Profis oder Provinz? Umfrage: So wichtig ist der Aufstieg für die Löwen

Dorfplatz-Atmosphäre statt Profi-Stadion: Die Löwen beim Auswärtsspiel in Buchbach. Foto: sampics/Augenklick

Können die Löwen wirklich weiter in der Regionalliga spielen? Oder ist eine schnelle Rückkehr in den Profifußball unerlässlich? Die AZ hat sich bei Verantwortlichen, Ex-Löwen und Fans umgehört.

 

München - Es heiße immer, "aufsteigen zu müssen. Müssen müssen wir schon mal gar nichts!" Dieser Satz des Sportlichen Leiters Günther Gorenzel sorgt für Diskussionen rund um den TSV 1860. Schließlich hatte sich sein Trainer Daniel Bierofka noch im Dezember ganz anders geäußert – Gorenzel war damals noch nicht mal in Giesing, kam erst Mitte Januar dazu.

"Mein Ziel ist es, aufzusteigen. Ich arbeite seit vier Jahren in der Liga, ich kenne alle Stadien, alle Teams", hatte Bierofka dem Kicker im Interview zum Thema Aufstieg gesagt. "Es wird Zeit für etwas Neues."

Im Umfeld des Spiels beim 1. FC Nürnberg II verteilte der Fandachverband ARGE einen Rundbrief unter den Anhängern und warnte vor der "Amateurfalle". Am Donnerstag kam dann diese Meldung von der Grünwalder Straße: Der Verein hat die Lizensierungsunterlagen für die 3. Liga beim DFB eingereicht.

Doch was sagt der Verein zur These Gorenzels? Was meinen altgediente Ex-Löwen? Und wie kommt sowas in Fankreisen an? Die AZ hat sich umgehört.

Hans Sitzberger, Vizepräsident e.V.: "Das Ziel ist immer der Aufstieg. Logisch ist das Ziel der Aufstieg", meint der Unternehmer und Stellvertreter von Löwen-Präsident Robert Reisinger. "Es kann ja keiner ein anderes Ziel haben. Wenn man Erster ist, und das Ziel ist nicht der Aufstieg, hat man etwas falsch gemacht." Klare Kante vom zweiten Oberlöwen also.


Vizepräsident Hans Sitzberger (Foto: sampics)

Karsten Wettberg, Aufstiegstrainer in die 2. Bundesliga 1991: "Sicher ist es richtig, dass Sechzig nicht den Druck hat, aufsteigen zu müssen. Aber: Der Weg muss in den Profifußball führen, möglichst bald", sagt der König von Giesing. Der einstige Fußballtrainer verwies darauf, dass es ein Jahr später wohl einfacher werde, sowohl mit Blick auf den Verfolger FC Bayern als auch die Reform der Aufstiegsregel, wonach ein Aufstieg nicht mehr zwangsläufig über die Relegation führen muss – wie es nun selbst bei einer Meisterschaft der Fall wäre.

"Aber innerhalb von zwei Jahren sollte man es schaffen, ansonsten wird der Hype ganz gewaltig abklingen. Das ist meine Befürchtung", meint der 76-Jährige. "Ich habe sowieso nie verstanden, dass die Bayern nicht beachtet wurden, nur, weil sie so viel Rückstand hatten. Aber da hatten sie wesentlich weniger Spiele. Sie haben sich nochmal verstärkt und sind der größte Gegner." Sieben Punkte Vorsprung sind es nur noch für Sechzig, bei einem Spiel mehr.


Karsten Wettberg, Aufstiegstrainer 1991. (Foto: Rauchensteiner)

Alfred Kohlhäufl, Meister 1966 und Aufstiegslöwe 1977: Auch für ihn kann es nur ein Ziel geben: den Aufstieg, und zwar noch in diesem Sommer. "Das ist die vierte Liga, das ist doch nicht der Anspruch von Sechzig. Es ist nur logisch, dass die Löwen unbedingt aufsteigen müssen", sagt der Niederbayer. "Ich bin überzeugt davon, dass auch Bierofka dieser Meinung ist."


Alfed Kohlhäufl, Meister 1966 und Aufstiegslöwe 1977. (Foto: Rauchensteiner)

Franz Hell, Allesfahrer und Edelfan: Er hat keine Lust mehr auf Fahrten in die Oberpfalz oder an die österreichische Grenze – auch für ihn steht fest, dass Sechzig nach Höherem streben sollte: "Ich bin natürlich nicht begeistert von dieser Aussage. Erzwingen kann man es nicht. Aber ich bin natürlich nicht begeistert davon, ganz klar", erklärt der langjährige treue Begleiter der Sechzger.

Sein Unverständnis über die Stellungnahme Gorenzels ist groß. "Wir müssen so schnell wie möglich aus dieser Liga raus. Vielleicht wollte er einfach nur den Druck rausnehmen. Dass er nicht genauso schnell hoch will, möchte ich ihm nicht unterstellen", sagt der ständige Beobachter der Entwicklungen in Giesing.

"Am Ende kommt es eben auf nur zwei Spiele an, da muss es nur einen ungerechtfertigten Elfmeter geben. Man hat ja gesehen: Wir haben uns schon in der Vorrunde das eine oder andere Mal schwer getan", sagt er weiter und warnt: "Die Spiele waren nicht alle souverän, sondern harter Kampf. Im Fußball spielt Selbstbewusstsein eine große Rolle. Hätten wir in Nürnberg gewonnen, wäre mir wesentlich wohler."

Hell sieht – wie viele andere – den Druck auf die junge Mannschaft wachsen. "Man hat schon in Augsburg gesehen, dass die vielen Zuschauer für die Mannschaft eher eine Belastung sein können", glaubt er. Ob der Sportliche Leiter den Löwen mit seiner Einschätzung nun einen Gefallen getan hat, sei indes ebenfalls dahingestellt.


Franz Hell, Allesfahrer und Edelfan. (Foto: Sampics)

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