Von wegen Entlastung Fiskus greift Rentnern verstärkt in die Tasche

Eine ältere Frau hält ihren Rentenbescheid in der Hand. Foto: Felix Kästle/dpa

Von wegen Entlastung: Der Staat besteuert mittlere Renten immer stärker, die Abgabenlast steigt massiv. Die Linke will höhere Freibeträge.

 

Senioren bei der Steuer verschonen oder zumindest entlasten? Das einstige Versprechen vor allem von Politikern der SPD zählt heute nicht mehr – im Gegenteil. Der Fiskus greift Ruheständlern verstärkt in die Tasche. Die Steuerbelastung von Rentnern ist innerhalb von zehn Jahren teilweise um rund das Fünffache gewachsen. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. Ein Überblick:

Wie viel Einkommensteuer muss ein Neurentner auf eine Monatsbruttorente von 1500 Euro zahlen? Hier werden jetzt 430 Euro Einkommensteuer pro Jahr fällig, 2010 waren es erst 79 Euro. Bei 1700 Euro Monatsbruttorente waren es bei Rentenbeginn 2010 exakt 294 Euro, in diesem Jahr sind es 758 Euro. Lagen die Bezüge bei 2000 Euro, mussten 2010 für das Jahr 679 Euro Einkommensteuer berappt werden, derzeit sind es 1326 Euro. Wer eine Rente von 1200 Euro erhält, zahlt demnach erst ab diesem Jahr Einkommensteuer – nämlich 31 Euro.

Was ist der Hintergrund dieser höheren Besteuerung? Eine 2005 eingeführte Änderung. Bis dahin galt ein Freibetrag von 50 Prozent der Rente. Seitdem steigt der Anteil um zunächst jährlich zwei Prozentpunkte. Bis heuer sank der Freibetrag auf 22 Prozent. Im Gegenzug können seit 2005 Rentenbeiträge mehr und mehr vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Geltend gemacht werden können auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und manche andere Ausgaben.

Wann wird die Steuer fällig? Wenn die Gesamteinkünfte eines Ruheständlers über dem Grundfreibetrag (9168 Euro) liegen – bei Verheirateten ist es der doppelte Satz. Im Durchschnitt lag die Rente 2018 bei 1219 Euro im Monat. In der Einkommensteuererklärung werden die Bezüge in der Anlage R, Pensionen als Versorgungsbezüge in der Anlage N erklärt. Rentner können in jedem Fall 102 Euro als Werbungskostenpauschale absetzen. Zusätzlich können in der Anlage Vorsorgeaufwand etwa die Beiträge zur Krankenversicherung und zur Pflegeversicherung aufgeführt werden.

Wie viel Steuer bei der Rente floss an den Staat? 2015 waren es 34,65 Milliarden Euro Einkommensteuer von Steuerpflichtigen mit Renteneinkünften.

Wie reagiert die Linke? Deren Fraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte die zunehmende Besteuerung als „faktische Rentenkürzung“. „In den nächsten Jahren wird die Steuerlast auch für kleine und mittlere Renten immer weiter steigen.“ Er forderte Finanzminister Olaf Scholz und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) auf, ein Konzept mit höheren Freibeträgen vorzulegen, die kleine und mittlere Renten schützen.

 

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