Exzessive Park-Partys: Schlösserverwaltung schlägt Alarm

Eine Wiese, ein lauer Sommerabend und ausreichend Bier – schon kann die Party losgehen. In vielen historischen Parks und Gärten wird genau das zum Problem, klagen die Schlösserverwaltungen. Und es gibt noch mehr, das ihnen Sorgen bereitet.
| dpa
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Vor allem im Sommer gleicht der Englische Garten am Morgen einer Müllhalde.
Frank Leonhardt/dpa Vor allem im Sommer gleicht der Englische Garten am Morgen einer Müllhalde.

München - Exzessive Partys, Vandalismus und Bebauungsdruck: Die Schlösserverwaltungen sorgen sich um ihre historischen Park- und Gartenanlagen.

"Der gesellschaftliche Respekt und die Wertschätzung gegenüber Gartendenkmälern schwindet", sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen, Bernd Schreiber, der Deutschen Presse-Agentur in München. "Es wird einfach Party gefeiert und danach der ganze Müll liegen gelassen." Das sei in vielen Großstädten ein Problem, in München ebenso wie etwa in Berlin oder Potsdam. "Und unsere Leute stehen dann um 5 Uhr schon wieder auf, damit der Park am nächsten Morgen wieder sauber ist."

Englischer Garten: 500.000 Euro für Müllbeseitigung

Das treibt die Kosten in die Höhe, wie ein Beispiel aus München zeigt, wo Bayerns Kurfürst Karl Theodor 1789 einen Park nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten anlegen ließ: "Allein im Englischen Garten geben wir im Jahr 500.000 Euro nur für die Müllbeseitigung aus", erklärt Schreiber.

1996 wurden im Auftrag der Bayerischen Schlösserverwaltung noch 58 Tonnen Abfall aus der weitläufigen Gartenanlage entsorgt. 2017 waren es rund 150 Tonnen, also fast das Dreifache. Ein privater Wachdienst läuft jetzt Streife, um exzessive Partys einzudämmen und die Leute zum Aufräumen anzuhalten. "Das wird auch im Großen und Ganzen respektiert."

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Bebauung macht Schlösserverwaltungen Sorge

Unmengen an leeren Flaschen und Verpackungsmüll sind aber nicht das einzige Problem. Vielerorts rückt die Bebauung an die Parks heran. Diese Entwicklung mache allen Schlösserverwaltungen Sorgen, berichtet Schreiber. In barocken Gärten wie auch Landschaftsgärten seien Sichtachsen ein prägendes Element. So konnte man früher aus dem Löwental bei der Badenburg im Nymphenburger Schlosspark in München bei guter Sicht bis zu den Alpen schauen. Und der benachbarte Badenburger See spielt gar mit der Illusion der Unendlichkeit. "Er wurde extra so angelegt, dass man nicht sieht, wo er endet."

In anderen Fällen seien Gartenpartien auch speziell in Beziehung zur historischen baulichen Umgebung konzipiert, oder Gehölzgruppen sollten bewusst Einflüsse ausblenden, die das Gartenbild stören.

"Das ursprüngliche Wechselspiel zwischen drinnen und draußen kann sehr schnell in Mitleidenschaft geraten. Wenn an den Rändern Hochhäuser stünden oder Windkraftanlagen, dann würde dieses historische Bild, das man schaffen wollte, zerstört." Leider würden die Verwaltungen nicht immer beteiligt, so dass man manchmal das ungute Zusammenspiel nur nachträglich zur Kenntnis nehmen könne.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen wurde 1990 gegründet. Öffentliche Träger historischer Schlösser, Burgen und Gartendenkmäler haben sich hier zusammengeschlossen, darunter die Bayerische Schlösserverwaltung oder die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

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