Valentinstags-Faktencheck Die Liebe – eine Wissenschaft für sich

Valentinstag: Der Tag der Verliebten. Doch stimmen die Sprichwörter rund um die Liebe? Foto: PolaRocket / Photocase

Valentinstag: Der Tag der Verliebten. Doch stimmen die Sprichwörter rund um die Liebe? Der Valentinstags-Faktencheck:

Man findet jemanden süß, ist blind vor Glücksgefühlen oder will den Auserwählten mit einem Dinner zum heutigen Valentinstag für sich gewinnen – denn Zuneigung geht ja bekanntlich durch den Magen. Aber stimmen diese Aussprüche wirklich? 

"Gleich und gleich gesellt sich gern"

Gerade bei auf Dauer angelegten Beziehungen ähneln sich Partner nachweislich sehr häufig, sagt der Psychologe Roland Deutsch von der Würzburger Universität. "Eine total introvertierte Person wird es schwierig haben mit einem sehr Extrovertierten, eine Nachteule mit einem Frühaufsteher."

Homogamie heißt der Fachbegriff für Gleichartigkeit von Partnern etwa beim sozioökonomischen Status oder der Attraktivität.

"Sich süß finden"

"Schon als Kinder wissen wir, dass süß gut ist", sagt Paul Pfluger vom Helmholtz Zentrum München. Zudem habe Schokolade für viele einen Belohnungseffekt. Daher werde der Begriff des Süßen auch in anderen Bereichen positiv besetzt verwendet.

"Liebe macht blind"

Ein Botenstoff, der das Gefühl von Verliebtheit entstehen lässt, ist Dopamin. Thomas Loew, Leiter der Abteilung für Psychoso- matische Medizin am Uniklinikum Regensburg, vergleicht die Wirkung mit einer wahnhaften Störung. Man kann auch sagen: Verliebte sind blind für Fehler des Geliebten. Endorphine führen laut Loew weiter dazu, dass Liebende sich zumindest anfangs vollkommen ausreichen. "Kommt dann noch die Berührung ins Spiel, wird zusätzlich das Oxytocin – gerne auch Kuschelhormon genannt – aktiviert, das auf Dauer eine Bindung entstehen lässt."

"Gegensätze ziehen sich an"

Dieses Sprichwort treffe deutlich seltener zu, sagt Psychologe Roland Deutsch. Es gebe manchmal den "Romeo-und-Julia-Effekt": Dass eine Beziehung kurzfristig gestärkt wird, wenn das Paar das Gefühl hat, dass das Umfeld sie nicht gutheißt.

In Asien stehen Yin und Yang für einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte. Auch manche gegensätzlichen Persönlichkeitseigenschaften passen wie ein Schlüssel ins Schloss, etwa sich gerne führen lassen und gerne führen.

"Man kann sich gut riechen"

Manchmal heißt es auch: Da stimmt die Chemie. Ähnlich wie bei Organspenden passe es nicht immer zwischen zwei Menschen, erklärt Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität. Doch scheint in der Liebe die Devise "je fremder, umso besser" zu gelten.

Dabei geht es um Immun-Gene, wie Bernhard Weber, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Regensburg, erklärt. Diese spielen bei der Abwehr von Krankheitserregern eine Rolle. Und je unterschiedlicher der Genpool von Mutter und Vater, desto besser ist der Nachwuchs für möglichst viele Krankheitserreger gewappnet.

Traidl-Hoffmann sagt, es gebe Hinweise, dass Moleküle auf Oberflächen von Zellen, die bei der Erkennung des Immunsystems über Freund oder Feind entscheiden, Duftkomponenten entstehen lassen. "Das trägt zum Körpergeruch bei." Und über die Luft gelangen die Moleküle an die Riechrezeptoren in der Nase. "Das Gehirn entscheidet dann: passt oder passt nicht."

"Liebe geht durch den Magen"

Verliebte können angeblich allein von Luft und Liebe leben. Verantwortlich dafür ist wohl das Hormon Phenylethylamin, das zu einem gezügelten Appetit führt. Anders sieht es in längeren Beziehungen aus: Studien zeigen, dass glückliche Paare im Schnitt mehr wiegen als Singles.

"Dies ist womöglich auf den sinkenden Konkurrenzdruck in glücklichen Partnerschaften zurückzuführen", sagen Martina Müller-Schilling, Sophie Schlosser und Stephan Schmid vom Uniklinikums Regensburg. Gerade am Valentinstag aber könnten ein Durcheinander von Hormonen und damit Chaos im Magen entstehen, sagt Yurdagül Zopf vom Uniklinikum Erlangen.

Beim gemeinsamen Essen werde vermehrt Oxytocin ausgeschüttet, das den Appetit hemmt. "Neuesten Erkenntnissen nach führt Oxytocin nicht bei jedem zu einem Abnehmeffekt, denn es kann auch sein, dass die Lust nach Süßem verstärkt hervorgerufen wird", so Zopf. In der Phase der Verliebtheit sind auch Testosteron und Östrogen wichtig. "Diese werden hauptsächlich unter Stresseinfluss ausgeschüttet und führen zu einem unruhigen Magendarmtrakt." Und die Ausschüttung von Adrenalin beim Anblick des Partners führt mit den Glückshormonen zum Kribbeln im Bauch.

Noch ein Tipp: Antrag? Besser nicht!

Verlobung am 14. Februar? Paartherapeut Eric Hegmann rät ab: "Wie soll denn der arme Kerl am Valentinstag, der ja an sich schon genug mit Klischees überfrachtet ist, die Erwartungen erfüllen?" Beide Ereignisse für sich seien so überromantisiert, dass es schon etwas Aufdringliches hat. Wenn es im Alltag einen schönen Moment gibt, brauche es gar keinen speziellen Tag für die Verlobung.

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