Verwaltung schlägt Alarm Müllhalde München: So kann es nicht weitergehen!

Immer wieder ein Ärgernis: Silvestermüll am Baldeplatz. Foto: ho

70 Tonnen Abfall hat die Straßenreinigung nach Silvester eingesammelt. Und auch in Parks nimmt der Dreck zu – Politik und Verwaltung schlagen Alarm.

 

München - Leere Sektflaschen, zertretene Papierraketen und jede Menge Plastikverpackungen: Wer nach Silvester vor die Tür geht, wundert sich oft, was in der Silvesternacht alles einfach liegengelassen wurde. 70 Tonnen Silvesterabfall hat Straßenreinigung heuer in München beseitigen müssen – das sind zehn Tonnen mehr als noch im Vorjahr. Und auch in den Parks gibt es ein größer werdendes Müllproblem.

"Es stinkt mir mit dem Müll", erklärt auch Stadträtin Alexandra Gaßmann (CSU). Sie sei dieses Jahr mit ihren Kindern am ersten Januar Müll sammeln gegangen: "Wenn jeder mal ein bisschen Verantwortung für seinen Müll übernimmt, hätten wir schon viel geschafft."

Mehr Einwohner machen mehr Müll

Auch Bezirksrätin Sophie Harper (Grüne) war dieses Jahr Abfall sammeln: "Seit fast zehn Jahren gehen die Grünen hier Silvestermüll aufräumen, und auch vor Silvester hängen wir schon überall Müllbeutel auf." Die Anwohner würden sich immer sehr über die Aktion freuen und auch selbst oft mithelfen. Gaßmann sowie Harper wünschen sich aber beide mehr Aufmerksamkeit für das Müllproblem.

Stadtrat Paul Bickelbacher (Grüne) gibt zu Bedenken, dass allgemein mehr Geld für Grünflächen ausgegeben werden müssten: "München wächst, aber die Geldmittel wachsen nicht. Mehr Einwohner bedeuten auch mehr Müll."

Feuerwerksverbot als Müllproblemlöser?

Stadträtin Ulrike Boesser (SPD) könnte sich derweil auch ein Feuerwerkverbot in einigen Zonen Münchens vorstellen, um dem Müllproblem entgegenzuwirken: "Es kann nicht sein, dass wir alle für das Privatvergnügen einiger weniger zahlen müssen, weil die nach dem Feuerwerk nicht mal ihren Müll wegräumen."

Doch nicht nur an Silvester hat München ein Müllproblem. So warnt Bernd Schreiber von der Bayerischen Schlösserverwaltung: "Der gesellschaftliche Respekt gegenüber Gartendenkmälern schwindet." Allein im Englischen Garten – auch hier ist die Schlösser- und Seenverwaltung zuständig – müssten so jedes Jahr 500.000 Euro für die Müllbeseitigung ausgegeben werden.

Party im Park - die Reste putzen Andere weg

Wo 1996 noch rund 58 Tonnen Abfall entsorgt werden mussten, waren es 2017 fast 150 Tonnen. "Es wird einfach so Party gefeiert und danach der ganze Müll liegengelassen. Unsere Leute stehen dann um 5 Uhr schon wieder auf, damit der Park am nächsten Morgen wieder sauber ist", beschwert sich Schreiber.

So groß ist das Problem hier, dass sogar ein privaten Wachdienst engagiert wurde um im Englischen Garten exzessive Partys zu stoppen und Leute zum Aufräumen anzuhalten.

"Allgemein sollte man einfach auf seinen Müll achten. Statt Coffee-to-go im Pappbecher, vielleicht einfach ein bisschen früher aufstehen und zuhause Kaffee trinken. Bewusst weniger Müll produzieren, und den auch entsorgen", rät Stadträtin Gaßmann. "Leider ist die Krankheit des 21. Jahrhunderts der Egoismus, und das merkt man auch wieder beim Müll".

Vandalismus in Neuaubing: Wie nach einem Hurrikan

"Alles war mit Verpackungsmüll und Überresten tausenden Silvesterraketen übersäht. Es wurden auch große Pflanzkästen umgestoßen und Bäume entwurzelt, Schranken vor Parkplätzen zerstört, Verteilerkästen rausgerissen. Es sah aus, als hätten wir hier einen Hurrikan gehabt."

So äußerte sich ein AZ Leser über die Zerstörung in seinem Heimatviertel Neuaubing. Auf einem Neujahrsspaziergang mit seiner Frau sei ihm der Vandalismus aufgefallen ."So eine Zerstörungswut haben wir in diesem früher friedlichen Stadtteil noch nie erlebt", wundert er sich. Auch dieses Jahr hat der Abfall zu Silvester wieder zugenommen: zehn Tonnen mehr als letztes Jahr mussten heuer beseitigt werden.

 

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