Uhrenmacherhäusl-Eigentümer auffällig Illegaler Abriss von Obergiesing war kein Einzelfall

Ein Haufen Schutt: Das Handwerkerhaus in der Oberen Grasstraße kurz nach dem Abriss. Foto: Schramek

Der illegale Abriss des Uhrenmacherhäusls in Obergiesing polarisiert München. Es ist sinnbildlicher Ausdruck für die voranschreitende Gentrifizierung. Jetzt berichtet die SZ: Der Eigentümer missachtete wohl schon in der Fraunhoferstraße Bauvorschriften. Einen ehemaligen Mieter trieb er angeblich in den Ruin.

München - Diese Geschichte polarisiert München über Obergiesing hinaus: der illegale Abriss des denkmalgeschützten Uhrenmacherhäusls in der Oberen Grasstraße 1. Auf besonders dreiste Weise hatte Eigentümer Andreas S. das bei Giesingern beliebte, weil Identifikation stiftende Gebäude offenbar bewusst abreißen lassen, obwohl ihm die Genehmigung dafür fehlte.

Statt zu sanieren, rückten die Bagger an und hinterließen nur Schutt. Die Empörung in der Bevölkerung und der Lokalpolitik waren riesig. Vorwürfe wurden laut, der Eigentümer nehme eine Strafe in Kauf, schließlich sei der Ertrag eines Neubaus größer. Nachweisen lässt sich das freilich nur schwer. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kündigte jüngst an, den Wiederaufbau des denkmalgeschützten Uhrmacherhäusls mit allen rechtlichen Mitteln durchsetzen zu wollen.

Schon mal Bauvorschriften missachtet

Einen besonderen Beigeschmack bekommt die Geschichte nun durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Demzufolge setzte sich der beschuldigte Andreas S. nicht zum ersten Mal über bestehende Bauvorschriften hinweg. Das war geschehen: Andreas S. soll im Sommer 2014 das Haus in der Fraunhoferstraße 36 in der Isarvorstadt, ein Gebäude in prominenter Lage nahe der Reichenbachbrücke, erworben haben. Soweit, so gut.

Ein ehemaliger Mieter beschuldigt Andreas S. jedoch, ihn in den Ruin getrieben zu haben. "Ich habe nichts mehr, kein Geld, keine Wohnung, keinen Job", sagte der einstige Mieter und Gastronom Harald Gruber der SZ. 180.000 Euro, sein gesamtes Vermögen habe er verloren. Aber warum?

Früherer Mieter ging pleite

Ein Rückblick: Gruber mietete im März 2014 ein Ladenlokal im Erdgeschoss. Also vor dem Kauf von Andreas S.. Fortan baute er sich das amerikanische Restaurant "wicked flavor" auf, das eigener Auskunft zufolge auch gut lief. Im Herbst 2014 ließ der neue Eigentümer schließlich ein Gerüst aufstellen, mit der Auskunft, die Fassade werde saniert, erzählte der frühere Mieter weiter. Die Bauarbeiten seien aber viel umfangreicher gewesen, die Decke zu seinem Lokal sogar durchgebrochen.   

S. habe ihm versichert, er müsse vorerst keine Miete mehr zahlen – per Handschlag. Schließlich kam es jedoch im Januar 2017 zur Zwangsräumung. Markant: Das städtische Planungsreferat genehmigte laut SZ im Juni 2015 nur den Ausbau des Dachgeschosses und eine Änderung der Dachgeschosswohnung. Das Referat erwirkte daraufhin eine Baueinstellungsverfügung (1. Februar 2016), weil die tatsächlichen Arbeiten von der Baugenehmigung abwichen.

Planungsreferat erwirkte wiederholt Baustopp

"Das Gebäude wurde vom Erdgeschoss bis zum vierten Obergeschoss mehr oder weniger vollständig kernsaniert", erklärte das Planungsreferat. Andreas S. musste schließlich zweimal einen neuen Bauantrag stellen, weil es Sicherheitsbedenken vonseiten der Behörde auf der Baustelle gab.

Gruber wiederum musste schon vor der Zwangsräumung sein Lokal schließen, konnte keine Mieter mehr zahlen – es folgte der soziale Abstieg. Eine bittere Geschichte inmitten der Münchner Gentrifizierung.

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