TSV 1860 in Braunschweig AZ-Analyse: Verdienter Punkt für Möhlmann

Nahm erneut früh Einfluss auf das Spielgeschehen: Löwen-Trainer Benno Möhlmann bei Auswärtssspiel in Braunschweig. Foto: dpa

Der TSV 1860 holte mit dem torlosen Remis bei Eintracht Braunschweig einen Punkt - auch deswegen, weil Trainer Benno Möhlmann seine Taktik früh korrigierte. Die AZ-Spielanalyse.

 

München - Keinen Befreiungsschlag gelandet, aber auch nicht verloren: Der TSV 1860 reiste mit gemischten Gefühlen aus Braunschweig wieder nach Hause. 0:0 hieß es am Ende, es war aber ein Remis der spannenderen Sorte. Und für die Gäste-Löwen am Ende verdient.

Das Spiel: Die Löwen kamen gut aus der Kabine und agierten anfangs mutig, die Courage ging allerdings schnell wieder verloren. Braunschweig kurbelte sein Angriffs-Spiel in der Folge unermüdlich an, immer wieder  mussten Kapitän Christopher Schindler und seine Nebenleute die Bälle aus der Gefahrenzone befördern. Vor allem über die linke Abwehrseite der Sechzger rollte ein Angriff nach dem anderen. Der früh verwarnte Linksverteidiger RIchard Neudecker und seine Kollegen mussten sich bei Torwart Vitus Eicher bedanken, der eine Riesen-Möhlichkeit des bärenstarken Ofosu-Ayeh vereitelte (28.).

Während die Innenverteidigung um Schindler und Youngster Sertan Yegenoglu ansonsten meist souverän abräumte, stabilisierte sich die Möhlmann-Elf im zweiten Durchgang im Kollektiv: Fortan übernahmen die Löwen die Spielkontrolle und hatten auch die besseren Chancen zur Führung. Weil Daylon Claasen die beste Löwen-Chance freistehend vergab (59.) und auch einige andere aussichtsreiche Möglichkeiten nicht im Tor landeten, blieb es letzten Endes beim Unentschieden.

Die Tore: Weil hüben die drüben gute Chancen vergeben wurden, spielte der TSV 1860 im zweiten Mal im Laufe der Saison 0:0 (zuvor gegen Union Berlin). Insgesamt war es das siebte Unentschieden der Löwen, zum achten Mal (!) blieb Sechzig ohne eigenen Treffer.

Die Szene des Spiels: Benno Möhlmann brachte erneut den zum Linksverteidiger umfunktionierten Nachwuchs-Spielmacher Richard Neudecker in der Viererkette. Diesmal ging der Schachzug mit dem zuletzt starken Youngster nicht auf: Neudecker sah früh gelb und kam allgemein mit den schnellen Ofosu-Ayeh und Khelifi nicht zurecht. Also reagierte der Chefcoach: Möhlmann brachte früh den etatmäßigen Linksverteidiger Maximilian Wittek für Neudecker. Weil Möhlmann auch Linksaußen Marius Wolf im zweiten Durchgang etwas weiter in die Defensive beorderte, hielten die Löwen nach der Pause dicht und konnten sich vom Druck der Eintracht befreien. Fazit: Der Rekordtrainer scheut sich - wie bereits zuletzt durch die frühe Auswechslung von Daylon Claasen gegen den MSV Duisburg nicht vor mutigen Personalentscheidungen - diesmal war es der Schlüssel, um den Braunschweiger Angreifern den Zahn zu ziehen. Einzig der Ertrag durch einen eigenen Treffer fehlte am Ende.

Das war gut: Die Abwehr-Leistung von Schindler und Yegenoglu. Beide Innenverteidiger stachen aus einem zwischenzeitlich wackelnden, aber insgesamt kompakt stehenden Löwen-Konstrukt heraus. Sowohl in der Luft, als auch am Boden räumte das Pärchen sämtliche Angriffe ab - eine gute Leistung des Duos. Während Kapitän Schindler mit 133 Zweitliga-Spielen ein alter Hase ist, begeistert der erst 20-jährige Türke an der Seite des Spielführers durch sein schon jetzt unaufgeregtes und souveränes Spiel. Der Lohn: Erstmals seit März 2014 gab's in zwei Liga-Spielen hintereinander kein Gegentor.

Das war schlecht: Phasenweise ließ die Offensiv-Abteilung der Löwen arg zu wünschen übrig. Im ersten Durchgang feuerten die Sechzger nur einen einzigen Torschuss auf den gegnerischen Kasten ab - Tiefstwert der laufenden Saison. Als es nach der Pause zwar mehr Möglichkeiten kreiert werden konnten, fehlte es an der Durchschlagskraft. Mal fehlt der letzte Pass vor den "endgültigen Torchancen" (Möhlmann), mal fehlte die "Kaltschnäuzigkeit" (Daniel Adlung).

Das sagt Löwen-Trainer Benno Möhlmann: "Wir sind nicht unzufrieden, wir müssen, können und sollen zufrieden sein. Die Basis hat gestimmt. Wir haben gut verteidigt, in der 2. Halbzeit hatten wir auch einige Chancen. Die Eintracht war etwas druckvoller im Spiel nach vorne. Rein theoretisch wäre aber mehr drin gewesen. Aus guten Situationen heraus erspielen wir uns keine endgültigen Torchancen."

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Das sagt Braunschweig-Trainer Torsten Lieberknecht: "Meine Mannschaft hat alles rausgehauen, nachdem wir verletzungsbedingt wieder einige Positionen neu besetzen mussten. Letztendlich entspricht das Unentschieden dem Spielverlauf. Für beide Teams war mehr drin, deshalb bin ich froh, dass wir die Null gehalten haben."

 

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