Vom Manager zum Präsidenten Uli Hoeneß beim FC Bayern: 40 Jahre Self-Made-Macher

40 Jahre Uli Hoeneß: Am 1. Mai 1979 trat der Ex-Stürmer den Manager-Posten bei den Bayern, die er groß macht, an. Jetzt ist er der Präsident. Foto: imago, dpa, AZ-Montage

Am 1. Mai 1979 tritt Uli Hoeneß den Posten als Bayern-Manager an. Damals hatte der Klub Schulden, jetzt macht er 700 Millionen Euro Umsatz.

 

München - Am Gesicht von Uli Hoeneß konnte man auch am Sonntag das Ergebnis seiner Bayern ablesen: verloren. Das 1:1 beim 1.FC Nürnberg schmerzte den Vereinspräsidenten wie eine Niederlage. Nur einen Punkt gut gemacht auf Borussia Dortmund, die Steilvorlage nach der 2:4-Pleite des Verfolgers am Vortag gegen Schalke nicht genutzt. Für einen wie Hoeneß, der immer nach dem Maximum strebt, ein Rückschlag.

In Nürnberg ist der Sitz seiner Wurstfirma, die "Ho-We"-Fabrik. 1985 gegründet, mittlerweile in der Verantwortung seiner Kinder Sabine und Florian. Der zweite Bezugspunkt: Das Max-Morlock-Stadion, früher "Frankenstadion", war einst für fünf Monate seine Heimat. Im Exil.

Uli Hoeneß letztes Bundesliga-Spiel nicht beim FC Bayern

Hauptsache weg von Bayern-Trainer Gyula Lorant. Für fünf Monate wurde der Flügelstürmer Hoeneß ab November 1978 an den Club verliehen, seine letzte Profi-Station. Für 5.000 Mark brutto im Monat. Sein letztes Bundesliga-Spiel bestreitet er im Trikot der Franken, am 20. März 1979. Der Club verliert 1:2 in Bochum.

Der Welt- und Europameister, dreimaliger Gewinner des Europapokals der Landesmeister (1974-‘76) tritt ab, gezeichnet von einer Knie-Verletzung aus dem Jahr 1975, von der er sich nie erholt. Spiele hielt er nur mit Schmerzmitteln durch, danach gab’s Cortison zur Abschwellung. "Soll das jetzt mein Leben sein?", fragt er sich. Nein.

Jubiläum: Vor 40 Jahren trat Uli Hoeneß den Posten als Manager an

Schnitt. Er löst den Vertrag mit dem Club auf, Schluss mit 27 Jahren. Durch die Hintertür. Das Aus kommt zu schnell. In elf Sekunden konnte "der schnellste lebende Stürmer Europas", wie ihn die Medien feiern, die 100 Meter in seinen besten Zeiten laufen.

Wenige Wochen später ist Hoeneß zurück in München, sitzt am Schreibtisch. Ein Neustart. Auf ins Neuland. Ins Ungewisse. Der 1. Mai 1979: Hoeneß ist Manager. Vor exakt 40 Jahren. Eine Ewigkeit, speziell im Fußball. Aller Anfang war schwer. "Ich war unternehmungslustig und sehr motiviert. Obwohl ich kein großer Freund von Sakkos bin, habe ich an diesem Tag eines angezogen, ein graues", erinnert sich Hoeneß, "dazu habe ich mir einen Notizblock unter den Arm geklemmt und habe mir gesagt: So, nun musst du den Manager machen."

Im alten Büro von Robert Schwan, dem Karriere-Vergolder von Franz Beckenbauer und großen Vereinsmacher, der Hoeneß bereits als Spieler "Mini-Manager" nannte. "Wenn wir etwa in Südamerika waren, und es waren Hotelabrechnungen zu erledigen oder Flugumbuchungen, hat er mich immer mitgenommen", erzählt Hoeneß. Für einen Schwaben wie ihn das pure Glück.

1979 hatte der FC Bayern sieben Millionen Mark Schulden

Da sitzt er nun, der jüngste Manager der Bundesliga-Geschichte, an jenem Maifeiertag 1979, im kargen Büro an der Säbener Straße: Ein Schreibtisch, ein Telefon (Festnetz!), keine Sekretärin. Fanartikel? Nicht der Rede wert. Merchandising? Gab es nicht. "Ich habe ein bisschen rumtelefoniert, nach zwei Stunden bin ich nach Hause, weil es nichts mehr zu tun gab." Feierabend. Unfreiwillig.

20 Mitarbeiter damals, heute 1.000. Zwölf Millionen Mark Umsatz im Jahr, heute 700 Millionen Euro. Sieben Millionen Mark Schulden hatte Bayern 1979, heute ein prall gefülltes Festgeld-Konto. "Ich sah meine wichtigste Aufgabe darin, Bayern unabhängiger von Zuschauereinnahmen zu machen. Als ich anfing, machten diese 85 Prozent des Umsatzes aus, jetzt sind es 18 bis 20 Prozent."

Uli Hoeneß machte den FC Bayern zum Marktführer

Hoeneß lernte schnell, fuhr die Ellbogen aus, ein Selfmade-Manager. "Damals bin ich wilder gewesen", sagt er im Rückblick, "ich wollte mit dem FC Bayern nach oben kommen." Legendär seine Fehden mit Gladbachs Macher Helmut Grashoff, Bremens Manager Willi Lemke oder Kölns Trainer Christoph Daum. "Wenn man oben angekommen ist, kann man verteilen. Aber bis du ganz oben bist, musst du kämpfen", sagt Hoeneß, erster Fan und Anwalt seines Vereins. Er macht Bayern zum Marktführer, zum Titelsammler, überlebte 1982 einen Flugzeugabsturz – als Einziger, drei Menschen sterben.

40 Jahre hat Hoeneß den FC Bayern nun in seinen Händen, in seinem Herzen. Ja, es ist Liebe. Bedingungslose Liebe. Wie zu einem Kind. "Uli ist so etwas wie der Papa des FC Bayern", sagt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, "ein Mensch, der für alle und alles Verantwortung übernimmt." Manager, Präsident, Aufsichtsratsvorsitzender – diese Ämter bekleidete er, unterbrochen durch den Einschnitt in seinem Lebenslauf, als er 2014 wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde und 21 Monate im Gefängnis saß. Ansonsten habe er "nicht so viele gravierende Fehler gemacht", findet Hoeneß.

Während der Haftstrafe führt Rummenigge, einst Mitspieler und als Funktionär ständiger Antipode, den Verein, forciert die Internationalisierung. Der rationale Kalle, der emotionale Uli. Als Aufsichtsratsvorsitzender wurde er bis 2022 bestätigt. Seine Wiederwahl als Präsident steht im November an. Er wird wohl noch mal antreten, weiß aber: "Irgendwann müssen Karl-Heinz und ich die Plätze freimachen. Man darf sich nicht einbilden, dass man unersetzlich ist. Jeder ist ersetzbar. Der eine mehr, der andere weniger."

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