer noch enger. Denn hier sollen nicht nur 23 Parkplätze gestrichen werden. Da der Alpenplatz von Straßen umgeben ist, soll es hier noch zu weiteren Einschränkungen kommen.

So soll die Edelweißstraße im Abschnitt von der Tegerseer Landstraße bis zur nördlichen Seite des Alpenplatzes zur Einbahnstraße werden. Und das südliche Fahrbahnstück entlang der Grünanlage komplett für Autos gesperrt werden. Dass die autofreien Oasen im Sommer kommen werden, davon ist auszugehen. Denn die Initiative ging unter anderem von SPD, CSU und den Grünen aus.

Von letzteren wird noch ein Änderungsantrag kommen, so Fraktionschef Florian Roth zur AZ. Unter anderem wünschen die Grünen sich die autofreien Zonen auch in der Isarvorstadt. Roth: "Es wäre schön, wenn nicht nur an zwei Orten in der Stadt Münchner von dem Projekt profitieren würden."

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Mehr Kampfgeist von der Politik!

Lesen Sie hier: Pläne für autofreie Münchner Innenstadt - schleppend geht's voran

 

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