Verleihung im Maximilianeum Bayerische Verfassungsmedaille 2018: Die Gewinner

Sichtlich gerührt: Kabarettist und Flüchtlingshelfer Christian Springer bei der Auszeichnung durch Ilse Aigner (CSU). Foto: Bayerischer Landtag

Im Landtag sind 39 besondere Menschen mit der Verfassungsmedaille gewürdigt worden. Die AZ stellt fünf von ihnen vor - und erklärt, warum Landtagspräsidentin Ilse Aigner sie geehrt hat.

 

München - Ein bisschen nervös waren eigentlich fast alle, die am Freitagmittag die Bayerische Verfassungsmedaille von Ilse Aigner (CSU) überreicht bekamen - auch, wenn es viele nicht zugeben wollten. Dem Münchner Kabarettisten Christian Springer etwa konnte man den Stolz regelrecht ansehen. Er hatte extra seine Eltern mitgebracht, die sehen sollten, wie ihr Sohn von der Landtagspräsidentin für all seinen ehrenamtlichen Einsatz in der Flüchtlingspolitik gewürdigt wurde.

Ilse Aigner: "überwältigt von der Vielfalt des Engagements"

"Wenn sich bayerische Bürger engagieren, dann soll das auch belohnt werden", sagte Aigner nach der Verleihung, "es war eine große Freude für mich, diese Medaille erstmals vergeben zu dürfen." Traditionell übernimmt das stets der aktuelle Landtagspräsident.

"Ich war überwältigt von der Vielfalt des Engagements", sagte Aigner, "von Sport über Flüchtlingspolitik zu aufopferungsvoller Pflege. Unglaublich, was die Menschen alles leisten." 

Auch der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes Peter Küspert war am Freitag eingeladen. Er hielt eine Lobesrede für die Geehrten - und für die Bayerische Verfassung. In einem längeren Vortrag führte er aus, wie aus der sogenannten Bamberger Verfassung (1919) die Bayerische Verfassung von 1946 wurde.

Viele Negativbeispiele hätten die heutige Verfassung positiv geprägt. "Der Richter, der den Mörder von Kurt Eisner zu mild bestrafte, sprach später auch für Adolf Hitler eine viel zu milde Strafe aus. Und zwar gegen geltendes Recht", sagte Küspert. Es komme also auch immer auf das verhältnismäßige, richtige Augenmaß des Einzelnen an, egal mit welcher Verfassung.

Christian Springer: "Meine Medaille bekommt einen besonderen Platz"

Der Münchner Kabarettist Christian Springer erhielt die silberne Verfassungsmedaille für sein langjähriges künstlerisches Schaffen sowie sein rastloses ehrenamtliches Engagement für Syrien-Flüchtlinge im Libanon. 2012 gründete er für die Unterstützung der Kriegsflüchtlinge vor Ort den Verein "Orienthelfer".

Zudem hob das Programmheft hervor: "Es gelingt ihm, in seinen Programmen als Solo-Künstler, als Redner sowie als Kolumnist durch pointierte und oft bissige Darstellungen ein breites Publikum für problematische Entwicklungen zu sensibilisieren."

Springer war sichtlich gerührt, blieb aber der Satire treu: "Leider war in der Auszeichnung keine Schokolad drin. Darauf hatte ich gehofft", scherzte er nach der Verleihung. "Ich bin ein großer Fan der Rechtsstaatlichkeit und der Bayerischen Verfassung", sagte Springer dann etwas ernster, "daher bekommt die silberne Medaille einen besonderen Platz." Unsere Leser sollen sich keine Sorgen machen, so Springer: "Ich tret’ mit der Medaille nicht auf!"


 

Hildegard Kronawitter: "Mein Sohn ist extra aus London angereist"

Hildegard Kronawitter, Witwe des Münchner Alt-OBs Georg Kronawitter (†), setzte sich während und nach ihrer Zeit als SPD-Stadträtin für die Gleichstellung der Frau ein, auch als Vorsitzende des Vereins für Fraueninteressen.

Als Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung und als Mitglied Katholischen Akademie Bayern war ihr auch stets die historisch-politische Bildung aller Bayern wichtig.

"Ich habe mich schon immer sehr mit der Bayerischen Verfassung beschäftigt“, sagte sie, „daher freue ich mich über die Silberne Verfassungsmedaille und, dass mein Sohn extra aus London angereist ist."


 

DGB-Bayern-Chef Matthias Jena: "Häufiger in die Verfassung schauen"

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bayern, Matthias Jena, bekam die silberne Verfassungsmedaille für sein 20 Jahre dauerndes ehrenamtliches Engagement in der evangelischen Jugendarbeit. Als DGB-Chef setzt er sich zudem stets für Solidarität und Gerechtigkeit in der Gesellschaft ein. "Die Verleihung der Bayerischen Verfassungsmedaille ist eine hohe Auszeichnung, über die ich mich sehr freue. Sie gilt allerdings weniger mir persönlich als vielmehr dem gesamten DGB und seinen Gewerkschaften", sagt Jena. Die bayerische Verfassung kennt Jena gut: "Einige Politiker sollten öfter darin lesen. Da stehen wunderbare Sätze wie: Jeder Bewohner Bayerns hat einen Anspruch auf eine angemessene Wohnung."


 

Johanna Rumschöttel: "Ich war überrascht, und fühle mich geehrt"

Die Neubibergerin Johanna Rumschöttel (SPD) wurde mit der silbernen Verfassungsmedaille ausgezeichnet, weil sie dazu beitrug, heimatliche Kultur und bayerische Traditionen zu erhalten. Die sechsfache Mutter war ab dem Jahr 2000 Bürgermeisterin von Neubiberg. Später wurde sie Landrätin. Lange Zeit war sie Ehrenamtlerin bei der Lebenshilfe. "Ich war überrascht, und fühle mich geehrt", so Rumschöttel.


 

Oliver Bungers: "Zur Feier des Tages eine Skitour"

Der Münchner Oliver Bungers engagiert sich seit mehr als vier Jahrzehnten ehrenamtlich für den Kanusport in Bayern. Um den Nachwuchs des Sports kümmert er sich besonders intensiv und gibt gerne seine geballte Erfahrung weiter.

Bungers ist mittlerweile ein unverzichtbarer Teil des Bayerischen Kanuverbandes (BKV). Seit 2010 steht er dem BKV als Präsident vor. Die Würdigung erhielt der Münchner auch wegen seines Engagements für Behindertensport. Von der Medaille war er gerührt. "Das geht runter wie Öl", sagte er, "noch heute starte ich eine Skitour mit Freunden und feiere. Ist aber Zufall."
 

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